"Neue Zeit" Kommentar: "Labyrinth" (von Helmut Griess)

Ausgabe vom 26. 11. 1999

Graz (OTS) - Wer gemeint hatte, die VP habe sich mit der Äußerung von Schüssel-Stellvertreterin Elisabeth Gehrer auf eine zwar erstaunliche Alternative - Bundeskanzler oder Opposition - aber eben doch auf eine klar erkennbare Position festgelegt, wurde schon gestern wieder eines anderen belehrt: "Missinterpretation", ließ Parteichef Wolfgang Schüssel mitteilen.

Damit bemüht sich die VP weiterhin allen drei parteiinternen Richtungen gleichzeitig gerecht zu werden: Für die Anhänger von Rot-Schwarz gibt es "Sondierungsgespräche" mit der SP. Für die Anhänger von Blau-Schwarz gibt es "Zukunftsgespräche" mit den Freiheitlichen. Und für die Anhänger der Opposition gibt es die in der Art einer Gebetsmühle wiederholte Beteuerung: "Die Weichenstellung in Richtung Opposition ist aufrecht". Besonders beharrlich- und subjektiv glaubwürdig - ist dabei die steirische VP-Chefin Waltraud Klasnic: Sie, die als einzige unter den VP-Granden der Oppositionsfestlegung Wolfgang Schüssels Widerstand geleistet hat und dabei unterlegen ist, fordert, dass jetzt das eingehalten wird, was sie nicht verhindern konnte: "Aussagen, die vor dem Wahltag gemacht wurden, müssen auch nach der Wahl gelten."

Auch mittlere und höhere Funktionäre der VP warten mit Spannung, wie Schüssel einen Ausweg aus diesem selbst gebauten Labyrinth finden wird. Wie immer der aussehen wird: Zwei der drei innerparteilichen Richtungen wird er enttäuschen. Und damit eine Mehrheit der eigenen Parteigänger.

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