Klima zum Gedenken an die Progrome des Jahres 1938 Erklärung im Wortlaut

Wien (OTS) - Bundeskanzler Viktor Klima nahm heute zum Gedenken an die November- Progrome des Jahres 1938 im Rahmen des Ministerrats wie folgt Stellung:

"Vor 61 Jahren, am Abend des 9. November, brannten in ganz Deutschland und auf dem Gebiet des heutigen Österreich fast alle Synagogen. Hunderte Menschen wurden in darauffolgenden Tagen in den Tod getrieben, zehntausende in Konzentrationslager deportiert.

Ich habe in den letzten Jahren mit vielen Menschen gesprochen, die diese Progromnacht in Wien oder anderen Orten noch selbst erlebt haben. Und ich habe Ihnen eines versichert: Wir werden die Ereignisse dieser Nacht niemals vergessen. Es ist die gemeinsame Verpflichtung und Verantwortung der Österreicherinnen und Österreicher alles zu tun, daß sich dieser Schrecken niemals wieder ereignen kann und alles zu unterlassen, was Menschen gegeneinander aufhetzt. Und das beginnt bereits bei der Sprache. Wer sich einer Sprache der Verhetzung bedient, bereitet den Boden auf für neuen Haß in der Gesellschaft. Ausländerfeindlichkeit ist Menschenfeindlichkeit. Wer sich heute nicht zur Wehr setzt, wie Menschen gegeneinander ausgespielt werden, kann schon morgen selbst ein Opfer sein.

Ich nehme daher die Warnungen des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde sehr ernst. Wenn Menschen jüdischen Glaubens in Österreich wieder Angst haben, dann heißt das, daß wir noch stärker, noch klarer gegen jene Stellung beziehen müssen, die diese Angst schüren. Und es heißt, daß wir die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit weiter engagiert führen müssen.

Toleranz, Verständnis, Respekt - das müssen am Ende dieses schrecklichen Jahrhunderts die Werte sein, die unsere Gesellschaft, ganz Europa, ja die ganze Welt prägen. Und auf diesen Werten muß jede Politik aufgebaut sein, ob es um die Integration von Ausländern geht oder um eine Politik für jene, die am Rand der Gesellschaft stehen. Wir stehen für ein Österreich, in dem alle Menschen in Würde und Sicherheit leben können."

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