DIE PRESSE: Unsere besten Jahre von Hans Werner Scheidl

Ausgabe vom 25.11.99

Wien (OTS) - Ihrer Familiengeschichte waren schmerzlich, weil
tief? Wann ist es Österreich in diesem ablaufenden Jahrhundert am besten ergangen? Nun verfügen wir also über hieb- und stichfeste Daten, denn tausend befragte Österreicher sind ein durchaus respektables Sample.

Am dreckigsten ist es demnach Herrn und Frau Österreicher nach 1945 gegangen. Da mag viel aus den Erzählungen der Altvorderen mitschwingen, ebenso bei der Erinnerung an die schlechten Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Auch daß jeder fünfte Befragte den "Anschluß" Österreichs 1938 als jenes Ereignis angibt, das seine Familie besonders betroffen habe, gewährt einen interessanten Einblick in die Seelenlandschaft. Ist die Schlußfolgerung erlaubt, daß in den Familien offensichtlich doch viel öfter und intensiver über die schlimmen Gezeiten in diesem Jahrhundert gesprochen wurde, als man das gemeinhin annehmen wollte?

Aus dem eigenen Erleben, aus dem eigenen Gefühl hingegen urteilen die Befragten, wenn es gilt, eine Antwort darauf zu finden, wann es Österreich eigentlich am besten gegangen sei. Da ist nämlich jeder Dritte der Meinung: so gut wie jetzt war's noch nie.

Vielleicht kann dieses Urteil sogar eine kleine Nachhilfe für die so verzweifelt "provisorisch" Regierenden sein, die sich da in Sondierungen ergehen, um zu erkunden, was sowieso jeder weiß. Das Urteil der Bevölkerung über die Zustände im Lande fällt recht milde aus, was nicht nur dem jüngsten Wahlergebnis, sondern offenbar auch auch der veröffentlichten Meinung Hohn spricht.

Erst an zweiter Stelle liegt die "goldene" Kreisky-Ära. Daß die achtziger Jahre weit schlechter beurteilt werden, mag durchaus mit dem Rost zusammenhängen, der erst nach Kreiskys Abgang an vielen Stellen durchschimmerte: Was wie Gold wirkte, erwies sich als Blech.

Der Rest ist Nostalgie. Die Zeit der eigenen Jugend wird zumeist als die "beste" Zeit empfunden. Und so wollen wir auch jene zwei Prozent respektieren, die die fünfziger Jahre als die besten beurteilen. Oder jene 20 von 1000 Österreichern, die Seiner Majestät nachtrauern.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

tel. 01/51414-400

PRESSE

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS