Rieder präsentiert den "Wiener Gesundheitsbericht 1998"

Wien, (OTS) Den mit fast 400 Seiten umfangreichsten Wiener Gesundheitsbericht aller Zeiten präsentierte Wiens Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder am Mittwoch im Rahmen eines Mediengesprächs. "Auch der Wiener Gesundheitsbericht für das Jahr 1998 ist wie schon die vorherigen Berichte keine trockene Datensammlung, sondern wird durch seine jährlichen Schwerpunktsetzungen zu einem der informativsten Nachschlagewerke
in Sachen Gesundheit in Österreich", lobte Rieder den Bericht. An der Präsentation nahm auch der Leiter des Dezernats Gesundheitsplanung der Wiener Landessanitätsdirektion, D.I. Dr. Hannes Schmidl, teil.

Neben einem demographischen und epidemiologischen Überblick beleuchtet der Gesundheitsbericht 1998 unter anderem die
Entwicklung der Krankenstände, den Gesundheitszustand der Wiener
im Vergleich zum Ausland und ausländischen Großstädten sowie die vorhandenen Grünflächen und Freiräume in der Bundeshauptstadt.

Der Bericht räumt übrigens auch mit dem gängigen Vorurteil der "Suizid-Hochburg" Wien auf: Wien weist heute die niedrigste Selbstmordrate seit mehr als 100 Jahren auf und befindet sich
damit sowohl national als auch international im unteren
(positiven) Mittelfeld.****

Wien ist Stadt der 15 bis 60-jährigen

Mit Ende 1998 lebten 1,606.843 Personen in Wien. Entgegen früheren Entwicklungen weist heute Wien den höchsten Anteil 15 bis 60-jähriger Österreichs, nämlich 65 Prozent auf. Bei den über 60-jährigen liegt die Bundeshauptstadt mit 20 Prozent heute österreichweit nach Burgenland, Niederösterreich, Steiermark, und Kärnten an fünfter Stelle.

Krankenstände Ungleichgewicht bei Vorsorge und kurativer Medizin

"Um präventive Potenziale auszuloten beschäftigen wir uns zunehmend mit der Entwicklung, den Ursachen und den Auswirkungen
von Krankenständen", nahm Rieder zu einem Schwerpunkt des "Wiener Gesundheitsbericht 1998" Stellung und ortete hier gleichzeitig ein Ungleichgewicht zwischen Prävention und kurativer Medizin. "In
der Regel wären Kosten für Vorsorgemaßnahmen wie Grippeimpfungen, Haltungstraining etc. ungleich geringer als die Kosten für eine Heilung im Nachhinein und natürlich der Milliardenschaden für die Volkswirtschaft."

Untermauert wird dies durch die Betrachtung der Ursachen für Krankenstände: 40 Prozent der Krankenstände werden durch Krankheiten der Luftwege und Atmungsorgane verursacht, an zweiter Stelle folgen Krankheiten des Skeletts, der Muskeln, des Bindegewebes mit 16,9 Prozent.

Trend zu weniger Krankenständen hält an

Tendenziell ist weiterhin ein Rückgang der Krankenstände und der Krankenstandsdauer zu beobachten, auch wenn die durchschnittliche Länge von 1997 auf 1998 von 12,4 auf 12,6 Tage gestiegen ist. 1988 waren die Österreicherinnen und Österreicher noch durchschnittlich 14,6 Tage im Krankenstand, 1994 13,7 Tage.

Übrigens gehen die Wienerinnen und Wiener mit
durchschnittlich 12 Tagen um 0,6 Tage weniger lang in den Krankenstand als die übrigen Österreicher.

