Rede HSTS anläßlich der Verleihung des Österreichischen Staatspreises

Wien (OTS) - * G E S P E R R T bis Sonntag, 21.11.1999 - 1200 *

- Es gilt das gesprochene Wort -

Rede HSTS anläßlich der Verleihung des
Österreichischen Staatspreises für Kinderlyrik 1999 an Fr. Prof. Friedl Hofbauer Anerkennungsurkunde für Hans Joachim Gelberg, Verleger und Herausgeber von Kinderlyrik Preis der Kinderjury für Gerhard Jatzek im Radiokulturhaus, So., 21.11., 17h (Beginn Kinderprogramm 15h30)=

Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kinder!

Nach einem kurzweiligen Nachmittag ist es mir nun eine Ehre und eine besondere Freude, Ihnen, sehr verehrte Frau Professor Hofbauer, den Österreichischen Staatspreis für Kinderlyrik zu verleihen. Der Österreichische Staatspreis für Kinderlyrik, der erste und einzige dieser Art, ist 1993 aus dem Impuls geschaffen worden, Kinder und Jugendliche nicht nur als zukünftiges Publikum zu sehen, sondern als Rezipienten in ihrer Erlebniswelt ernst zu nehmen - ernst zu nehmen und anzuerkennen mit einer für sie in Form und Inhalt adäquaten Literatur. Wir leben in einer Zeit vorgefertigter Instant-Erlebniswelten. Ich will diesen Umstand jetzt weder positiv noch negativ werten, sondern ihn als gegebenes Faktum benennen. Besonders für Kinder und Jugendliche ist es aber deswegen notwendig, Phantasie und Assoziationsfähigkeit zu wecken und zu fördern, um ihnen ein breites Vorstellungsspektrum zu eröffnen und sie zu einer reflektierten, mündigen Haltung zu erziehen. Phantasie und Assoziationsfähigkeit umso mehr, als diese Ressourcen ein notwendiges Kapital in einer Zeit der globalen Vernetzung darstellen; in einer Zeit, in der es auf Innovation, Phantasie und oft auch auf unkonventionelle Lösungsmöglichkeiten ankommt. Abgesehen vom Bildungswert stellt das Erlebnis "Lesen" vor allem ein ganz persönliches, individuelles Vergnügen dar, und bildet eine wichtige Orientierungshilfe und ein wesentliches Element im Leben der Kinder. Das Interesse für Literatur zu wecken und es einem jungen, im Wachsen begriffenen Publikum schmackhaft zu machen und nahe zu bringen, ist nun eine vorrangige Aufgabe von Elternhaus, Schule und Kulturpolitik. Kulturpolitisches Handeln verstehen wir am Gemeinwohl orientiert, das heißt als öffentliche Aufgabe, die auf aktuelle gesellschaftliche Situationen eingehen und deshalb immer wieder hinterfragt und formuliert werden muß. Deshalb ist uns das Kulturgut "Buch" und damit verbunden das Lesen ein besonderes Anliegen, denn mittels der Literatur wird der Leser eingeladen, am Leben und Erleben anderer teilzuhaben. Diese Teilhabe, dieses Miterleben und Mitfühlen weckt Interesse und Verständnis für andere Lebenswelten und Lebensmodelle und darf so als Erziehung zu Toleranz verstanden werden. Diese integrative Kraft der Literatur, über das Leseerlebnis mit "anderen" - "andere" unter Anführungszeichen - zu kommunizieren, kann angesichts der aktuellen politischen Situation und der Vorhaben, die Europa noch zu bewältigen hat, gar nicht hoch genug eingeschätzt und gewürdigt werden. Kinder sind unsere Zukunft - und wir wollen und brauchen auch in Zukunft Menschen, die zu einer toleranten, aufgeschlossenen Haltung dem Neuen, dem Fremden gegenüber fähig sind, und die sich eine selbständige, reflektierte Meinung bilden können. Und Literatur ist - trotz Computerzeitalter eng verknüpft mit dem Kulturgut "Buch" - eines der wichtigsten Medien, um dieses Potential zu fordern und zu fördern und wird daher immer ein zentrales Anliegen unserer Kulturpolitik sein. Nun - Autorinnen und Autoren, die Lyrik schreiben, haben es besonders schwer, diese auf dem Büchermarkt zu Druck zu bringen, deshalb ist ihre Unterstützung ein besonderes Anliegen der Kulturpolitik. In diesem Zusammenhang darf ich Herrn Hans Joachim Gelberg für sein Werk als Verleger und Herausgeber von Kinderlyrik mit einer Anerkennungsurkunde auszeichnen.

In Verbindung mit dem Österreichischen Staatspreis für Kinderlyrik hat auch der Preis der Kinderjury bereits Tradition. Ich danke der Kindergruppe aus den Sprachkursen des Österreichischen Kulturinstituts in Teheran und deren Betreuern - im erwähnten Sinn des gegenseitigen Kennen- und Schätzenlernens - für ihre Beteiligung. Die Entscheidung der Kinderjury fiel auf das Gedicht "Jetzt" des österreichischen Autors Gerald Jatzek. Ich gratuliere.

Doch nun zum Österreichischen Staatspreis für Kinderlyrik, mit dem Frau Prof. Friedl Hofbauer heute im Rahmen dieses Festes für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet wird. Friedl Hofbauer geht vom Wortschatz der kindlichen Leser und ihrem Sachverständnis aus und entwickelt im behutsamen, experimentellen Umgang mit Sprache, Form und Rhythmus ihre unverwechselbare Lyrik. Im Gespräch mit Lene Mayer Skumanz sagte Frau Professor Hofbauer: " Wer weiß, was ein Wort wiegt, kann auf unnötigen Schmuck verzichten. Jedes Wort hat sein eigenes Gewicht; wenn du das spüren gelernt hast, schreibst du "Liebe" und nicht "wahre Liebe"." Im diesem Sinn danke ich Ihnen, Frau Professor Hofbauer für ihre Gedichte, die seit nunmehr über 30 Jahren die frühen Leseerfahrungen vieler Kinder prägen und gratuliere sehr herzlich zum Österreichischen Staatspreis für Kinderlyrik.

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