"Neue Kärnter Tageszeitung: Identifikationskarte

Ausgabe 25.11.1999

Klagenfurt (OTS) - Die freiheitlichen Aussagen, die in letzter
Zeit Schlag auf Schlag ausländische Mitbürger treffen, haben ungeheures Zerstörungspotential. Ob das die Forderung nach Tbc-Kontrollen - "vor allem bei Ausländern" - das Bekenntnis zu einer aufs Minimum herabgesetzten Zuwanderungsquote in Kärnten oder zu einer Identifikationskarte für diese Bevölkerungsgruppe ist. Die Card würde Personaldaten, Aufenthaltsdauer und den Fingerabdruck des Betroffenen beinhalten. Zerstört wird mit solchen Ansätzen vor allem eines: Vertrauen in Mitmenschen.

In den manchen Hinterköpfen werden beim Stichwort Ausländer die Alarmglocken läuten. Sind das nicht die, die uns krankmachen, die etwas mit Verbechen zu tun haben müssen (von wem sonst braucht man einen Fingerabdruck?), die uns früher oder später "überschwemmen" und die wir deshalb auf keinen Fall in Kärnten haben wollen? Solche einfältigen Rückschlüsse sind natürlich Unsinn, doch so entstehen Feindbilder.

Den personifizierten Feindbildern wird auch gleich ein Stempel aufgeprägt: Die A-Card. Vergleiche mit dem "Judenstern" und den Verbrechen des Dritten Reiches gilt es, ob ihrer Singularität, zu unterlassen. Dennoch ist es eine Verpflichtung, sich zu vergegenwärtigen, was in einer Gesellschaft möglich wird, die Menschen stigmatisiert. Ein solches Klima ist nicht ausländerfeindlich allein, sondern menschenfeindlich. Worin besteht der nächste Schritt? Welche Gruppe bekommt den nächsten Stempel? Das sollte man sich fragen und solchen Entwicklungen kompromisslos Einhalt gebieten.

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