Ursachen für den Rückgang

Weniger und kürzere Krankenstände bedeuten nicht zwangsläufig gesündere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Für den aktuellen Rückgang finden die Autorinnen und Autoren des Wiener Gesundheitsberichtes 1998 folgende Erklärungen:

o Altersabhängigkeit der Krankenstände (frühe Pensionen, Alters-

Arbeitslosigkeit)
o Rückgang der Kuraufenthalte (die in der Regel mit Krankenständen

verbunden sind) seit der Einführung eines Selbstbehaltes (135
bis 194 Schilling, je nach Einkommen, bei Rehabilitation 76 Schilling)
o Rückgang der Geburten (ebenfalls mit Krankenständen verbunden)
o Zunehmender Rückgang der Zahl von ArbeiterInnen (v.a. in

riskanten Berufen) und Zunahme der Zahl von Angestellten
o Keine echte Grippewelle in den Jahren 1996, 1997 und 1998
o Verschärfte Wirtschafts- und Arbeitslage

Wien: Niedrigste Suizid-Rate seit mehr als 100 Jahren

1997 unterschritt Wien erstmals seit 100 Jahren die Marke von 300 Suiziden und hat 1998 mit 273 Selbstmorden eine noch
niedrigere Suizidrate von 16,9 Selbstmorden/100.000 Einwohnern. Dieser Rückgang um 19 Prozent von 1997 auf 1998 ist vor allem auf den massiven Rückgang weiblicher Suizide zurückzuführen. Insgesamt nahmen sich 1998 in ganz Österreich 1.559 Personen das Leben.

Entgegen landläufigen Meinungen sind Wien und Österreich im nationalen und internationalen Vergleich keine Suizid-Hochburgen mehr. Innerhalb Österreichs ist die Selbstmordrate in der Steiermark, in Salzburg, Kärnten und Oberösterreich höher als in der Bundeshauptstadt. International liegt Österreich mit 20 bis 30 Selbstmorden pro 100.000 gemeinsam mit Belgien, Dänemark, Frankreich und der Schweiz im Mittelfeld. Spitzenreiter bei Selbstmorden (über 30/100.000 EW) sind Sri Lanka, Estland, Lettland, Litauen, Ungarn und Finnland, die geringsten Raten verzeichnen die Niederlande, Großbritannien, Spanien, Italien und Griechenland mit einer Rate von unter 10.

Wien im europäischen Vergleich

In puncto Lebenserwartung liegt Österreich im Vergleich zu Westeuropa klar im oberen Bereich. Hinsichtlich Altersverteilung, Geburtenrate und Säuglingssterblichkeit liegt Wien im Mittelfeld.

o Kinderanteil

Im Österreichschnitt hat Wien mit 15 Prozent zwar den geringsten Kinderanteil, befindet sich im Europavergleich aber im
Mittelfeld. Am meisten Kinder leben mit 26,5 Prozent in Madrid,
am wenigsten in Mailand (10 Prozent), Zürich (10 Prozent) und Barcelona (12 Prozent).
o Altenanteil

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Anteil der über 60-jährigen, wo ebenfalls Mailand (27,8 Prozent), Barcelona (27,3 Prozent)
und Zürich (25,1 Prozent) führen. Ungefähr gleichauf mit Wien (20,5 Prozent) liegen Berlin (19,6 Prozent), Köln (20,7 Prozent) und Prag (20,8 Prozent). Am wenigsten über 60-jährige leben in Paris (11,6 Prozent), Brüssel (12,5 Prozent) und London (15,1 Prozent).
o Geburtenrate

Wien befindet sich im europäischen Vergleich mit 10 Geburten pro 1000 Einwohner im unteren Mittelfeld. Gleich niedrig ist die Geburtenrate in Zürich, noch niedriger in Frankfurt/Main (9), Berlin (8,8), Rom (8,8), Madrid (8,6), Barcelona (8), und
Budapest (8). Die Tiefstwerte liegen in Mailand (7,3), Prag
(7,5) und Warschau (7,1).
Die höchste Geburtenrate weist im Gegensatz dazu Oslo (15,6)
auf, gefolgt von Paris, London und Kopenhagen (jeweils 14,8)
o Geburtenbilanz

