WirtschaftsBlatt über die ÖAK - Medialer Masochismus von Engelbert Washietl

Ausgabe vom 23.11.1999

Wien (OTS) - Gesicherte Daten über die Auflagen österreichischer Zeitungen sind für die Werbewirtschaft so wichtig, dass einflussreiche Werbeagenturen im Vorstand der Österreichischen Auflagenkontrolle vertreten sind: Young & Rubicam, PanMedia und MediaCom. Der Vorsitzende, Rudolf Wolfbauer, ist zugleich Geschäftsführer von MindShare Media Consulting. Umso eigenartiger mutet es an, dass das erst vor wenigen Jahren auf dringenden Wunsch der Werbewirtschaft geschaffene Instrument der Auflagenkontrolle noch immer ein invalides Instrument ist. Kronen Zeitung und Kurier beteiligten sich bisher nicht an diesen objektiven Erhebungen von Verkaufs- und Verbreitungszahlen. Und unter denen, die mitmachen, ist neuerdings der Höhenkoller ausgebrochen. Die Tageszeitung Der Standard und die Magazine der News-Gruppe verweigern Auskünfte, die Presse zog ihre für das dritte Quartal 1999 eingereichten Statistiken aus Protest gegen die Verweigerer zurück. Das heisst, dass der Wert der Inseratenplätze in gedruckten Medien noch weniger objektivierbar wird, als er es ohnedies ist. Denn das Parallel-Programm der Media Analyse ist zwar hilfreich, beruht aber auf Umfragedaten, mit allen Unschärfen, die derartige Erhebungen haben. Die Auflagenkontrolle zu boykottieren, kommt einer Selbstamputation der Printmedien gleich, die allen Grund hätten, durch geschicktes Marketing sowohl den Lesern als auch den Anzeigenkunden klar zu machen, wie wichtig, verlässlich und unentbehrlich sie sind. Die ÖAK wurde geschaffen, damit seriöse Zeitungsunternehmen ihre Erfolgsdaten in ehrlicher und überprüfter Form für die Werbewirtschaft offen legen. Es ist schon zuviel Schaden durch Kurzsichtigkeit von Auflagen-Künstlern angerichtet worden, die sich für Tycoons halten. Auch der Österreichisc= he Zeitungsverband ist seit dem Exodus von Krone und Kurier nur noch eine Rumpforganisation. All das in einer Zeit, in der sich ernst zu nehmende Experten fragen, ob die Zeitungen die Internet-Herausforderung überhaupt überleben. In Bezug auf die ÖAK kann es nur einen vernünftigen Ausweg geben: Das System der Selbstkontrolle effizienter zu machen, Krone und Kurier einzubeziehen (beide Ziele schienen bereits greifbar nahe zu sein) - und im Übrigen zur Vernunft zurückzukehren. Alles andere ist medialer Masochismus. (Schluss) was.-

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