Pressekonferenz : Inkassoverband Österreich

Wien (OTS) - Aus einer Mitgliederbefragung des Österreichischen Inkassoverbandes ( Stand September 1999 ) geht hervor, - wie der Präsident des Inkassoverbandes Österreich Manfred Ratz und Pressereferent Dr. Helmut Liegl präsentierten - daß für das Nichtzahlen von offenen Rechnungen bei privaten Schuldnern zu 95,8 Prozent Überschuldung, zu 70,8 Prozent Arbeitslosigkeit, zu 25 Prozent ein momentanen Liquiditätsengpaß und zu 33,3 Prozent vorsätzliches Nichtzahlen verantwortlich zu machen ist. Bei gewerblichen Schuldnern meinten die befragten Inkassounternehmen, daß Schulden zu 75 Prozent auf Überschuldung, zu 58,3 Prozent auf Umsatzschwäche, zu 83,3 Prozent auf bewußtes Ausnützen der Zahlungsziele und Überschreitungen und zu 25 Prozent auf vorsätzliches Nichtzahlen zurückgeführt werden können. Derzeit haben nach Einschätzung der befragten Inkassounternehmen folgende Branchen die größten Probleme zu verzeichnen: Baugewerbe (66,7 Prozent), Gastgewerbe (50 Prozent), Handel (29,2 Prozent), Texitilbranche (20,8 Prozent) Professionisten (20,8 Prozent) und andere Gewerbebetriebe (12,5 Prozent). Für das nächste Jahr erwarten die Mitglieder des Inkassoverbandes Österreich zu 95,8 Prozent ein Anstiegen der privaten und zu 70,8 Prozent ein Ansteigen der gewerblichen Insolvenzen. Die Einbringungsquote der Verbandsmitglieder beträgt nach ihren Angaben für den Zeitraum von drei Jahren 57,7 Prozent, innerhalb von fünf Jahren 63,5 Prozent und binnen zehn Jahren 71,3 Prozent.

Betriebsstatistische Erhebung

Ergebnis gemäß Protokoll und Beurkundung vom 15. September 1999 der Notariatskanzlei Dr. Sprenger / Graz.

STICHTAG: 31.12.1998

Bei 244.248 Fällen betrugen die Hauptforderungen der Gläubiger im Gesamtjahr 1998 (Jänner-Dezember) ATS 3.163.150.169,06.

Insgesamt betrug der Auftragsstand (inklusive aller offenen Aufträge und Klagefälle) bei 599.552 Fällen ATS 9.746.098.769,85.

Die für Gläubiger einkassierten Beträge betrugen im Gesamtjahr 1998 ATS 797.635.334,56.

Der derzeitige Mitgliederstand des Inkassoverbandes Österreich beträgt 26 Mitglieder. Davon beteiligten sich an der Umfrage 17 Betriebe (= 65,4 %). "Seit Jahrzehnten sind die Kosten der Inkassoinstitute sozialpartnerschaftlich akkordiert und als sogenannte "Verbandsempfehlung" der Bundeswirtschaftskammer, Sektion Gewerbe und Handwerk, Bundesinnung der Immobilien- und Vermögenstreuhänder ins Kartellregister eingetragen worden. Trotz der akkordierten sozialpartnerschaftlichen Regelung und der rechtlichen Festlegung in einer bundesstaatlichen Norm opponieren zahlreiche Exponenten auf Seiten des Konsumentenschutzes gegen die seit Jahrzehnten bestehenden Kostenregelungen. Selbstverständlich dürfen Inkassoinstitute grundsätzlich nur Forderungen betreiben, die dem Grunde und der Höhe nach zurecht bestehen und wegen Schuldnerverzug längst fällig sind. Im Einklang mit der innerhalb der EU vorherrschenden Meinung gehen die Inkassoinstitute davon aus, daß die von ihnen geltend gemachten notwendigen und zweckentsprechenden Kosten vom Schuldner aus dem Rechtsgrund des "Verzugsschadens" zu bezahlen sind," meint Dr. Helmut Liegl (Pressreferent des Inkassoverband Österreich).