Wie die meisten europäischen Städte weist Wien mit –1,8 Geburten pro 1000 Einwohnern eine negative Geburtenbilanz auf.
Schlusslicht in diesem Zusammenhang ist Budapest mit –6,6 Geburten/1000 Einwohner. Den höchsten Geburtenüberschuss verzeichnet Paris mit +7,7 (!) Geburten, gefolgt von London
(+5,9) und Oslo (+ 4,6).
o Säuglingssterblichkeit

Ebenfalls im guten Mittelfeld befindet sich Wien in Bezug auf
die Säuglingsterblichkeit. In der Bundeshauptstadt sterben 4,6 von 1000 Neugeborenen. Die höchste Säuglingssterblichkeit verzeichnet Warschau (11,9) gefolgt von Budapest (10) und Bratislava (9,2).
Den besten Wert verzeichnet Barcelona (2), gefolgt von Stockholm (2,6) und Oslo (2,8).
o Lebenserwartung

Im Vergleich mit anderen westeuropäischen Ländern liegt Österreich mit 80,6 Jahren bei Frauen und 74,3 Jahren bei Männern (1997) eindeutig im oberen Bereich. Die höchste Lebenserwartung ist bei den Frauen in Frankreich und in der Schweiz zu finden, bei den Männern in Schweden, Island und der Schweiz.

Außerhalb Europas wird Österreich von Japan, Kanada und Australien übertroffen. Die Vereinigten Staaten von Amerika liegen mit 79,1 Jahren bei den Frauen bzw. 72,3 Jahren bei den Männern etwas hinter Österreich.

Die Lebenserwartung liegt in Wien bei Frauen bei 80,3 Jahren und bei Männern bei 73,7 Jahren und damit unter dem Österreich-Schnitt. Dies deckt sich mit Erfahrungen aus dem Ausland, wo die Lebenserwartung in Großstädten immer unter den nationalen Werten liegt.

Wiens grüne Lungen

Neben den bekannten gesundheitlichen Zusammenhängen zwischen Ernährung, Bewegung etc. kommen neuen Gesundheitsfaktoren wie Wohlbefinden, Umwelt usw. zunehmend Bedeutung zu. Deshalb wurde
dem Bereich Grün- und Freiflächen im Wiener Gesundheitsbericht 1998 ein eigenes Kapitel gewidmet:

Sowohl rein rechnerisch als auch von der praktischen Erreichbarkeit her ist Wien im Europavergleich eine grüne Stadt. Rein statistisch ist fast die Hälfte der Wiener Grundfläche von 415 Quadratkilometer Grünland. Dazu zählen 3000 größere und kleinere Parks, aber auch große Erholungsgebiete wie Prater, Donauinsel, Laaer Berg oder der Wienerwald.

"Grüne Lungen" wirken sich nicht nur spürbar auf das Wohlbefinden der Menschen aus, sondern tragen auch bedeutend zur Luftverbesserung bei, wie zum Beispiel die 80.000 Alleebäume entlang Wiens Straßen.

Über die meisten Grünflächen können sich die Bewohner des 13. Bezirks freuen (72,2 Prozent), gefolgt vom 14. (62,8 Prozent) und dem 22. Bezirk (59,6 Prozent). Am wenigsten Grün gibt es im 8.
(2,0 Prozent), 7. (2,6 Prozent) und 6. Bezirk (3,0 Prozent).

Aber auch mittelbar kommt den Wienerinnen und Wiener eine funktionierende Umwelt zugute: Die Wasserschutzgebiete in der Steiermark und Niederösterreich versorgen die Wiener Bevölkerung mit dem wohl besten Trinkwasser einer Millionenstadt überhaupt. Auch diese Wasserschutzgebiete befinden sich im Besitz der Stadt Wien, die übrigens der zweitgrößte Waldbesitzer der Republik ist.

Medienservice: Wiener Gesundheitsbericht 1998: Erhältlich
bei: Büro Stadtrat Dr. Sepp Rieder, Pressestelle, Frau Anita Slabina, 1010 Wien, Schottenring 24, Tel.: 01-531 14-81233, Fax:
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