"Presse"-Kommentar: "Katzenjammer nach dem Schulterklopfen", (von Detelef Harbich)

Ausgabe vom 30.November 1999

Wien (OTS) - Vor etwa einem Jahr, da gab es das große Schulterklopfen: Nie hatte es seit den 70er Jahren so wenige Verkehrstote gegeben, erstmals war die magische Zahl 1000 unterschritten worden. Jetzt gibt es leisen Katzenjammer, mit Ende November wurde die Opferzahl des Vorjahres - 963 - überschritten, bis Jahresende werden es wohl wieder deutlich mehr als 1000 Tote sein, die Österreichs Verkehr zum Opfer gefallen sein werden. Hatte man sich vor einem Jahr zum angeblichen Erfolg von 0,5 Promille gratuliert, so klingen die Begründungen für den Rückschlag des heurigen Jahres eher kleinlaut. Der Kontrolldruck habe etwas nachgelassen, heißt es vor allem. Womit man eigentlich all jenen Zweiflern recht gibt, die die große Inszenierung der Senkung der Alkoholgrenze als bloße Anlaßgesetzgebung und Alibi-Handlung _ Motto:
nutzt's nicht, so schadet's nicht - kritisiert und in etwa ein Ergebnis wie nun gehabt vorausgesagt hatten: Die große Publizität nach der monatelangen kampagneartigen Diskussion und die scharfen Kontrollen der ersten Zeit brachten tatsächlich einige Wirkung. Aber kaum wandte sich die Exekutive wieder mehr anderen Tätigkeiten zu -es gibt ja nicht nur Autofahrer, die ein Achtel zuviel getrunken haben -, fiel das allgemeine Bewußtsein wieder in den alten Zustand zurück. Der Beweis, daß 0,5 Promille - für sich allein - irgendetwas verhindert hat, steht aus. Die Gegenbehauptung, das alte Limit mit stetigen und wirkungsvollen Kontrollen hätte ebensoviel genützt, bleibt unwiderlegt. Tatsächlich scheinen sich aber die wirklichen Probleme woanders hin zu verlagern. Wer in letzter Zeit die Westautobahn benützt hat, wundert sich wahrscheinlich, daß dort nicht noch mehr passiert; und es gab auch einen signifikanten Anstieg der Unfälle von Schwerfahrzeugen auf den Autobahnen mit etlichen Toten, um nur ein Beispiel zu nennen. Sieht man sich die Statistik auf die langfristige Tendenz an, so gibt es seit den 70er Jahren eine stetige Entwicklung nach unten, mit dem Tiefpunkt im Vorjahr. Das relativiert den heurigen Rückschlag. Daß der Trend weiter nach unten geht, dafür ist zu sorgen: mit Augenmaß, Vernunft und ohne billige Effekthascherei.

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