HAIDER (5): Klare Distanzierung vom Nationalsozialismus

Wo die FPÖ Verantwortung trägt, braucht niemand die Koffer zu packen

Wien, 1999-11-12 (fpd) - "Unser Anliegen heißt Österreich", betonte FPÖ-Bundesparteiobmann Dr. Jörg Haider im weiteren Verlauf seines heutigen Grundsatzreferates. ****

Haider erklärte, daß er dazu beitragen wolle, diesem Österreich Freiheit und sozialen Frieden auf Dauer zu garantieren. Frieden könne nicht durch die Unterdrückung von Minderheiten erzwungen werden. Dies wäre ein fataler Weg in die Sackgasse. Folglich sei ein verantwortungsvoller Umgang mit religiösen, politischen und ethnischen Minderheiten zwar oft kompliziert, manchmal konfliktgeladen, jedoch unverzichtbar für uns. "Daher trifft es mich sehr, wenn nach der Wahl vom 3. Oktober 1999 in manchen Kommentaren davon die Rede war, unsere jüdischen Mitbürger müßten bereits die Koffer packen, weil sie Angst vor der FPÖ hätten. Ich habe Verständnis dafür, daß es Befürchtungen und Ängste gerade bei unseren jüdischen Mitbürgern gibt, die die Verfolgung durch den Nationalsozialismus durchlitten haben oder die ihre Angehörigen in Konzentrationslagern verloren haben. Schon die Einmaligkeit und Unvergleichbarkeit des Verbrechens des Holocaust verbietet es, solche Ängste als österreichischer Politiker nicht ernst zu nehmen", stellte Haider eindringlich fest.

Gleichzeitig sagte er, daß er zwar zu jener Generation von Österreichern gehöre, die die Gnade der späten Geburt gehabt hätten, sich aber bewußt sei, daß diese Generation zwar keine Kollektivschuld, aber eine nicht auszulöschende Gedächtnislast zu tragen habe. Diese müsse für die österreichischen Politiker Ansporn sein, alles zu tun, um die Wiederholung von Verbrechen der organisierten Massenvernichtung und der ethnischen Säuberungen als Mittel der Politik, wie sie das totalitäre 20. Jahrhundert gekannt hat, ein für alle mal zu verhindern. Haider sprach von der Verpflichtung, an der Festigung unserer Demokratie und an einer dauerhaften friedvollen Entwicklung in Europa mitzuarbeiten. "Dort, wo die Freiheitlichen Verantwortung tragen, braucht niemand seine Koffer zu packen", betonte Haider. "Dort, wo die Freiheitlichen Verantwortung tragen, braucht niemand seine Heimat zu verlassen. Dort, wo die Freiheitlichen Verantwortung tragen, sind Freiheit und Demokratie in guten Händen."

Haider erklärte, daß es in der Vergangenheit auch einige Äußerungen gegeben habe, die im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus unsensibel und mißverständlich gewesen seien und erklärte, daß ihm das persönlich leid tue, weil er damit erstens die Gefühle von Menschen verletzt habe, die selbst oder deren Angehörige Opfer des Nationalsozialismus gewesen seien, weil diese Äußerungen zweitens ganz und gar nicht den seinem Leben und den seiner politischen Arbeit zugrundeliegenden Wertvorstellungen von Toleranz und Menschlichkeit entsprächen und weil er damit drittens auch vielen seiner Anhänger und Freunde Kummer gemacht habe und diese sich oft verdammt schwer getan hätten, wegen dieser Äußerungen seine von ihnen an sich geschätzte Arbeit für Österreich wirksam verteidigen zu können.

"Letztlich gebietet es meine Selbstachtung, mein Verhältnis zur finstersten Zeit der österreichischen Geschichte klar und eindeutig zu ordnen", erklärte Haider. "Mögen die Damen und Herren der politisch korrekten Gesellschaft die Faschismuskeule schwingen. So weit es mich betrifft, werden und müssen sie ins Leere treffen. Denn ich bin jeder Faser meines Herzens ein so begeisterter österreichischer Demokrat, daß ich keine braunen Schatten akzeptieren kann und werde, und das, obwohl auch meine Familie ihre Belastungen in ihrer Geschichte hat, mit der sie selbst fertig werden muß."

"Haß macht ja bekanntlich blind", sagte Haider. "Und die, die hassen, werden daher nicht sehen wollen, daß etwa meine Eltern, sowie viele andere Österreicher, nach der Katastrophe des Nationalsozialismus den Weg zurück in die Demokratie gefunden und am Aufbau dieses neuen Österreich mitgewirkt haben." Haider verwahrte sich in diesem Zusammenhang gegen pauschale Vorwürfe gegen die ältere Generation. Es werde auch vielen nicht passen, daß der Sohn von "Ehemaligen" an der Spitze der bedeutendsten demokratischen Reformbewegung der 2. Republik stehe. "Ich gehe meinen Weg entschlossen und unbeirrbar für ein modernes und ein demokratisches Österreich. Und ich bin froh, daß ich heute in unserer Partei mit Menschen zusammenarbeiten kann, obwohl unsere Vorfahren vielleicht durch Haß und politischen Fanatismus getrennt waren. Gerade die unterschiedliche Vergangenheit unserer Familien schafft eine Verbindung, weil wir ein gemeinsames Ziel für die Zukunft unserer österreichischen Heimat haben, nämlich ein Leben in Freiheit und Demokratie für alle. Dies ist mein Beitrag, um aus der Geschichte zu lernen und dort Hoffnungen zu schaffen, wo Verdrängen keine Lösung ist. Meine Freunde und Sympathisanten haben ein Anrecht darauf zu wissen, daß es nicht einen Schatten des Verdachts, daß es nicht den Anflug einer Sympathie meinerseits für undemokratische, totalitäre oder rassistische Ziele und Ideen gibt." (Forts.)

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