Im neuen FORMAT gibt Peter Ruzicka sein erstes Interview als designierter Chef der Salzburger Festspiele: "Ich bin ein unerbittlicher Diplomat."

Wien (OTS) - Ruzicka über Karajan und Mortier: "Auch wenn dies einer merkwürdigen 'political correctness' zu widersprechen scheint:
Ich erinnere mich einer großen Zahl Karajanscher Aufführungen in Salzburg, die für mich noch immer wirklich prägende Bedeutung und Kraft haben. Aber natürlich hat es seither einen Paradigmenwechsel gegeben, in der Interpretationskultur, in der Bühnenästhetik. Gerard Mortier hat es, so denke ich maßgeblich verstanden, die für die neunziger Jahre wesentlichen und bestimmenden Akzente zu setzen. Es hat in seiner Ära jedenfalls aufregende Seh- und Hörerfahrungen gegeben, die Salzburgs Rolle befestigt haben, neue Entwicklungen anzustoßen. Ich habe Karajan in meiner Berliner Zeit persönlich gut gekannt und bin mit Mortier seit vielen Jahren kollegial befreundet."

- Ruzicka zum Thema Festspiele und Tradition: "Bloße Tradition wäre, um mit Gustav Mahler zu sprechen, hier wirklich nur Schlamperei, jedenfalls nicht festivaltauglich."

Ruzicka über den Vorwurf, er wäre zu "zurückhaltend": "Mit solcher ,Zurückhaltung' wären achtzehn Jahre als Orchester- und Opernintendant wohl kaum zu bewältigen gewesen. Aber richtig ist, daß ich künstlerische Entscheidungen ebenso wie mögliche ? und auch notwendige ? Konflikte nicht in der Öffentlichkeit austrage. Dies hilft Energie sparen für die eigentlichen und produktiven Aufgaben eines kreativen Kulturmanagements. "

Ruzicka über Intendantenprinzip und beinhartes Management: "Das würde in einem ,non profit"-Unternehmen wie einem Opernhaus oder im Umgang mit einem Orchester wohl kaum funktionieren. Ich bin zwar Anhänger des Intendantenprinzips, weil eine letzte Entscheidung möglicher künstlerischer Konflikte, notfalls auch gegen Widerstände, notwendig ist. Aber ich arbeite gerne mit selbstbewußten Künstlern und Mitarbeitern an einem gemeinsamen Konzept. Im übrigen lernt " dieses Berufsfeldes umzugehen."

Ruzicka über Ruzicka: "Ich bin neugierig auf den Umgang mit wichtigen Persönlichkeiten unserer Zeit, besonders mit Künstlern. Dann auch geduldig und, wie man mir nachsagt, ,mit unerbittlicher Diplomatie‘ begabt. Und ansonsten gibt es noch Momente der Selbstironie und des Sarkasmus ? ich habe schließlich österreichische Eltern …"

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