Nürnberger: LeiharbeiterInnen-Kampagne gegen "modernes Sklaventum"

Für korrekte Entlohnung und eigenen LeiharbeiterInnen-Kollektivvertrag

Wien (Gewerkschaft Metall-Bergbau-Energie/ÖGB). "Die Mehrzahl der Leiharbeiter bekommt zu wenig Geld, weil die Mehrzahl der Leiharbeitgeber nicht bereit ist, das Gesetz einzuhalten", sagte Rudolf Nürnberger, Vorsitzender der Gewerkschaft Metall-Bergbau-Energie, bei der Präsentation einer Kampagne für einen LeiharbeiterInnen-Kollektivvertrag. ++++

"Die Kampagne richtet sich nicht gegen Leiharbeit", betonte Nürnberger. "Eine funktionierende Wirtschaft kann es ohne Leiharbeit inzwischen nicht mehr geben, diese Tatsache leugnet auch die Gewerkschaft nicht." Angesichts der Tatsachen, dass an die 20.000 LeiharbeiterInnen weiterhin ohne Kollektivvertrag arbeiten würden und dass viele Leiharbeitgeber sich nicht an das Arbeitskräfteüberlassungsgesetz (AÜG) hielten, sei es aber höchste Zeit für energische Schritte seitens der Gewerkschaft. Ab sofort beginne daher eine umfassende Informationskampagne, die sich sowohl an die LeiharbeiterInnen selbst, als auch an die Betriebsräte jener Firmen, in denen LeiharbeiterInnen beschäftigt werden, richte. Ziel der Kampagne sei die Wiederaufnahme der Verhandlungen und ein baldiger KV-Abschluss.

"Wir laden alle Leiharbeiter ein, gemeinsam mit uns ihre Lohnabrechnungen zu kontrollieren", sagte Nürnberger. "Wir fordern fehlende Ansprüche nach bzw. klagen sie vor Gericht ein. Ausstehende Zahlungen können bis zu drei Jahre zurück und auch für schon beendete Arbeitsverhältnisse eingefordert werden."

Eines der Hauptprobleme der LeiharbeiterInnen sei, dass sie nicht, wie im AÜG vorgesehen, den ortsüblichen Lohn für eine bestimmte Tätigkeit, sondern den kollektivvertraglichen Mindestlohn erhielten. "Der Unterschied kann bis zu 25 Prozent ausmachen", sagte Nürnberger. Er nannte außerdem zwei Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit, "die zeigen, dass es nicht um ein paar Tausender geht". Ein Leiharbeiter hätte vor Kurzem nach einer Gerichtsverhandlung knapp 500.000 S nachgezahlt bekommen.

Der gemeinsam mit den Arbeitgebervertretern im Juni 1999 unterschriftsreif ausgearbeitete Entwurf eines KV hätte ein kollektivvertragliches Mindestlohnniveau und eine "Verstätigung" der Leiharbeit, um das in der Branche vielfach übliche "Hire and Fire" zu beenden gebracht, und hätte auch dazu beigetragen, Lohndumping zu vermeiden. Das gespaltene Lager der Arbeitgeber sei schuld am Scheitern des Abschlusses gewesen, sagte Nürnberger: "Da gibt es die, die korrekte Verhältnisse für alle wollen, für ihre Beschäftigten und für die Unternehmer. Und dann gibt es eine große Zahl schwarzer Schafe, die so weiter arbeiten will wie bisher."

ÖGB, 11. November 1999 Nr. 541

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