Kaske: Tourismus soll Arbeitskräftebedarf in EU und Inland decken HGPD sieht keinen Anlass für Aufstockung der Saisonnierzahlen

Wien (HGPD/ÖGB). Heftige Kritik an den Wünschen der Tourismuswirtschaft nach Aufstockung des Saisonnierkontingentes für die kommende Wintersaison übte heute der Vorsitzende der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD), Rudolf Kaske. "Die Tourismusunternehmer sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Im Oktober waren mehr als 35.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Tourismus arbeitslos gemeldet. Es muss doch ein Leichtes sein, den Arbeitskräftebedarf für die Wintersaison aus diesem Potenzial zu decken, wenn die Betriebe ordentliche Löhne und Arbeitsbedingungen bieten", meinte der HGPD-Vorsitzende. Vorrangiges Ziel sei, die arbeitslosen in- und ausländischen Tourismusarbeitskräfte in Beschäftigung zu bringen.++++

Flexibilität ist keine Einbahnstraße

Kaske: "Ich finde es merkwürdig, dass manche Tourismuspolitiker schon vor Beginn der Wintersaison lauthals beklagen, das vom Sozialministerium bewilligte Kontingent von 2090 Saisonniers reiche nicht aus. Flexibilität ist keine Einbahnstraße. Daher empfehle ich jenen Tourismusunternehmern, die am lautesten über fehlende Arbeitskräfte klagen, einmal selbst jene Flexibilität zu praktizieren, die sie tagein und tagaus von den Arbeitskräften verlangen. Im Osten Österreichs gibt es genügend arbeitslose Tourismusmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, die bereit wären, bei ordentlichen Löhnen und zumutbaren Arbeitsbedingungen in der Wintersaison im Westen Österreichs zu arbeiten. Diese überregionale Vermittlung von Arbeitskräften muss ebenso verstärkt werden wie die EU-interne Rekrutierung von Tourismusbeschäftigten." Auch eine kritische Überprüfung der Wiedereinstellungszusagen von Arbeitskräften sei angebracht, "da diese das wahre Ausmaß der Arbeitslosigkeit in den Tourismusberufen beschönigen".

Saisonniers nur zur Spitzenabdeckung

Kaske betonte, dass er sich zur Beschäftigung ausländischer Saisonarbeitskräfte bekenne, "wenn sie zur Abdeckung der saisonalen Spitzenauslastung" gebraucht würden. Keinesfalls werde die Gewerkschaft HGPD aber dabei zusehen, wenn Saisonniers als "Füllmasse für jene Betriebe herangezogen werden, in denen lediglich 'Schandlöhne' bezahlt werden und Arbeitszeiten rund um die Uhr vorherrschen", so Kaske. Gerade diese Betriebe seien es aber, die -"regelmäßig wie der Muezzin seinen Gebetsruf" - die Forderung nach mehr ausländischen Saisonarbeitskräften erheben. (ws)

ÖGB, 30. November 1999 Nr. 575

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