Verzetnitsch: Solidarität ist der Kitt der künftigen Gesellschaft

Solidarität muss konkret und erlebbar sein

Wien (ÖGB). ”Solidarität sei der Kitt der künftigen Gesellschaft”, betonte ÖGB/EGB-Präsident Fritz Verzetnitsch gestern Abend beim Symposion ”Zukunft der Solidarität”. Prominenter ausländischer Gast war Dita Indah Sari, indonesische Gewerkschafterin, die auf Grund ihres gewerkschaftlichen Engagements drei Jahre lang in Haft war. Auf Grund internationaler Proteste und zahlreicher Aktionen von Gewerkschafts- und Menschenrechtsorganisationen wurde sie im Frühjahr 1999 aus ihrer Haft entlassen. ++++

Das Thema des Symposions ”Zukunft der Solidarität” fordere auf, darüber nachzudenken, ob die Paramenter noch stimmen: Die Wohlstandsgesellschaft habe zu weniger Solidarität geführt, der Egoismus habe zugenommen, so Verzetnitsch.

Gerade für die Gewerkschaftsbewegung sei Solidarität jedoch eines der Grundelemente: Solidarität einzelner Arbeiter und Arbeiterinnen innerhalb des Betriebs, Solidarität von Arbeitnehmergruppen über betriebliche und Branchengrenzen hinweg und schließlich - heute mehr denn je - die Solidarität von Arbeitnehmern und von Arbeitnehmerorganisationen weltweit. Verzetnitsch skizzierte die negativen gesellschaftlichen Entwicklungen: ”Solidarität in einer reinen Wettbewerbsgesellschaft wird als Hindernis für den individuellen Aufstieg empfunden, Solidarität mit den Arbeitslosen als Forderung, die selbstverschuldete Arbeitslosigkeit den Betroffenen abzunehmen. Solidarität mit den Generationen wird als Belastung und Bedrohung der Zukunft empfunden, Solidarität mit Ausländern als Missachtung der eigenen Problemen.”

Trotz dieser negativen Tendenzen müsse aus Sicht des ÖGB Solidarität heute weltweit geübt werden, bekräftigte der ÖGB-Präsident. Mehr denn je stünden ArbeitnehmerInnen im Zeitalter einer ungehemmten, rücksichtslosen Globalisierung vor der Notwendigkeit, durch solidarisches Verhalten neue politische Rahmenbedingungen zu schaffen. Rahmenbedingungen, die eine globale Umverteilung der geschaffenen Werte in die reichen Länder und dort wiederum in die reichen Minderheiten der Gesellschaft durch ein sozial gerechtes und ökologisch nachhaltiges Wirtschafts- und Gesellschaftssystem ersetzten.

Verzetnitsch abschließend: ”Solidarität muss konkret, erlebbar und global sein. Sie dürfe nicht den Charakter einer ”Ablasszahlung” bilden und sie müsse im Stande sein, breite Kreise der Öffentlichkeit - über die Mitgliederbasis der Gewerkschaft hinaus - zu mobilisieren. (bfm)
(Fortsetzung)

ÖGB, 10. November 1999 Nr. 535

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