"Neue Zeit" Kommentar: "Große Sprüche" (von Peter Kolb)

Ausgabe vom 28.11.1999

Graz (OTS) - Die Zeit nach dem 3. Oktober scheint sich zur Zeit
der großen Sprüche zu entwickeln. Er wolle nichts bleiben und nichts werden, sondern für Österreich etwas zustande bringen, so der mit seiner Partei bei der Nationalratswahl von den Wahlberechtigten auf den dritten Platz gebrachte Vizekanzler Wolfgang Schüssel. Für einen, der nichts werden will, pokert VP-Chef Schüssel ganz schön hoch. Ein Poker-Face zu machen ist legitim, beim Kartentippeln sogar zu erwarten, nur ist der Einsatz schon recht beträchtlich. Denn Schüssel pokert ja nicht um seine persönlichen Habe, sondern um die Regierbarkeit eines Landes. Das spüren die Wähler und die Verhandlungspartner, und die reagieren angesichts der patzigen Haltung der VP-Granden zunehmend verdrießlich. Burgenlands VP-Chef Gerhard Jellasitz klopft ebenfalls Sprüche. Hinsichtlich Haiders Politikstil hat er zwar recht - "politische Blößen lassen sich nicht von teurer Kleidung bedecken" - aber mit Pest und Cholera als Charakterisierung für die potentiellen Regierungspartner seines Chefs läßt er erkennen, dass er jede künftige Regierungsform für von vorneherein kränkelnd hält. Ob die=

Arznei Volkspartei da wirksam sein kann, ist zu bezweifeln. Und noch ein aktueller, großspuriger Spruch trifft nicht zu. Laut Jellasitz muß sich die VP von niemandem hetzen lassen, die VP habe Geduld zu haben und souverän zu bleiben. Es könnte nur sein, dass der Souverän bald die Geduld mit den selbstgefälligen Spielchen der VP verliert.

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