Keine neuen Mauern aufbauen:

Die trennenden Linien von "wir" und "die anderen" überwinden

Wien (OTS) - Anläßlich des 9. November 1999. der 61-jährigen Wiederkehr des Novemberpogroms und wenige Wochen vor dem neuen Jahrtausend hat die Europäische Beobachtungsstelle von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) eine Umkehr im Kopf und Verhalten in vielen europäischen Gesellschaften gefordert. Vor allem das letzte Jahrhundert war gekennzeichnet durch Diskriminierung und Verfolgung von Minderheiten - und den Holocaust.

"Ist es überhaupt möglich, Einstellungen und Verhalten von Menschen zu ändern? Ein klares "Ja" ist unsere Antwort. Man muß sich nur die Entwicklung von Europa seit dem Ende des 2. Weltkrieges ansehen. Oder die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland. Diese positiven Entwicklungen müssen fortgeführt werden." sagte Beate Winkler, Direktorin der Beobachtungsstelle.

Das Europa im neuen Jahrtausend darf nicht mehr durch Ausgrenzung, Diskriminierung oder gar Vernichtung von Minderheiten geprägt sein. Das neue Europa muß ein Kontinent sein, in dem alle Menschen gleich behandelt werden, unabhängig von Religion, Hautfarbe oder Herkunft. Die Europäische Beobachtungsstelle wirkt dabei mit, daß diese Vision Realität werden kann.

Die Beobachtungsstelle, die sich als "Netzwerkorganisation" für Europa versteht, hat dies zum Anlaß genommen, über den Aufbau dieser neuen, unabhängigen Einrichtung der Europäischen Union zu berichten. Sie ist eine aktive Einrichtung, die der Europäischen Gemeinschaft und den Mitgliedstaaten objektive, verläßliche und vergleichbare Informationen über die Entwicklung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zur Verfügung stellt. Diese sollen es ermöglichen, entsprechende Maßnahmen und Aktionen gegen Rassismus zu ergreifen. Das EUMC entwickelt darüber hinaus Strategien und initiiert übergreifende Pilotprojekte.

Vor ca. "1 Jahr und 100 Tagen" wurde mit der Aufbauphase begonnen. Mittlerweile arbeiten 20 Mitarbeiter in Wien im europäischen, internationalen Team. Zahlreiche Projekte wurden mittlerweile initiiert und durchgeführt:

- Mit dem Aufbau des europäischen Informationsnetzes RAXEN wurde begonnen. RAXEN hat es zum Ziel, Daten zu sammeln, und zu identifizieren, "Was wird wo, wie, von wem in Europa gewußt." RAXEN soll ein ständig "lernendes System" sein, in den Forschungseinrichtungen, NGOS, Experten aus dem Bereich europaweit und übergreifend interdisziplinär zusammenarbeiten. Um ein möglichst praxisnahes- und benutzerfreundliches System aufzubauen, hat die EUMC eine Reihe von Konferenzen durchgeführt.

- Runden Tische auf nationaler Ebene, die in vielen Mitgliedstaaten mittlerweile stattgefunden haben, z.B. in Großbritannien, Irland, Österreich, Dänemark, Schweden, Italien und den Niederlanden. In Großbritannien mittlerweile der 2.

- Implementierung der "Charta der politischen Parteien für eine nichtrassistische Gesellschaft". Die "Charta" wurde mittlerweile von mehr als 80 Parteien in Europa unterzeichnet und enthält Grundprinzipien, für demokratische politische Parteien.

- Die Erarbeitung von 15 nationalen Berichten über Antidiskriminierungsgesetzgebung zusammen mit Migration Policy Group.

- Gemeinsames Projekt mit dem "European Foundation Center" und 70 privaten Stiftungen um eine Übersicht zu erhalten, welche Erfahrungen von Stiftungen in diesem Bereich vorliegen und wie Erkenntnistransfer gestaltet werden kann.

- Beteiligung an der Vorbereitung der UN-Weltkonferenz gegen Rassismus 2001.

- Herausgabe von Veröffentlichungen u.a. die vierteljährliche Zeitschrift "Equal Voices" und des 2-bändigen Jahresberichts, der am 8. Dezember 1999 vorgestellt wird.

- Das Europäische Medienforum "Kulturelle Vielfalt gegen Rassismus", das am 20./21. Mai 1999 in Köln in Zusammenarbeit mit dem WDR stattgefunden hat. Die gerade erschienene Dokumentation wurde vorgelegt: Alle Medieneinrichtungen sind aufgefordert, in ihrem eigenen Bereich stärker für eine kulturelle Vielfalt und gegen Rassismus einzutreten. Dafür sind in besonderem Maße Trainingsprogramme erforderlich. Es geht darum, Menschen und Institutionen in stärkerem Maße zu befähigen, mit kultureller Unterschiedlichkeit positiv und verantwortungsvoll umzugehen, ohne die Probleme zu verschweigen.

Die Europäische Beobachtungsstelle machte in diesem Zusammenhang noch einmal ihr Selbstverständnis deutlich. Ihr Ziel ist es, "von anderen für andere zu lernen" und die besten Kräfte zu bündeln, - für ein Europa der Vielfalt und der Menschenrechte. Ziel der Beobachtungsstelle ist es, Brückenbildner und ein Katalysator für Veränderung zu sein, um Europa "added value" zu geben. Europa braucht mehr und mehr Initiativen, um die trennenden Linien zwischen "wir" und "die anderen" zu überwinden. Europas Zukunft liegt in seiner Vielfalt und nicht in einem veralterndem Homogenitätsdenken, das nach vereinfachten Antworten auf die komplexen Fragen unserer Zeit sucht.

Die Europäische Beobachtungsstelle soll offiziell am 7. April im Jahre 2000 in Wien eröffnet werden. Verbunden werden soll damit eine internationale Konferenz zu dem Thema "Politik und Rassismus".

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