"Neue Zeit" Kommentar: Lockruf (Von Helmut Griess)

Ausgabe vom 23. 11. 1999

Graz (OTS) - Dass Jörg Haider wieder einmal Wolfgang Schüssel mit dem Angebot lockt, ihn zum Bundeskanzler zu machen, kommt nicht überraschend: Für ihn sind die jetzigen Sondierungen und Zukunftsgespräche vor allem ein taktisches Spiel, in dem er sich in Szene setzen und so nebenbei die Öffentlichkeit daran gewöhnen kann, dass er und seine Helfershelfer bereits im Bundeskanzleramt aus und ein gehen. Und sei es auch nur, um - wie gestern - zu erfahren, dass es zwischen seiner FP und der SP nur Trennendes und kaum Gemeinsames gibt. Geht Schüssel auf den Lockruf ein, ist Haider immerhin der "Kanzlermacher", der damit 30 Jahre SP-Kanzlerschaft beendet hat und darf sich sicher sein, bei nächster Gelegenheit die VP endgültig zu "zerbröseln".

Wirklich erstaunlich ist allerdings, dass sich in der VP die Signale mehren, wonach man auch dort mit einer Kanzlerschaft von Haiders Gnaden liebäugelt. Natürlich kann man nachvollziehen, dass diese Partei nach 30 Jahren Abstinenz endlich wieder auf den ersten Platz will.

Wie man aber einen solchen Schwenk nach der vollmundigen Ankündigung, man sei "auf dem Weg in die Opposition", verständlich machen will, ist allerdings schwer vorstellbar. Wie soll auch irgend jemand verstehen, dass ein Rückstand von 415 Stimmen zwar so groß ist, dass man nicht mehr den Vizekanzler stellen kann, gleichzeitig aber auch so lächerlich gering ist, dass es locker für den Bundeskanzler von der dritten Position aus reicht?

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