OeNB-Geschäftsentwicklung der in Österreich tätigen Kreditinstitute in den ersten drei Quartalen 1999

Wien (OTS) -

  • Leichte Abschwächung des Bilanzsummenwachstums
  • Dynamisches Auslandsgeschäft
  • Kreditausweitung erfolgte überwiegend in fremder Währung, aber im September wurden erstmals seit Juni von den Kunden mehr Kredite in EUR als in Fremdwährung in Anspruch genommen
  • Beachtlicher Anstieg des Umlaufs eigener Inlandsemissionen an Nichtbanken
  • Starkes Wachstum kurzfristiger Einlagen
  • Eigenmittelquote bei 14,0%
  • Neuer Höchststand der besonderen außerbilanzmäßigen Finanzgeschäfte

Seit Beginn des Jahres nahm die Bilanzsumme der
Kreditinstitute um +8,1% zu, was eine geringfügige
Abschwächung zur Vergleichsperiode des Vorjahres (+9,6%)
bedeutete. Die größten Zuwächse ergaben sich aktivseitig vor allem bei den Auslandsforderungen und den Direktkrediten an inländische Nichtbanken, auf der Passivseite trugen
hauptsächlich die Auslandsverbindlichkeiten sowie die Verbindlichkeiten gegen inländische Kreditinstitute zum Bilanzsummenwachstum bei.

Das Volumen der aushaftenden Direktkredite an inländische Nichtbanken expandierte mit +6,50 Mrd EUR (+3,2%) stärker als
1998. Diese Zunahme ist jedoch auch unter dem Aspekt der vierteljährlich anfallenden Zinszuschreibungen zu sehen, die
in den ersten drei Quartalen 1999 insgesamt 4,03 Mrd EUR
betrugen.

Getragen wurde dieses Wachstum im Jahresverlauf
hauptsächlich durch die Fremdwährungskredite, wenngleich im September bei den Direktkrediten in EUR mit +2,39 Mrd EUR
(+1,4%) eine betragsmäßig deutlichere Steigerung festzustellen
war als bei den Direktkrediten in Fremdwährung (+1,21 Mrd EUR
od. +4,1%). Der Anteil der Direktkredite in Fremdwährung an
den gesamten Direktkrediten lag im September bei 14,8% nach
15,5% im August, 14,0% im Juli, 13,4% im Juni und 13,3% im
Mai. Kredite in Schweizer Franken wurden um mehr als ein
Drittel ausgeweitet, Yenfinanzierungen verdreifachten sich
nahezu. Insgesamt betrugen die Fremdwährungsdirektkredite Ende September dieses Jahres 30,8 Mrd EUR, wovon 77% in Schweizer
Franken und 17% in Yen denominiert waren.

Der öffentliche Sektor weitete seine Bankverbindlichkeiten
im Gegensatz zu den beiden Vorjahren geringfügig aus. Die Unternehmen erhöhten hingegen trotz höherer Investitions-
neigung und tiefen (Nominal-)Zinsniveaus in den ersten drei Quartalen 1999 ihre Bankverbindlichkeiten nur halb so stark
wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres (+4,2%).
Offensichtlich konnten die Unternehmen ihren Finanzbedarf dank
einer erhöhten Selbstfinanzierungskraft vermehrt aus eigenen Mitteln finanzieren. Weiterhin überaus dynamisch entwickelten
sich hingegen angesichts der lebhaften Nachfrage nach
dauerhaften Konsumgütern die Forderungen an die privaten
Haushalte.

Der im Vergleich zu den ersten neun Monaten des Vorjahres
recht deutliche Rückgang der titrierten Kredite von
-1,37 Mrd EUR (-5,0%) war hauptsächlich durch die Abnahme der Bundesschatzscheine und der anderen Schuldtitel öffentlicher Stellen bedingt. Der relativ starke Zuwachs des Wertpapierportefeuilles der österreichischen Banken wurde im Wesentlichen von Investmentfonds getragen, deren Bestand in
den ersten drei Quartalen 1999 um +70% zunahm.

Im bisherigen Jahresverlauf war der Zuwachs der Einlagen
von inländischen Nichtbanken etwas geringer als im Vorjahr.
Die Struktur der Einlagen verschob sich weiter zum liquiden
Bereich. Die täglich fälligen Einlagen erhöhten sich um
+10,8%, während die Einlagen mit Bindungsfristen zurückgingen
bzw. - im Laufzeitensegment ein bis fünf Jahre - nur schwach zunahmen.

