WirtschaftsBlatt über Holzmann "Schuld sind immer die Banken" von Wolfgang Unterhuber

Kommentar 24.11.1999

Wien (OTS) - Pleite-Dramen spielen sich häufig nach dem selben Drehbuch ab: Über Nacht teilt der Vorstand einer staunenden Öffentlichkeit mit, dass man mit einem unerwartet hohen Verlust rechnen müsse. Es folgen ausserordentliche Aufsichtsratssitzungen, hektische Verhandlungen mit den Banken, begleitet von nervösem Gequake der Politiker. Am Ende braucht man einen Masseverwalter und ein paar Schuldige - und das sind immer die Banken. Ex-Bautycoon Maculan etwa zimmerte sich eine Verschwörungstheorie zurecht, derzufolge insbesonders die Bank Austria seinen Konzern in den Sand gesetzt habe, um damit ihren eigenen Baufirmen das Überleben zu sichern. Ehemalige Atomic- und Konsum-Manager wiederum glauben bis heute, dass die Bawag ihr Ende besiegelt hat. Die jüngste Treibjagd auf Banken findet derzeit in Deutschland statt. Anfang voriger Woche gab der zweitgrösste deutsche Baukonzern Philipp Holzmann überraschend ein Defizit von 2,4 Milliarden Mark bekannt. Es folgte das vorhin beschriebene Szenario, und für Martin Bury, Staatsminister der rot-grünen Regierung, steht fest, dass die Banken ein feiger Haufen sind. Sie hätten nur ein paar "Peanuts" drauflegen müssen und Holzmann wäre aus dem Schneider gewesen. Auch Kanzler Schröder und Hessens Ministerpräsident Koch gaben den Instituten ihr Fett ab: Das Hemd sei denen näher als der Rock, meinten die beiden Spitzenpolitiker. Besonders die Commerzbank steht als böser Bube da, weil ihre harte Haltung die Holzmann-Rettung vereitelt haben soll. Die Commerzbank hat laut Bankinsidern freilich erst wenige Tage vor dem Notsignal Holzmann mit 50 Millionen Mark unter die Arme gegriffen. Wenn eine Bank überhaupt zur Verantwortung gezogen werden kann, dann die Deutsche Bank. Als Teileigentümerin des Holzmann-Konzerns trägt sie die Mitverantwortung, dass dieser trotz starker Bankenhilfe jahrelang nicht aus der Schieflage herauskam. Der Aufsichtsrat unter Deutsche Bank-Vorstand Boehm-Bezing sah dem hilflosen Dahintreiben des Vorstands tatenlos zu, und die Wirtschaftsprüfer waren offenbar nicht in der Lage, rechtzeitig einzugreifen. Das Beispiel Holzmann zeigt also erneut, dass Banken meist keine Schuld am Untergang eines Unternehmens haben, sondern unfähige Manager sowie blinde Aufsichtsräte und Wirtschaftsprüfer. (Schluss) wu

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