- 25.11.1999, 11:28:17
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Wiener VP zu Ladenöffnungszeiten: Politik läuft Gefahr von der Realität eingeholt zu werden=
Wien (ÖVP-Klub) "Die Ladenöffnungszeiten sind ein hervorragendes
Beispiel wo die Politik, wenn sie nicht rasch handelt, von der
Realität und der Macht des Faktischen überholt werden wird",
befürchtet der Wiener ÖVP-Abgeordnete Alexander NEUHUBER.***
Internet und E-commerce werden in den nächsten Jahren den Handel
weiter revolutionieren, Reglements sind dann nicht nur
kontraproduktiv, sondern fast schon die Garantie für das Aussterben
des Handels und der Nahversorgung.
Kundenorientierung wäre heute die absolute Maxime in der
Weltwirtschaft, dem könne sich auch Österreich auf Dauer nicht
verschließen. "Und der Konsument will nun einmal eindeutig mehr
Flexibilität", weiß NEUHUBER.
"Ich habe noch Verständnis für eine Mäßigung am Sonntag im Sinne
unseres christlich-sozialen Weltbildes, daher sollte man diesen Tag
vorerst aus den diesbzüglichen Überlegungen herausnehmen", sagte
NEUHUBER. Aber die Gitter in einer Lebensmittelhandlung am
Franz-Josefs-Bahnhof, die am Sonntag Reiseproviant von sonstigen
Gütern trennen, seien ein Relikt des versorgungstechnischen
Stalinismus. "Eine Möglichkeit zum Einkauf von lebensotwendigen
Gütern muß auch am Sonntag gewährleistet sein", forderte der
ÖVP-Politiker.
Immer wieder werde von den Gegnern der Liberalisierung mit
zweifelhaften Umfragen argumentiert, die behaupten, daß zwei Drittel
der Österreicher keine ausgedehnteren Öffnungszeiten wollen. Dieser
falschen behauptung müsse man entschieden entgegentreten, so
NEUHUBER.
Zum einem würde sich das schnell ändern, wenn es erst einmal längere
Öffnungszeiten gebe, die Konsumenten können sich zum Teil ja gar
nicht vorstellen, wie wohltuend ein freier Markt wäre. Zum anderen –
so NEUHUBER weiter - selbst wenn die zwei Drittel stimmen würden,
sind dann noch immer ein Drittel der Konsumenten die einkaufen
wollen, Argument genug.
Für die Arbeitnehmer gebe es ja ausreichend Schutzbestimmungen und
Sonderregelungen. "Ich verstehe daher die Gewerkschaften nicht im
mindesten," so NEUHUBER, längere Öffnungszeiten seien logischerweise
nur mit zusätzlichen Arbeitsplätzen zu bewirtschaften und noch dazu
gebe es genügend Arbeitnehmer, die gerne auch am Abend oder
Wochenende arbeiten wollen. "Flexible Zeiteinteilung betrifft ja
nicht nur die Konsumenten, sondern auch die Angestellten."
Auch die Argumentation der Arbeitgeberseite findet NEUHUBER in dieser
Frage als Unternehmer "nur schwer nachvollziehbar". "Ich sehe
hervorragende Chancen, gerade für Klein- und Mittelbetriebe, wenn sie
flexibel sind." Schon längst gilt im Zeitalter der Globalisierung
nicht mehr der Grundsatz "die Großen fressen die Kleinen", sondern
"die Schnellen die Langsamen" und Nischen könne ein Kleinbetrieb noch
allemal besser besetzen als ein unbeweglicher Konzern. Außerdem würde
ja keine Firma gezwungen werden, aufzusperren. Alles beruhe auf
Freiwilligkeit.
Aufgabe einer modernen Unternehmensvertretung wäre daher die
Veränderungen zu erkennen und die Betriebe entsprechend
vorzubereiten. Jammern und Klammern an Traditionen, seien sie noch so
ehrwürdig, könnten da keine Abhilfe schaffen.
Eine Sondersituation, so der Wirtschaftsbundobmann des 1. Bezirkes
weiter, sei die Wiener Innenstadt. Viele Touristen strömen jeden
Abend, aber auch am Wochenende durch die Wiener Innenstadt, dem
logischen Hauptanziehungspunkt für jeden Österreich- und
Wienbesucher. "Mir tränen als Unternehmer die Augen", so Neuhuber,
der übrigens seinen eigenen Dienstleistungsbetrieb im 1. Bezirk
führt, "wenn ich präsumptive Kunden in Massen durch die Fußgängerzone
ziehen sehe, die ihre Nasen an die Scheiben verschlossener Geschäfte
drücken." Unvorstellbar, was den Innenstadtkaufleuten da an manchem
Abend und am Sonntag an Einnahmen entgeht. Aus einer Umfrage von
Wien-Tourismus gehe auch hervor, daß das Hauptkritikpunkt der meisten
Touristen sei, die Wien besuchen. "Die Wiener City müßte daher in
dieser Frage, eine Vorreiterrolle für ganz Österreich spielen. Wenn
wir keine Touristenzone sind, wer dann?" NEUHUBER wünscht sich nun
Verhandlungen mit dem Wiener Bürgermeister mit dem Ziel die Wiener
Innenstadt zur Tourismuszone erklären zu lassen.
"Unsere Unternehmer sind mündig genug, darauf entsprechend zu
reagieren und der in - wie auch ausländische Konsument ist mündig
genug, das Angebot dann auch zu würdigen. Machen wir gemeinsam die
Innenstadt fit für das nächste Jahrtausend."****
Rückfragehinweis: ÖVP-Klub der Bundeshauptstadt Wien
Daniel KOSAK (Pressesprecher)
Tel.: (01) 4000/81915
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