Kunsthandwerk an der Zeitenwende

100 Jahre Winterausstellung 1899/1900

Wien (OTS) - Pressepreview: Dienstag, 14. Dezember 1999, 10.30 Uhr Ort: MAK-Kunstblättersaal
MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst, Stubenring 5, A-1010 Wien
Ausstellungsdauer: 15. 12. 1999 - 26. 3. 2000
Öffnungszeiten: Di - So 10.00 - 18.00 Uhr
Do 10.00 - 21.00 Uhr, Mo geschlossen

Die Ausstellung "Kunsthandwerk an der Zeitenwende", die vom 15. Dezember 1999 bis 26. März 2000 im MAK-Kunstblättersaal zu sehen ist, thematisiert die Winterausstellung 1899/1900, die im "k.k. österreichischs Museum für Kunst und Industrie", dem Vorgänger des MAK, einen der bedeutendsten Wendepunkte in der Entwicklung zur Moderne darstellt. Kommerziell organisiert, konnten sämtliche Interieurs und kunstgewerbliche Gegenstände nicht nur bewundert, sondern auch käuflich erworben werden. Unter den Entwerfern fanden sich Künstler wie Otto Wagner, Josef Hoffmann, Josef Maria Olbrich und Koloman Moser. Ihre Ideen wurden von den innovativsten Firmen der Monarchie ausgeführt: die Glasfabriken Lobmeyr, Bakalowits und Loetz oder den holzverarbeitenden BetriebenThonet und Portois & Fix.

" ... das Wiener Kunstgewerbe ist wieder in Europa" - Euphorie manifestiert sich in der Rezension des Kunstkritikers Ludwig Hevesi über die Gestaltung der dritten Winterausstellung des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie im Dezember 1899, die den Status Quo des österreichischen Kunsthandwerks um die Jahrhundertwende veranschaulicht. Auf die Initiative des Direktors Arthur von Scala hin stellten in den Winterausstellungen eine Reihe österreichischer Künstler und Entwerfer ihre aktuellsten Produkte aus. Die Aussteller sahen sich einerseits noch dem historistischen Geist überbordender Formfülle verpflichtet, andererseits läßt sich an den gezeigten Objekten bereits der beginnende Aufbruch zu neuer Klarheit und Unmittelbarkeit in Gestaltung und Material ablesen. Eine Modernität, die dadurch zustande kam, daß sich viele Künstler an Kunstobjekten, die Arthur von Scala als Vorbilder für Künstler und Handwerker für das Österreichische Museum ankaufte, orientierten. Arthur von Scala konzentrierte sich beim Erwerb von Objekten schwerpunktmäßig auf den Ankauf englischer und französischer Vorbilder wie der Londoner Guild of handicraft, Morris & Co, Chippendale oder Samuel Bings Galerie in Paris "L'Art Nouveau". Eine Idee, für die Scala in Wien stark angefeindet wurde, die aber zu einem produktiven Diskurs führte. Auf diese Weise sollte das heimische Kunsthandwerk europäische Standards erreichen.

Hundert Jahre nach dieser Ausstellung soll der erfolgreiche Antagonismus in einen aktuellen Kontext gestellt werden. Anhand von Originalfotos, Objekten und Blow-ups von Raumansichten der Winterausstellung wird die heterogene Wirkung der Kunsthandwerker neuerlich auf den Prüfstand gestellt. Die Winterausstellung beschränkte sich keineswegs auf eine Aneinanderreihung vo= n kunstgewerblichen Gegenständen, sondern adaptierte komplette Interieurs wie etwa Speisezimmer, Schlafzimmer, und Vorhallen, die unter anderem in den ehemaligen Vorlesesaal des Museums eingepaßt wurden. Für die historisierende Position steht Leopold Müllers "Halle für ein Landhaus". In Siegmund Jarays schlichtem "Zimmer für einen verheirateten Arbeiter", manifestiert sich hingegen schon der Jugendstil.

So divergent wie das Gezeigte waren auch die zeitgenössischen Kommentare: Während Hermann Bahr, eines der wichtigsten Sprachrohre der Wiener Moderne, Zweifel an der Publikumswirkung dieser Ausstellung hegt, wenn er fragt: "War diese gut oder schlecht? Half sie das Publikum erziehen oder verderben? Nahm es ein reines Gefühl der Kunst aus ihr mit oder bloß die Laune einer Mode?", konstatiert Hevesi: "Die Wirkung auf das Publikum übertraf alle Erwartungen. Sie ging in gewissem Sinne noch weiter als man wünschte, denn das Neue war über Nacht förmlich Mode geworden, während das Museum weit nachdrücklichere Absichten und keine amüsante Tagesmode, sondern eine Gründung des allgemeinen Geschmacks und kunstgewerblichen Betriebes herbeiführen wollte... . Im Ganzen zeigt sich, dass das Österreichische Museum aus einer modificirenden und assistirenden Periode neuerdings in eine schaffende eingetreten ist".

Auch heute, an der Wende ins nächste Jahrhundert, stehen Vorbildwirkung und Geschmacksbildung - programmatische Funktionen des MAK - wieder zur Diskussion. Dieses symbiotische Zusammenspiel von Gründungsidee und permanenter Neuorientierung soll in der ab 31. Mai 2000 stattfindenden Großausstellung "Kunst und Industrie - Der erweiterte Blick - Aufstieg und Niedergang einer Museumsidee" erneut aufgegriffen werden.

Pressedaten

Kunsthandwerk an der Zeitenwende
100 Jahre Winterausstellung 1899/1900

Pressepreview
Dienstag, 14. Dezember 1999, 10.30 Uhr
Ort MAK-Kunstblättersaal
MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst, Stubenring 5, A-1010 Wien
Ausstellungsdauer 15. 12. 1999 - 26. 3. 2000
Öffnungszeiten Di - So 10.00 - 18.00 Uhr
Do 10.00 - 21.00 Uhr, Mo geschlossen

MAK-Kurator Hanna Egger
Mitarbeit Rainald Franz, Peter Klinger

Führungen: Schulklassen, Gruppen und Sondertermine gegen Anmeldung: Gabriele Fabiankowitsch, Tel. 01-711 36-298

Feiertage 24. 12. 10.00 bis 15.00 Uhr (freier Eintritt)
25. 12. geschlossen
31. 12. 10.00 bis 15.00 Uhr
1.1. geschlossen

MAK-Eintritt öS 90,00/öS 45,00 ermäßigt für Schüler, Studenten, Senioren ab 60, Soldaten, Zivildiener,
Gruppen ab 10 Personen/
Freier Eintritt für Kinder bis 10, Mitglieder der MAK ART SOCIETY, Studenten der Universität für angewandte
Kunst, Museumspaß, Arbeitslose, österr. Schulklassen.

MAK-Vorschau
CINE ART - Indische Plakatmaler im MAK

Eröffnung: 30. 11. 1999, 20.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 1. 12. 1999 - 9. 1. 2000
JOSEPH BEUYS - Editionen
Eröffnung: 25. 1. 1999, 20.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 26. 1. - 30. 4. 2000
KUNST UND INDUSTRIE - Der erweiterte Blick.
Eröffnung: 30. 5. 2000, 20.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 31. 5. - 3. 9. 2000

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