"DER STANDARD" Zu Haider "In der Rolle des STaatsmanns" von Conrad Seidl

Ausgabe 23.11.1999

Wien (OTS) - Als Landeshauptmann macht Haider keine Fehler. Zumindest keine, die die Kärntner Bevölkerung bemerken könnte - weil er sich in seiner Tätigkeit als Landeshauptmann ja nur recht ausnahmsweise beobachten lässt. Nämlich dann, wenn es die neue, staatsmännisch angelegte Rolle zu zelebrieren gilt. Dem Hickhack mit seinen Gegnern auf Landesebene setzt er sich sicherheitshalber gar nicht erst aus, bei solchen Gegnern könnte er ja für provinziell gehalten werden. Die Österreicher erleben gerade, dass die von Haider seit Jahren verbreitete Botschaften plötzlich allgemein ernst genommen werden: Haider hatte als erster von einer Zusammenlegung der Sozialversicherungen, von einer radikalen Reform des Pensionssystems und von einer Abschaffung des Proporzes gesprochen - das vielleicht wesentlichste Ergebnis der bisherigen Sondierungsgespräche ist, dass alle diese Fragen nun mit derselben Selbstverständlichkeit behandelt werden, mit der bis zur Nationalratswahl jede inhaltliche Diskussion darüber abgelehnt wurde. Haider kann das alles gut verkaufen. Vor allem der eigenen Anhängerschaft, die seit Jahren darunter gelitten hat, dass die von der FPÖ vertretenen Inhalte ignoriert wurden. Dieses Ernst-genommen-werden wird manche auch darüber trösten, dass sie selbst Haider missverstanden haben - etwa als sie ihn für einen radikalen Gegner der EU und schon gar für einen Gegner der Osterweiterung gehalten haben. Und manche werden sich auch damit trösten, dass sie Haider vielleicht auch jetzt missverstehen: Zur rechten Zeit kann er immer noch sagen, dass er ja sehr wohl für eine Osterweiterung wäre - aber eben nicht zu jenen Bedingungen, die tatsächlich dafür gelten.****(Schluß)

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