"Neue Zeit" Kommentar: Die "A-Card" (Von Helmut Griess)

Ausgabe vom 24. 11. 1999

Graz (OTS) - An den Judenstern soll ausdrücklich nicht erinnert werden: Die Verbrechen jener Zeit waren so singulär und ungeheuerlich, dass sich jeder Vergleich mit den Ideen einer heutigen Partei verbietet, auch wenn es sich um die FP handelt. Menschenunwürdig und grotesk zugleich ist die jüngste FP-Forderung nach einem Sonderausweis mit Fingerabdruck, Foto, Personaldaten und Aufenthaltsdauer für in Österreich lebende Ausländer auch ohne solche Assoziationen. Menschenunwürdig, weil hier - während andere sich um einen Neuansatz für die Integration ausländischer Mitbürger bemühen -neuerlich "ungleiches Recht" geschaffen würde, das die Menschen in zwei Gruppen teilt: In "gute" Inländer, die nach österreichischem Recht nicht einmal irgend einen Ausweis bei sich tragen müssen. Und in Ausländer, gegen die der Misstrauensvorschuss so groß ist, dass sie auch gleich ihren eigenen Fingerabdruck mit sich herumtragen sollen. Dass laut FP-Idee dieser Ausweis "A-Card" heißen soll, was aber angeblich nicht "Ausländer" sondern "Austria" bedeutet - wohl, damit die Ausländer wissen, in welch freundlichem Land sie sich befinden, überschreitet die Grenze zur Groteske. Wie auch die Forderung, dass "alle" Ausländer diese "Card" tragen sollen, also offensichtlich auch die Urlauber. Da werden sich die Fremdenverkehrsverbände aber freuen: Statt wie bisher "Gästepässe" auszugeben, können sie den Gutschein für den verbilligten Hallenbad-Besuch gleich unter den Fingerabdruck in die "A-Card" stempeln.

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