Erlebniswelten und Einkaufen am Bahnhof

Neugestaltung des Bereiches Wien-Mitte

Wien, (OTS) Am Bahnhof Wien-Mitte soll der Ostblock-Charme
des "Tores zur Landstraße" einer modernen urbanen Bebauung mit internationalem Flair weichen. Planungen zur Attraktivierung
dieses durch U- und S-Bahnen sowie Autobuslinien und Straßenbahn optimal erreichbaren Bereiches von Wien begannen bereits in den 80-er Jahren. Über den Planungsstand und das Projekt Wien-Mitte
zur Neugestaltung berichteten Bürgermeister Dr. Michael Häupl und Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg Dienstag im Pressegespräch des Bürgermeisters.****

Kurze Replik zur historischen Dimension dieses
Verkehrsknotens: Im Zuge des Stadtbahnbaues, der Verbindungsbahn (ehemalige Trasse des Wiener Neustädter Kanals) und der Wienflussregulierung wurde bereits 1893 der ehemalige Bahnhof "Hauptzollamt" tiefer gelegt, gegenüber wurde 1865 die Großmarkthalle errichtet. In der Spätgründerzeit entstanden zwischen Wienfluss und dem Hauptzollamt vier Baublöcke mit Wohnhäusern und dem Bürgertheater.

Mit der Aufnahme des Schnellbahnverkehrs auf der Trasse der Verbindungsbahn durch die ÖBB im Jahre 1962 sowie der Errichtung eines zentralen Busbahnhofes erlangte der Bereich um die Landstraßer Brücke zusehends an Bedeutung. Geschäfts- und Bürohäuser wurden auf der Bahnhofseindeckung, das Verwaltungsgebäude der Zentralsparkasse (heute Bank Austria) an Stelle des Bürgertheaters errichtet. Mit dem Bau des Hotels
Hilton, des Landstraßer Marktes, des ersten Einkaufszentrums Österreichs (AEZ) an der Landstraße und zuletzt der Raiffeisen Zentralbank im Bereich Große Ungarbrücke erreichte die Bebauung des ehemaligen Hafenbeckens des Wiener Neustädter Kanals ihr bis heute größtes Ausmaß.

Obwohl der Bahnhof Wien-Mitte zu den wichtigsten
Verkehrsknoten Wiens zählt (S-Bahn Stammstrecke, U 3, U 4 und Regionalbusse) verlor das Bahnhofsareal im Laufe der Jahre mehr
und mehr an Attraktivität seines Erscheinungsbildes, verwahrloste teilweise, und auch der Bereich um das zuletzt ungenutzte AEZ verfiel zusehends.

Diese allgemein triste Situation, die sich im eklatanten Gegensatz zur hervorragenden Standortgunst befindet, forderte geradezu Überlegungen für eine städtebauliche, stadtstrukturelle und nutzungsmäßige Neugestaltung und Verwertung des Areals unter besonderer Berücksichtigung einer weit gehenden Entflechtung der komplizierten Grundbesitzverhältnisse heraus.

1991 wurde schließlich auf Grundlage von Vorstudien (Prof. Rainer/Knoflacher) ein Gutachterverfahren (6 Architekten) durchgeführt. Der Entwurf der Architekten Ortner & Ortner wurde
von der Jury zum Leitprojekt gekürt; dieser sah damals im Wesentlichen die Schaffung eines Nutzungsmix aus Geschäften, Wohnungen, Büros, Kultur- und Sozialeinrichtungen unter
Integration bestehender Einrichtungen (S-Bahnhof, Busbahnhof, AEZ, Geschäfte) vor.

Nach der Bearbeitungsphase des Projektes erfolgte 1992 die Einleitung des Verfahrens zur Festsetzung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes, wobei die Forderungen und Anregungen der Bezirksvertretung Landstraße und der Bevölkerung eingearbeitet wurden. Das entsprechende Plandokument 6397 ist nunmehr seit März 1993 rechtsgültig.

Auf Grund der äußerst schwierigen Rahmenbedingungen (Immobilienflaute, Sättigung des Wohnungsmarktes, komplizierte Grundstücksverhandlungen, langwierige Absiedlungsverhandlungen des Bauträgers mit Mietern) verzögerte sich bis dato eine Projektrealisierung.

Geänderte Rahmenbedingungen, das Gutachterverfahren aus dem Jahre 1991 waren die Ausgangslage dafür, die geänderten Nutzungsvorstellungen umfangreiche Studien im Rahmen eines Raumverträglichkeits- und Verkehrsgutachtens zu unterwerfen. Eine Neubearbeitung des bestehenden Flächenwidmungs- und
Bebauungsplanes war erforderlich.

Mit dem seit 28. Oktober im Bezirk aufliegenden Entwurf zum Flächenwidmungs- und Bebauungsplan (Nr. 7255) soll nun das Projekt Wien-Mitte widmungsmäßig berücksichtigt werden.

