• 25.11.1999, 10:31:41
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  • OTS0086

Tbc: tragische Einzelfälle, aber kein Grund zur Panik

Lungenfachärzte: Verbesserte Lebensumstände und wirksame Medikamente haben Tbc-Sterblichkeit um 300 Prozent verringert

Wien (OTS) - "Als Lungenfachärzte sind wir selten mit schweren
Verlaufsformen der Tuberkulose im Kindesalter konfrontiert", sagte
Dr. Kunrad Wolf, Leiter des Arbeitskreises für Tuberkulose der ÖGLUT
(Österreichische Gesellschaft für Lungenerkrankungen und Tuberkulose)
anläßlich des jüngsten Erkrankungsfalls in Oberösterreich. Wolf:
"Einzelne tragische Erkrankungsfälle sollten nicht dazu beitragen,
die Gefahr einer neuen Tbc-Epidemie heraufzubeschwören".

Die nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände (Wohnverhältnisse,
Ernährung und Hygiene) sowie die Einführung wirksamer Medikamente
Anfang der 50er Jahre haben in den letzten 130 Jahren zu einem
Rückgang der Tbc-Sterblichkeit um das 300fache geführt.

Erkrankungszahlen rückläufig

In Österreich zeigt die Inzidenz der Tbc-Erkrankungen in den
letzten 20 Jahren eindeutig rückläufige Tendenz. Betrug 1980 die
Gesamtzahl der Neuerkrankungen an Tbc 3,424 Fälle, waren 1998
lediglich 1,268 Fälle zu verzeichnen. In der Altersgruppe der 0 bis
15jährigen erkrankten 1998 insgesamt 45 Kinder und Jugendliche. Die
tuberkulöse Meningitis (Tuberkulose der Hirnhäute) wiederum stellt
eine extrem seltene Form der Erkrankung dar. In Österreich wurden
seit 1995 insgesamt nur fünf solche Fälle diagnostiziert. Tbc
(Erreger: Mycobakterium tuberculosis) zählt zu den meldepflichtigen
Erkrankungen, weswegen die Verbreitung in Österreich gut dokumentiert
ist.

Laut Klassifikation der WHO zählt Österreich zu den Ländern mit
einer geringen Prävalenz von Tbc (,low prevalence country').
"Deswegen ist", so der Experte, "die ungezielte Untersuchung
bestimmter Bevölkerungsgruppen, beispielsweise von Kindergärten oder
Volksschulkindern, eine sinnlose Tätigkeit". Wolf weiter: "Man muß
die Tbc dort suchen, wo sie vorkommt". Seiner Ansicht nach sei es
viel wichtiger, eine bereits diagnostizierte Tbc mit den
entsprechenden Medikamenten (Tuberkulostatika) konsequent für die
Dauer von sechs bis neun Monaten zu behandeln und diese Therapie auch
zu überwachen.

Weitere Maßnahmen zur Kontrolle der Tbc-Erkrankung laut dem
Experten sind die aktive Suche nach frisch Infizierten mit Hilfe von
sogenannten Umgebungsuntersuchungen (Kontaktpersonen der erkrankten
Person) sowie das Erfassen von Tbc-Erkrankungen in Risikogruppen (wie
beispielsweise Obdachlose, Personen im Gesundheitswesen mit hoher
Ansteckungsgefahr, Häftlingen und Zollwachbeamten).

Dabei kommen Röntgenuntersuchungen der Lunge
("Schirmbilduntersuchungen") sowie Hauttests (Tuberkulinprobe) zum
Einsatz. Allerdings ist dieser nicht zu 100 Prozent zuverlässig, da
seine Aussagekraft davon abhängt, ob der Betreffende schon einmal mit
Tuberkulosebakterien in Kontakt gekommen ist. Wird dieser Test
ungezielt eingesetzt, ist häufig mit falsch positiven Resultaten zu
rechnen (eine Tbc-Erkrankung wird irrtümlich angezeigt, obwohl nicht
vorhanden). Dies beruht darauf, daß bereits früher ein Kontakt mit
sogenannten Umwelt-Mykobakterien stattgefunden hat. Der
Tuberkulintest bedarf einer sehr sorgfältigen Anwendung und Ablesung;
seine Interpretation setzt Erfahrung voraus.

Lungenfachmann Wolf: "Der vielfach befürchtete Wiederanstieg der
Erkrankungshäufigkeit der Tbc einerseits im Rahmen von
HIV-Infektionen, andererseits durch die ,Ostöffnung' ist nicht
eingetreten. Jedoch ist es im Gefolge der Kriege auf dem Balkan bei
Menschen aus diesen Ländern zu einem vorübergehenden Anstieg der
Erkrankungshäufigkeit gekommen, was sich auch in Österreich
dokumentieren läßt".

Um die Effektivität der Tbc-Bekämpfung in Österreich weiter zu
erhöhen, fordern die Experten die Überwachung der Therapieergebnisse
bei erkrankten Personen, zielgerichtete Umgebungsuntersuchungen, eine
klare Definition der Risikogruppen, die auf epidemiologischen
Untersuchungen basieren, sowie den Einsatz modernster
molekularbiologischer Methoden bei der Diagnostik und Epidemiologie
der Tuberkulose (Polymerase-Kettenreaktion und DNA-Fingerprinting).

Rückfragehinweis: Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer,
Tel.: 01/512 44 86

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