Fünf Jahre Erfahrung mit dem Privatkonkurs in Österreich

Der Privatkonkurs sieht zwei Verfahren vor: das sogenannte Schuldenregulierungsverfahren mit Zahlungsplan und das Abschöpfungsverfahren. Zuständig ist das Bezirksgericht; nicht immer gibt es einen Masseverwalter. Die Einhaltung der Zahlungstermine sollte durch den Schuldner selbst erfolgen, es werden jedoch immer wieder Schuldnerberatungsstellen oder Gläubigerschutzverbände zur Verteilung der Quoten tätig. Beim Schuldenregulierungsverfahren mit Zahlungsplan ist ein Abstattungszeitraum von maximal 7 Jahren vorgesehen. In der Regel kommt es zur Ausschüttung einer 20%-Quote, es gibt aber auch niedrigere Quoten. Voraussetzung für das Abschöpfungsverfahren mit Restschuldbefreiung ist die "gläserne Brieftasche" des Schuldners für die Dauer von 7 Jahren. In dieser Zeit muß er alle ihm zukommenden Geldmittel, die über die unbedingt notwendigen Kosten seines persönlichen Unterhalts oder seiner Unterhaltsberechtigten hinausgehen, zur Verteilung an die Gläubiger zur Verfügung stellen. Eine Mindestquote ist nicht vorgesehen, in der Regel wird eine Quote von 10% angestrebt, sehr oft aber nicht erreicht. Aufgrund der ihnen erteilten Beratung betrachten heute relativ viele junge Menschen Millionenschulden aus privatem Konsum als ein "Kavaliersdelikt", dessen man sich durch einen Privatkonkurs relativ billig entledigen kann. Im Privatkonkurs-Verfahren werden nur solche Forderungen berücksichtigt, die angemeldet und anerkannt werden. Weder die Gerichtsgebühren für die Forderungsanmeldung (derzeit ATS 170,--) noch die Vertretungsgebühren für einen Anwalt werden ersetzt und belasten daher einseitig den Gläubiger. Bei Mini-Quoten (z.B. 84 Quoten a ATS 3,22) betragen die Bankgebühren und die Kosten der Verbuchung ein Vielfaches der geleisteten Quotenzahlungen, weshalb auch oft von der Anmeldung von niedrigen Forderungen aus ökonomischen Gründen Abstand genommen wird.

Fallbeispiele (Auswahl): (Initialen geändert)

Y.Q. ist 25 Jahre alt, lebt in einer Bezirksstadt in einer Lebensgemeinschaft und ist für kein Kind sorgepflichtig. Seine privaten Schulden (ohne Masseforderungen) belaufen sich auf über ATS 1,2 Mio. Er hat in den letzten drei Jahren seinen Wohnsitz nicht verlassen und war zeitweise beschäftigt und zeitweise arbeitslos. Die Verbindlichkeiten gegenüber seinen 22 Gläubigern stellen eine typische Mischung dar: jeweils mehrere Banken und Leasingunternehmen, mehrere Versandhäuser, zwei Versicherungen, die Telekom Austria und ein privater TV-Sender, lokale Handelsunternehmen und Videotheken sowie Privatpersonen.

N.F. ist 29 Jahre alt und in einer Landeshauptstadt wohnhaft. Er hat sich mit 25 Jahren selbständig gemacht und war nach 3 Jahren Geschäftstätigkeit konkursreif. Den Antrag auf Konkurseröffnung weist das zunächst angesprochene Landesgericht mangels eines kostendeckenden Vermögens ab. N.F. gibt seine Unternehmertätigkeit auf und wird Dienstnehmer. Der Antrag auf Eröffnung eines Schuldenregulierungsverfahrens wird vom zuständigen Bezirksgericht _ Jahr später genehmigt. Er hat bei 26 Gläubigern Schulden in der Höhe von ATS 2,2 Mio. In der Gläubigerliste dominieren Lieferanten von Waren und Dienstleistungen, Banken, SV-Träger und das Finanzamt. Auch dieser Privatkonkurs dient also der Umschuldung eines ehemaligen Unternehmers.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Gewerbeverein,
Dr. Manfred Lechner,
Tel.:01-587 36 33/30,
Email: oest.gewerbeverein@apanet.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS