ÖBB als Trendsetter im Einsatz neuer Technologien

Das neuentwickelte Masse-Feder-System feiert auf der Floridsdorfer Hochbahn Europapremiere. Das System dämpft Schwingungen des Schienenvekehrs und sorgt somit für das Wohl der Anrainer

Wien (öbb): Experten der ÖBB setzen technologisch neue Akzente. Auf der heutigen internationalen Fachtagung "Forschung und Entwicklung für Zement und Boden" wurde das Projekt "Reaktivierung der Floridsdorfer Hochbahn" präsentiert, bei dem erstmals in der Geschichte der Betonbautechnik das Masse-Feder-System auch im Viaduktbereich erfolgreich zur Anwendung kam. Ein kompliziertes Unterfangen, denn die elastische Lagerung der Fahrbahnplatte auf einer schwingungsdämpfenden Zwischenschicht ist technisch überaus aufwendig. Ein Aufwand, der sich auszahlt: "Durch das Masse-Feder-System wird die Übertragung von Erschütterungen erheblich reduziert und alleine das Wohl der Bevölkerung zählt", meint Fachreferent Ing. Kurt Steiner, Projektleiter bei ÖBB Planung & Engineering. Unter seiner fachlichen Ägide wurde die Floridsdorfer Hochbahn reaktiviert und das Masse-Feder-System erstmals im Viaduktbereich umgesetzt.****

Masse-Feder-System
Das Masse-Feder-System zählt zu den wichtigsten Errungenschaften im Bereich der modernen Bautechnik. Im Wesentlichen geht es darum, eine neue Fahrbahnplatte auf einer speziellen Zwischenschicht elastisch zu lagern. Was in Theorie einfach klingt ist in der baulichen Umsetzung überaus anspruchsvoll. Zahlreiche Schall- und Erschütterungsmessungen liefern das grundlegende Datenmaterial für die Konstruktion von Schallschutzwand und Unterschottermatte, die in der neuen Fahrbahnplatte eingebaut wird. Die Zwischenschicht, auf der die neue Fahrbahnplatte elastisch gelagert werden soll, besteht aus dem Kunstoff Sylodyn. Und die Wirkung dieser Technik überzeugt: Durch den Einsatz des Masse-Feder-Systems wird die Übertragung von Erschütterungen - etwa auf Wohnhäuser - erheblich reduziert.

Beispiel Floridsdorfer Hochbahn
Der Einsatz des Masse-Feder-Systems im Viaduktbereich findet europaweit erstmals im Rahmen der Reaktivierung der Floridsdorfer Hochbahn statt. Eine technische Herausforderung, bedürfen die denkmalgeschützten Viadukte einer speziellen Vorgangsweise, die mit dem Einsatz dieses Systems an modernen Brücken nicht vergleichbar ist.
Wie sehr, das soll im folgenden verdeutlicht werden:
Entsprechend dem Schallgutachten sollte im Wohnhausbereich Ruthnergasse 4 bis 18 eine Schallschutzwand sowie eine Unterschottermatte in der Fahrbahnplatte errichtet werden, um die Übertragung von Erschütterungen erheblich zu reduzieren. Bei den angegebenen Anforderungen an die auszuführende Unterschottermatte wurde der Grenzbereich der Wirksamkeit solcher Unterschottermatten erreicht. Um genügend Erschütterungsschutz zu gewährleisten wurde mit den Gutachtern folgenden Vorgansweise festgelegt:

  • Zunächst wurde die bestehende Fahrbahnplatte abgetragen und eine ebene Betonfläche hergestellt.
  • Mit dem VibroScan Gerät wurden die zu erwartenden Erschütterungen aus dem Zugbetrieb gemessen.
  • Die entsprechenden Daten dienten als Berechnungsgrundlage für die Ermittlung eines ausreichenden Erschütterungsschutzes.
  • Das Ergebnis erforderte die Ausführung des sogenannten Masse-Feder-Systems. Das ist eine elastische Lagerung der neuen Fahrbahnplatte auf einer schwingungsdämpfenden Zwischenschicht.

Auf Basis der Meßergebnisse wurde die Industrie zur Anbotlegung für ein Masse-Feder-System eingeladen. Lediglich die Firma Getzner-Werkstoffe konnte den geforderten Leistungsumfang erfüllen. Hinzu kam die bauliche Herausforderung: So wurde im Herstellungsprozeß der Fahrplanplatte mit dem Schalwagen gleichzeitig die Dämmatte eingebaut.

Europaweit einmalig
Der Einsatz des Masse-Feder-Systems ist technisch eine Herausforderung und macht sich für die Bevölkerung bezahlt. Im Erdgeschoß des nächstgelegenen Wohnhauses Ruthnergasse Nr. 4 (im 21. Wiener Gemeindebezirk) sind seid der Reaktivierung der Floridsdorfer Hochbahn keine Erschütterungen durch den Zugverkehr wahrzunehmen. Im fünften Stock dieses Hauses ist immer noch "guter" Erschütterungsschutz vorhanden, wobei die ÖNORM zwischen "guten" und "ausreichenden" Erschütterungsschutz unterscheidet. Mit anderen Worten: "Wir haben das Beste für die Bevölkerung herausgeholt", meint Ing. Kurt Steiner. Mit dem Einsatz des Masse-Feder-Systems im Viaduktbereich ist die Floridsdorfer Hochbahn architektonisch und technisch einzigartig in ganz Europa.

(Ende)

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Presse
Tel +43 1 5800 32011
Fax +43 1 5800 25009
e-mail: alfred.bankhamer@kom.oebb.at
http://www.oebb.atÖBB-Kommunikation

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NBB/NBB