"Pfusch in Salzburg" mit IGF-Umfrage durchleuchtet

Salzburger lassen von Fall zu Fall gerne pfuschen, schätzen aber gleichzeitig die Sicherheit einer Fachfirma

SALZBURG, 24. 11. 1999 (HKS). Pfusch und Schwarzarbeit sind in Österreich weit verbreitet. Bei näherer Betrachtung ergibt sich jedoch ein differenziertes Bild der Lage. Auch wird sichtbar, dass es vor allem die Kosten (sprich: die Belastung der Arbeitsstunden mit Steuern und Sozialabgaben) sind, die die Konsumenten den "Pfuscher" rufen lassen - jedoch nicht immer und durchaus nur
dann, wenn es nicht um heikle Aufträge geht.
Dies lässt sich aus einer Umfrage des Instituts für Grundlagenforschung (IGF) ablesen, die vor wenigen Monaten im Auftrag der Wirtschaftskammer Salzburg gemacht wurde. Befragt
wurden 506 repräsentativ ausgewählte Salzburgerinnen und Salzburger. Die Ergebnisse werden hiermit erstmals veröffentlicht.

Fachliche Qualifikation wird auf jeden Fall erwartet Österreichische bzw. Salzburger Konsumenten wissen über die Notwendigkeit einer fachlichen Ausbildung. Dies wird schon in
ihrem klaren Bekenntnis zur Meisterprüfung (85% sind dafür) deutlich. Die Konsumenten erwarten sich hohe Ausbildungsstandards und hohe Qualifikation auch, wenn es zum Beispiel um den eigenen Hausbau geht, auch wenn dieser nicht immer zur Gänze "offiziell" erfolgt. Das ausgezeichnete Niveau der Ausbildung in Österreich will die deutliche Mehrheit jedoch auf jeden Fall nutzen.
41% verlangen - wenn es um den (fiktiven) Hausbau geht, nach dem
in der Untersuchung gefragt wurde - immerhin die Meisterprüfung
und einen Befähigungsnachweis, 43% eine grundsätzlich gute Ausbildung und Berufserfahrung aller ausführenden Kräfte. Nur 16% erwarten sich keine ausdrücklichen Qualifikationen. Es sei lediglich wichtig, dass die Person in der Lage sei, die Arbeiten zufriedenstellend zu erledigen.
Allerdings geben immerhin 60% freimütig zu, selbst so große Arbeiten wie bei einem Hausbau - teilweise - an Fachkräfte ohne Gewerbeberechtigung vergeben zu wollen. Diese hohe Präferenz für den Pfusch ist allerdings sehr akzentuiert zu betrachten. Von den Befragten wurde angegeben, dass die Beschäftigung eines
"Pfuschers" eben jeweils vom konkreten Fall abhänge. Je wichtiger bzw. heikler ein Bereich ist, umso häufiger vertraut man auf eine Fachfirma, während bei anderen Aufträgen ("wo nicht viel passieren kann") verstärkt Pfuscher zum Zug kommen. Dennoch zieht sich die Schwarzarbeit - mit zum Teil deutlichen Unterschieden - durch alle Gewerbesparten:
- Maurerarbeiten (Rohbau, außen und innen) werden zu zwei Drittel (65%) Fachfirmen überlassen.
- Bei Malerarbeiten liegt der "Pfusch" mit 59% deutlich vor den Fachfirmen.
- Kleinere Innenarbeiten (Boden, Fliesen verlegen etc.) wollen
sogar drei Viertel aller Befragten in Eigenregie durchführen.
- Bei Heizungs- und Sanitärinstallationen (91%) sowie Elektroinstallationen (86%) werden eindeutig Fachfirmen bevorzugt.
- Ebenso werden Planungsleistungen im Bereich des Hausbaus Fachleuten (89%) und nicht Pfuschern übergeben.
- Bei Autoreparaturen kommt zu 80% eine Fachwerkstätte zum Zug, kleine Reparaturen zwischendurch würde man allerdings auch von anderen machen lassen.
- Zwei Drittel (68%) würden einen "offiziellen" Masseur, Friseur oder Schneider aufsuchen, jeder Dritte eine andere Fachkraft ohne Gewerbeberechtigung.
Männer neigen übrigens stärker dazu, Alternativen zu Fachfirmen zu suchen als Frauen. Je älter die Befragten, umso häufiger würde man sich einer Fachfirma anvertrauen. Arbeiter und Facharbeiter sind übrigens am wenigsten geneigt, Fachfirmen heranzuziehen. Stadt-Salzburger beauftragen häufiger Ausführende mit Gewerbeberechtigung als Flachgauer und Tennengauer. Innergebirg zeigt man die größte Präferenz, Pfuscher zu beschäftigen.

Kostenargument am häufigsten genannt
Dennoch: fast alle Befragten (99,4%) wählten zumindest in irgendeinem Bereich eine Fachfirma mit Gewerbeberechtigung (vorzugsweise im Bereich Heizung, Sanitär,
Elektro, Hausplanung). Als spontan geäußerter Hauptgrund wurde die Möglichkeit der Garantie, Gewährleistung und Haftung (63%) genannt. Von großer Bedeutung sind auch das Gefühl der Sicherheit (30%) und die Qualität der Ausführung (29%).
Rund 80% aller Befragten würden umgekehrt zumindest in irgendeinem Bereich jedoch auch eine Fachkraft ohne Gewerbeberechtigung beauftragen. Am häufigsten werden dabei als Grund die Kosten der offiziellen Arbeitskraft angegeben (56%).
Vier weitere Gründe werden noch genannt:
- man bevorzugt den "Pfusch" bei kleineren ungefährlicheren Bereichen (22%),
- man kennt Leute, hat Vertrauen in sie (21%),
- Eigenarbeit, "kann man selbst machen" (20%),
- Familie, Verwandte: man hat Fachleute in der Verwandtschaft
(16%).
Nur jeder Zehnte begründet seine Wahl mit konkreter Kritik an den Fachfirmen.
Dr. Franz Hirnsperger, Geschäftsführer der Bauinnung Salzburg, zieht aus den Umfragedaten den Schluss: "Wir zielen mit unseren Bemühungen nicht auf die echte Nachbarschaftshilfe, sondern auf
den gewerblich ausgeführten Pfusch. Wir werden in Zukunft aber
auch noch die Vorteile, die mit der Beauftragung von Fachfirmen verbunden sind, stärker in der Öffentlichkeit darstellen. Letztendlich wird durch die Befragung aber auch der interessenpolitische Weg bestätigt: Ohne Senkung der Steuern- und Abgabenlast auf Handwerks- und Gewerbedienstleistungen wird dem so oft in Anspruch genommenen Pfusch nicht beizukommen sein."

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