Die Sichteinlagen erhöhten sich in den ersten drei
Quartalen mehr als doppelt so stark wie im Vorjahr. Im Bereich
der Spareinlagen war der Rückgang hingegen geringer als im Vergleichszeitraum. Termineinlagen waren im Gegensatz zum
Vorjahr rückläufig. Die privaten Haushalte und die Unternehmen hielten merklich höhere Guthaben auf ihren Sichteinlagenkonten
und reduzierten ihre Termineinlagenstände, der Sektor Staat
wies demgegenüber Zuwächse bei den Termineinlagen und
Rückgänge bei den Sichteinlagen auf.

Der Umlauf der eigenen Inlandsemissionen an Nichtbanken
stieg in den ersten neun Monaten um beachtliche +4,18 Mrd EUR (+10,0%). Sowohl die begebenen Schuldverschreibungen als auch
die anderen verbrieften Verbindlichkeiten waren
ausschlaggebend für dieses gute Ergebnis.

Nach dem merklichen Abbau von Auslandsengagements in der
zweiten Jahreshälfte 1998 haben die österreichischen Kreditinstitute ihre (Netto-)Auslandsposition im Verlauf des
Jahres wieder ausgeweitet. Die Auslandsaktiva stiegen seit Jahresbeginn mehr als doppelt so stark wie im
Vergleichszeitraum des Vorjahres und trugen damit nahezu zwei Drittel zur Bilanzsummenausweitung bei. Das Wachstum wurde zur Hälfte von der Veranlagung in ausländischen Wertpapieren und Beteiligungen getragen. Auch die Kreditgewährung an
ausländische Nichtbankenkunden und die Zwischenbank-
ausleihungen erhöhten sich merklich rascher als im Vorjahr.

Das ausländische Mittelaufkommen stützte sich heuer im wesentlichen auf Zwischenbankpositionen. Auch die auf den internationalen Kapitalmärkten begebenen eigenen Emissionen erhöhten sich in den ersten drei Quartalen 1999, die Einlagen ausländischer Kunden waren hingegen rückläufig.

Die besonderen außerbilanzmäßigen Finanzgeschäfte wuchsen
in den ersten drei Quartalen um +213,20 Mrd EUR (+49,1%), in
der Vergleichsperiode des Vorjahres waren noch Rückgänge festzustellen. Besonders im Bereich der Zinssatzverträge
konnten die Kreditinstitute enorme Zuwächse (+60,1%)
verbuchen. Die besonderen außerbilanzmäßigen Finanzgeschäfte erreichten im September mit rund 125% gemessen an der Gesamtbilanzsumme einen neuen Höchststand.

Die Eigenmittel der österreichischen Kreditinstitute
stiegen seit Jahresbeginn um +4,3% und damit deutlich
langsamer als im Vergleichszeitraum des Vorjahres auf einen
neuen Höchststand von 34,6 Mrd EUR. Die Eigenmittelausstattung
in Prozent der Bemessungsgrundlage betrug im September 14,0%.

Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute in Österreich

Stand kumulative Veränderung 1) 1999/09 1998 1999
in Mrd EUR in % in Mrd EUR in % Einlagen von inländ.
Nichtbanken ............ 168,42 +2,22 +1,40 +1,71 +1,00 Eigene inländische
Emissionen a.Nichtbanken 46,08 -0,26 -0,60 +4,18 +10,00 Geldkapitalbildung von
inländ.Nichtbanken ..... 214,49 +1,96 +1,00 +5,89 +2,80 Direktkredite an
inländ.Nichtbanken ..... 206,78 +4,44 +2,30 +6,50 +3,20 Titrierte Kredite an
inländ.Nichtbanken ..... 25,98 +0,23 +0,80 -1,37 -5,00 Gesamtkredite an
inländ.Nichtbanken ..... 232,76 +4,68 +2,10 +5,13 +2,30 Auslandsaktiva ......... 134,42 +10,44 +9,90 +23,68 +21,40 Auslandspassiva ........ 148,36 +12,46 +10,40 +21,42 +16,90 Bilanzsumme ............ 519,61 +41,93 +9,60 +38,75 +8,10 Nicht bilanzwirksame
Geschäfte .............. 693,44 +1,98 +0,29 +214,82 +44,88 .hievon besondere
außerbilanzmäßige
Finanzgeschäfte ...... 647,33 -0,63 -0,10 +213,20 +49,11 Eigenmittel absolut .... 34,64 +4,24 +14,70 +1,42 +4,30 Eigenmittel in % der
Bemessungsgrundlage 2) . 13,98

1) Aufgrund der Umstellung auf Euro kann wegen fehlender

Vorjahresvergleichswerte keine Untergliederung der Positionen in Euro und Fremdwährung dargestellt werden.
2) Betreffend jene Banken, die laut BWG zur Haltung von Eigenmitteln

verpflichtet sind.

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