Kammerkosten: Kritiker stellen falsche Vergleiche an

Kammern in Europa nehmen völlig unterschiedliche Aufgaben wahr - Finanzierung oft über staatliche Subventionen

pwk - "Die Vorwürfe der 'Initiative Modernes Österreich', dass Österreich in Europa einsamer Spitzenreiter bei den Kammerbeiträgen sei, beweisen einmal mehr die Unkenntnis der Kammerkritiker aus der Großindustrie über die tatsächlichen Kosten des europäischen Kammer-und Verbändewesens", weist der Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich, Günter Stummvoll, einschlägige Vorwürfe zurück: "Hier werden unzulässiger Weise Äpfel mit Birnen verglichen". ****

In allen europäischen Staaten deckt das jeweilige Verbändesystem drei Funktionen ab: Arbeitgeberfunktion, Förderungsfunktion und politisches Lobbying. In Österreich werden alle diese drei Funktionen von der Wirtschaftskammer-Organisation abgedeckt. Überdies sind auch die einzelnen Berufsverbände im Rahmen der Wirtschaftskammern organisiert. Im Ausland sind diese Funktionen zersplittert und in der Regel auf hunderte und manchmal tausende Einzelverbände und Kammern aufgeteilt.

Die Wirtschaftskammern konzentrieren sich in Europa im Wesentlichen auf die Förderungsfunktion und beinhalten keine Branchenverbände. Es ist daher kein Wunder, dass die Kammern in anderen Ländern weniger kosten, da sie dort auch bedeutend weniger Funktionen abdecken und damit weniger leisten.

Zusätzlich muss berücksichtigt werden, dass in Österreich die Kosten der Wirtschaftskammern praktisch nur aus Mitgliedsbeiträgen und dem Verkauf von Leistungen abgedeckt werden müssen, während im Ausland der Staat in der einen oder anderen Form oft mehr als die Hälfte der Kosten abdeckt. Ein Verbände-Benchmarking-Projekt der Industriellenvereinigung (VÖI) und der WKÖ (Autoren: Götz, Lamel, Teufelsbauer) hat einen Kostenvergleich erstellt, der diese Unterschiede berücksichtigt und gleiches mit gleichem vergleicht.

Als Ergebnis zeigt sich, dass die Kosten der österreichischen Wirtschaftskammer-Organisation (ohne Aussenwirtschaftsförderung, die im Ausland vorwiegend vom Staat vorgenommen wird), in etwa der gleichen Größenordnung von rund 3.300 Schilling pro Arbeitsplatz liegen, wie die Kosten von Verbänden anderer Länder, die zusammen das gleiche Leistungsbündel wie die WK-Organisation erbringen. Unter Berücksichtigung von Größenvorteilen von Staaten wie z.B. Deutschland oder England (sie können Fixkosten auf deutlich mehr Mitglieder verteilen) liegen die Kosten pro Beschäftigten der Mitgliedsbetriebe auf österreichischem Niveau und darüber.

Die Finanzierungsquellen sind im Ausland allerdings äußerst unterschiedlich. So wird z.B. die Wirtschaftsförderung der Verbände in Großbritannien zu etwa 70 Prozent vom Staat subventioniert. Und in Frankreich betreiben die Handelskammern Infrastruktureinrichtungen (z.B. Flughäfen) und Finanzinstitutionen (Börse), und lukrieren als Quasimonopolisten daraus Erträge.

Die Studie hat insgesamt gezeigt, dass in Europa die Finanzierung durch direkt eingehobene Mitgliedsbeiträge eine geringe Rolle, die indirekte Mittelaufbringung (Monopol- und Kartelleinkünfte, staatliche Subventionen etc.) dagegen eine große Rolle spielt. Auch hier gibt es also Belastete: Konsumenten und Steuerzahler. Zu beiden Gruppen zählt die Industrie.

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