Leutner: Stress und Mobbing nehmen alarmierend zu

Neue Ära beim ArbeitnehmerInnenschutz

Wien (ÖGB). Während die Zahl der Arbeitsunfälle in den vergangenen Jahren in Österreich erfreulicherweise zurückgegangen ist, habe beruflicher Stress und Mobbing stark zugenommen, stellte der Leitende Sekretär des ÖGB, Richard Leutner, bei der Eröffnung der ÖGB/AK-Veranstaltung "Lebensretter Arbeitsmedizin", heute, Montag in Wien fest. ++++

"Wir haben es derzeit zwar erfreulicherweise mit einem Rückgang der traditionellen Gefahren und auch der Arbeitsunfälle zu tun. Gleichzeitig sind wir jedoch mit neuen Gefahren für die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen konfrontiert. Neue Technologien, Globalisierung und veränderte Arbeitsorganisationen bringen neue Belastungen mit sich - durch zunehmenden Arbeitsdruck und Arbeitsverdichtung treten vor allem psychische Belastungen, Mobbing und arbeitsbedingter Stress in den Vordergrund", skizzierte Leutner die aktuelle Situation vor der die ArbeitsmedizinerInnen heute stehen.

Während Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates sowie Herz-und Kreislauferkrankungen als Ursache für die Zuerkennung der Invaliditätspension zurückgegangen sind, nehmen psychische Erkrankungen und Erkrankungen des Nervensystems als Invaliditätsursache deutlich zu.
So waren im Jahre 1994 noch 28,8 Prozent aller Invaliditätspensionszugänge auf eine Erkrankung des Bewegungs- und Stützapparates zurückzuführen. 1997 waren es nur mehr 23,2 Prozent. Anders dagegen bei den psychischen Erkrankungen. Diese stiegen von 17 Prozent im Jahre 1994 auf 22 Prozent im Jahre 1997.

Was Mobbing betrifft, hat der ÖGB insofern reagiert, dass ab 1. Jänner 2000 jedes Mitglied über eine eigene Versicherung die Möglichkeit auf Mobbing- und Rechtsberatung hat.

Leutner: "Die Aufgabe des Arbeitsmediziners hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Heute geht es um die Verhinderung von Gefahren und Belastungen der ArbeitnehmerInnen. Der wahre Patient ist der Arbeitsplatz, das betriebliche Umfeld wie Arbeitsorganisation, Arbeitsverteilung oder Führungsverhalten". ArbeitsmedizinerInnen müssen auf diese Aufgaben vorbereitet und ständig weitergebildet werden.

Mit Beginn des kommenden Jahres, so der Leitende Sekretär, trete Österreich in eine neue Ära des ArbeitnehmerInnenschutzes ein. Ab diesem Zeitpunkt müssen alle ArbeitnehmerInnen arbeitsmedizinisch betreut werden. Leutner: "Dieser gesetzliche Durchbruch muss nun gemeinsam mit der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) auch in die Praxis umgesetzt werden".

Der Leitende Sekretär: "Aber auch die Politik ist gefragt. So gibt das vor vier Jahren in kraft getretene ArbeitnehmerInnenschutzgesetz zwar schon heute viele Möglichkeiten um vorbeugend zu wirken. Dieser Ansatz muss weiter entwickelt und auch in der betrieblichen Praxis umgesetzt werden. Den ArbeitsmedizinerInnen kommt vor diesem Hintergrund eine herausfordernde Aufgabe zu." (ff)

ÖGB, 22. November 1999 Nr. 563

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