Wir leben bereits seit 1989 im neuen Millennium

NÖ Landesakademie-Themenabend zur Jahrtausendwende

St.Pölten (NLK) - "Wir leben geopolitisch und gesellschaftspolitisch schon seit zehn Jahren im 21. Jahrhundert, die Jahrtausendwende ist eine kalendarische Zufälligkeit, der keine Bedeutung zukommt", so kommentierte der Philosoph Konrad Paul Liessmann den bevorstehenden Jahrtausendwechsel. Und wenn es nach dem Publizisten und Journalisten DDr. Günther Nenning ginge, bräuchten wir überhaupt kein Millennium, sondern ein "absurdes, durch nichts gerechtfertigtes Grundvertrauen in die Zukunft". "Millennium: Wohin wendet sich die Gesellschaft?" - dieser Frage gingen gestern abend beim Themenabend der NÖ Landesakademie im Autohaus Birngruber in Krems prominente Podiumsteilnehmer nach.

Für die bekannte Zeithistorikerin Dr. Erika Weinzierl möge vom alten Jahrtausend insbesondere die Erinnerung an dessen Errungenschaften und Scheitern bleiben: Werte des Christentums, Aufklärung, Menschenrechte, aber auch Kriege und der Holocaust. Sie sei überzeugt, daß die Menschen für ihr Überleben die Erinnerung an ihre Geschichte brauchen, und sieht in der Jahrtausendwende einen Neubeginn, weil die enormen sozialen und technischen Veränderungen neue Methoden und Strukturen verlangen.

Das Datum 2000, darin waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion der NÖ Landesakademie einig, sei im historisch-philosophischen Sinne keine Zeitenwende. Wenn, dann war das Jahr 1989 mit dem Zusammenbruch der bipolaren Weltordnung und dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 eine solche Zeitenwende.

"Das 20. Jahrhundert ist daran gescheitert, die Probleme des 19. Jahrhunderts zu lösen. Deshalb müssen wir heute dort ansetzen, wo wir nach dem Ersten Weltkrieg aufgehört haben", zeigte sich der Philosoph und Kulturpublizist Konrad Paul Liessmann überzeugt. Soziale und ökonomische Fragen, das immer größer werdende Gefälle zwischen Arm und Reich sowie die weltweite Verankerung von Menschenrechten und Demokratien seien dabei nur einige der Probleme, die das neue Jahrhundert zu lösen haben wird.

Der Publizist und freiheitliche Politikberater Andreas Mölzer ortete im "Bedürfnis nach Heimat" einen Gegentrend zur "offenbar irreversiblen" Globalisierung. Die Menschen könnten die zunehmende wirtschaftliche, aber auch geistig-kulturelle Öffnung ins beliebig Weltumfassende nur ertragen, wenn das Eigene, das Kleinräumige und persönlich Gestaltete im Gegengewicht dazu betont werde.

Dem Journalisten, Buchautor und Filmemacher Günther Nenning "kann das Millennium gestohlen bleiben". "Das Projekt der Moderne ist tot. Der Mensch kann nicht mehr als Vernunftwesen leben, sondern nur noch aus den trüben Quellen des Gefühls und der Liebe", so seine Vision für die Zukunft.

Übereinstimmung gab es am prominent besetzten Podium, u.a. auch mit Trend-Herausgeber Helmut A. Gansterer, Zukunftsforscher Rudolf Kapellner und SAT1-Österreich-Geschäftsführer Dr. Franz Ferdinand Wolf als Diskussionsleiter, auch darin, daß die Zukunft neben der Ächtung des Krieges vor allem eine weltweite Solidarität brauche und daß mit aller Kraft einer Mehrklassengesellschaft gegengesteuert werden müsse.

Information: NÖ Landesakademie, Öffentlichkeitsarbeit, Frau Mair, Telefon 02742/ 294-7403, http://www.noe-lak.at.

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