Das Projekt Wien-Mitte sieht dabei

o die Berücksichtigung eines "Urban Entertainment Center" mit

Freizeit-, Gastronomie- und Geschäftsnutzungen vor, wobei vor allem der Gastronomie- und Geschäftsbereich als Ergänzung zum bestehenden Angebot der Landstraßer Hauptstraße als Geschäftsstraße vorgesehen ist. Gerade die Synergieeffekte einer solchen wienweit einzigartigen Konsum- und Freizeiteinrichtung
im Rahmen eines Einkaufszentrums sollen belebend auf die Geschäftsstrukturen der Landstraßer Hauptstraße wirken.
o die Neugestaltung und -dimensionierung des Busbahnhofes Wien-

Mitte sieht eine weit gehende Auslagerung des Busterminals betreffend die Regionalbuslinien auf andere Standorte
(Südtiroler Platz, U3-Endstelle Simmering, U 6-Endstelle Floridsdorf) vor, was sicherlich zu einer Entlastung des Individualverkehrs im bestehenden Straßenraum bzw. zu einer Reduktion der Lärmbelastung führen wird. Eine weitere Milderung der Verkehrserzeugung ist auf Grund der hervorragenden öffentlichen Verkehrsanbindung und der vorgesehenen Nutzungen
mit einem Zielpublikum, das vielfach öffentliche Verkehrsmittel in Anspruch nimmt, mit der Festsetzung eines "Stellplatzregulativs", mit dem nur mehr die Hälfte der laut BO für Wien vorgeschriebenen Stellplätze geschaffen werden müssen, zu erwarten. In Fortsetzung der umgebenden Straßenzüge wurden zudem großzügig Fußwege vorgesehen, um eine optimale Erreichbarkeit des Bahnhofbereiches und der angeschlossenen öffentlichen Verkehrsmittel zu gewährleisten.
o Den Bereich Wien-Mitte als innerstädtische Verdichtungszone soll

auch in Form eines städtebaulichen Schwerpunktes entsprochen werden. Gerade was die Gebäudehöhen der Hochhaustürme, die Stellung der Baukörper und die Aufnahme der Blockstruktur der umgebenden Bereiche betrifft, folgt das vorliegende Projekt
nicht nur der Grundkonzeption des bereits zitierten Gutachterverfahrens, sondern vor allem den Intentionen der Mitglieder des Fachbeirates für Stadtplanung und
Stadtgestaltung. So sieht das bereits mehrfach den Experten des Fachbeirates vorgelegte Projekt eine flächige Basiszone vor, die sich an den Gebäudehöhen der umliegenden Blockstrukturen orientiert (26 m Gebäudehöhe); darauf in Teilbereichen an der Gigergasse aufbauend, folgt eine Sockelzone (ca. 40 m Gebäudehöhe), die gemäß BO für Wien die doppelte Straßenbreite der Gigergasse widerspiegelt, überragt von 3 Basishochhäusern an der Ecke Landstraßer Hauptstraße/Invalidenstraße, Landstraßer Hauptstraße/Gigergasse sowie Marxergasse/Gigergasse (67 m Gebäudehöhe). Auf dem Basishochhaus Ecke Landstraßer Hauptstraße/Invalidenstraße sitzt, die Biegung des Wienflusses vor der Mündung in den Donaukanal aufnehmend, leicht verdreht
ein schmaler Hochhauskörper auf (97 m Gebäudehöhe). Auf der Sockelzone gegenüber der Bank Austria-Zentrale sitzt, ebenfalls die Verschwenkung des Wienflusses aufnehmend, ein schmaler Hochhauskörper auf (85 m Gebäudehöhe).

Im Bereich Große Marxer Brücke wird, der Grundkonzeption des Gutachterverfahrens und den Intentionen des Fachbeirates für Stadtplanung und Stadtgestaltung folgend, ebenfalls eine
Überbauung der Schnellbahn-Stammstrecke zu den benachbarten Bundesgebäuden hin, widmungsmäßig berücksichtigt, wobei die dort projektierten Baukörper in modifizierter Form der Höhenentwicklung mit ihrer wie beim Projekt Wien-Mitte einhergehenden Hierarchie folgen (32 m, 62 m, 87m Gebäudehöhe). Die geplante Büronutzung soll das Gesamtbild des Areals um den Busbahnhof gemeinsam mit dem gerade in Bau befindlichen AEZ-Kino- und Büroprojekt "Wien A 3" zusätzlich abrunden und attraktivieren.

Im Rahmen der nunmehr laufenden öffentlichen Auflage (28. Oktober bis 9. Dezember) haben die Bürger Gelegenheit, gemäß § 2 der BO (Bauordnung) für Wien zum vorliegenden Entwurf des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes Nr. 7255 Stellung zu nehmen. Die Bezirksgremien des 3. Bezirkes werden wie bisher durch ihre Stellungnahme im Verfahrensablauf den Entwicklungsprozess des Projektes entscheidend mitbestimmen. Eine öffentliche Präsentation des Projektes ist zudem durch die Bezirksvorstehung für den 3. Bezirk vorgesehen, um eine möglichst breite Information,
Diskussion und Konsensfindung für dieses städtebaulich, verkehrsmäßig und wirtschaftlich so wichtige "Tor in die Landstraße" zu finden. (Forts.mgl.) lei

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Andrea Leitner
Tel.: 4000/81 414
e-mail: lei@gpz.magwien.gv.at

PID-Rathauskorrespondenz: www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink/

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK/NRK