Draken: "Letzte Warnung an die Politik"

Wien (OTS) - Brigadier Josef Bernecker, Chef der Luftabteilung des Verteidigungministeriums, in FORMAT: "Wenn in den nächsten Monaten keine Entscheidung über Draken-Nachfolger fällt, muß österreichische Luftraumüberwachung zusperren." - "Politik treibt Schindluder mit dem Steuergeld der Bevölkerung."

In einem Interview mit dem am Montag erscheinenden Nachrichtenmagazin FORMAT übt Brigadier Josef Bernecker, Chef der Luftabteilung des Verteidigungsministeriums, scharfe Kritik an der Verzögerung einer Entscheidung über ein Draken-Nachfolgemodell. "Ich kann nur eine letzte Warnung aussprechen", so Bernecker: "Wenn nicht in den nächsten Monaten eine Entscheidung fällt, dann muß die österreichische Luftraumüberwachung zusperren und die Regierung zur Kenntnis nehmen, daß es uns nicht mehr gibt. Die Piloten und die Techniker laufen uns davon, und wir erleiden einen Know-How-Einbruch, der uns zehn Jahre zurückwirft."

Der finanzielle und technische Aufwand, den Draken lufttauglich zu halten, werde immer höher, so Bernecker: "Die Gefahr, daß Probleme auftauchen, die wir nicht mehr bewältigen können, ist bereits da und wird jeden Tag größer."

Bernecker bezweifelt, daß die österreichischen Luftstreitkräfte im Krisenfall noch für die Souveränität des Luftraumes garantieren können: "Die heutigen Jagdflieger haben eine Waffenreichweite von rund 60 Kilometern. Für unser System ist bei maximal zehn Kilometern Schluß. Im modernen Kampffeld ist mit dem Draken also nichts mehr auszurichten."

Die Politik betreibe, so Bernecker weiter "Schindluder mit dem Steuergeld der Bevölkerung. Man pulvert in ein Flotte hinein, die ihre Aufgabe nur mehr halb erfüllen kann, und die man dann einfach sterben läßt."

Kritik auch von Draken-Piloten

Kritisch äußern sich in FORMAT auch Draken-Piloten und -techniker:
"Wir fühlen uns im Stich gelassen, weil es keine Konsequenzen im Bereich der Sicherheitspolitik gibt", sagt etwa Geschwaderkommandant Oberstleutnant Doro Kowatsch.

Major Ferdinand Kaspar, technischer Offizier des 1. Staffel, sieht die Probleme mit dem Draken ebenfalls wachsen: "Wir haben die Sache noch im Griff. Aber der Aufwand wird immer größer. Jetzt erreichen Komponenten, die wir nicht mehr austauschen könne, das Ende ihrer Lebenszeit. Wenn wir beispielsweise an einem der Kabelbäume Ermüdungserscheinungen vermuten, können wir die Maschine nur völlig auseinanderreißen. Und das rentiert sich nicht mehr."

Alleine im vergangenen Jahr haben vier Piloten die Draken-Flotte in Richtung ziviler Fluglinien verlassen. Insgesamt haben seit Beginn der neunziger Jahre rund 30 Draken-Piloten den Dienst quittiert. Die Ausbildung jedes einzelnen kostet laut Angaben der Luftabteilung 50 Millionen Schilling.

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