STANDARD-Kommentar zum Thema: Position der ÖVP von Samo Kobenter, Ausgabe vom 26.11.99 "Ein Missverständnis"

Wien (OTS) - Die Falle war im Konjunktiv eingebaut, den Ministerin Elisabeth Gehrer verwendete, um die Möglichkeit einer Regierungsbeteiligung der ÖVP zu skizzieren. So schnell konnte Gehrers Büro das "Missverständnis" gar nicht dementieren, wie der bereits erlahmt scheinende Flügel der FP-Sympathisanten in der ÖVP wieder zu flattern begann. Und zwar im Indikativ, wie der steirische Wirtschaftslandesrat Herbert Paierl und sein oberösterreichischer Kollege Christoph Leitl klar und deutlich deponierten.

Als ob die VP-Granden mit ihrem Plan, in die Opposition zu gehen, aber als Beschaffer von Verfassungsmehrheiten ein bisschen mitzubestimmen, nicht schon genug Scherereien hätten. Da drängt sie sogar der Bundespräsident, der nun wirklich nicht dem linken Lager zugerechnet werden kann, doch endlich zu sagen, ob sie nun seriös regieren wollen oder nicht. Plötzlich mischen sich die Haider-Fans ein und torpedieren die schöne Taktik, die SPÖ sondierungsmäßig vorzuführen und den Kanzler scheibchenweise zu demontieren, mit unnötigen Zwischenrufen. Oder sollte es tatsächlich so sein, wie es die ÖVP nach außen nicht wahrhaben will? Dass nämlich die Furcht, in der Umarmung der FPÖ zu ersticken, längst geringer ist als der Widerwille, es noch einmal mit der SPÖ zu versuchen?

Fast flehentlich klingen vor dieser Szene die Beteuerungen, die Nationalratspräsident Heinz Fischer aus dem Hintergrund beisteuert. Es sei alles halb so schlimm, wenn die ÖVP nur wolle, könne sie mit der SPÖ noch einmal glücklich werden. Zumindest fünf Jahre lang, in den großen Fragen sei man ohnehin einer Meinung. Zumindest darauf ist die Antwort der ÖVP - "sicher nicht" - grammatikalisch unmissverständlich. Aber das kann sich ändern. Hofft die SPÖ.

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