Peter Noever zum Dreiervorschlag für die Rektorswahl an der Universität für angewandte Kunst Wien

WO BLEIBT DIE KUNST?

Wien (OTS) - Gerade heute, in der Indifferenz unserer
zeitgeistigen Ereignisgesellschaft, sind Kunstinstitutionen gefordert, den alltäglichen Obszönitäten der vorherrschenden Kulturpolitik, die Kunst und Kultur gleichsetzt, entgegenzutreten.

Dies - wie auch Künstlern die Aura der Offenheit, die Magie des Realen abseits des Realistischen, die Bedeutung des Unausgesprochenen zu schützen - ist die eigentliche Aufgabe, die zentrale Verantwortung heutiger Kunstbetriebe, insbesondere von Kunstschulen.

Angesichts der bevorstehenden Jahrhundertwende ist die Frage nach der geistigen Welt, dem kulturellen Zustand gerade jetzt und heute in Österreich ein unverzichtbares Thema.

Zur Erinnerung: nur durch die Verbindung beider Institutionen -des Museums und der Schule für angewandte Kunst (selbst als es 1909 zu einer adminstrativen Trennung kam) - konnte die Schule zum Zentrum der Avantgarde um die (zurückliegende) Jahrhundertwende werden. Nicht zuletzt durch die al= s Lehrer wirkenden Künstler, wie Myrbach, Hoffmann, Moser, Roller, Czeschka, Löffler, Powolny, Hanak, Strnad, Kokoschka oder Tessenow.

Die heutige Universität für angewandte Kunst wird, wenn sie ihre eigene Geschichte als Herausforderung betrachtet, nicht umhin können, eine klare Position zu beziehen. Eine umfassende Reform einzuleiten, das Experiment in der Kunst zu fördern, sich als treibende gesellschaftspolitische Kraft zu verstehen und daraus resultierende Konflikte - selbst wenn sie entrüstete Proteste hervorrufen -auszutragen. Gerade das ist in Zeiten gesellschaftspolitischer Veränderungen und der dadurch drohenden Instrumentalisierung, Verharmlosung, Verkitschung und Ausgrenzung von Kunst ein Gebot der Stunde. Das ist sie nicht nur der Gesellschaft, sondern auch ihren Studenten schuldig.

Ohne die fachspezifischen Qualifikationen und Verdienste der in den Dreiervorschlag gewählten Wissenschaftler und Beamten schmälern zu wollen, plädiere ich, ja fordere ich das Kollegium der Universität für angewandte Kunst auf, für die Wahl des Rektors weitere, vor allem einer klaren Haltung zeitgenössischer Kunst und Architektur verpflichtete Kandidaten, zuzulassen.

Peter Noever Direktor und künstlerischer Leiter des MAK

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