Symposium beschäftigt sich mit Bedeutung der Umweltmedizin

Wien, (OTS) Am Freitag eröffnete Wiens Gesundheitsstadtrat
Dr. Sepp Rieder im Wappensaal des Wiener Rathauses das internationale Symposium "Perspektiven und Geschichte der Umweltmedizin an der Schwelle zum 21. Jahrhundert" des Instituts für Umweltmedizin (IFUM) der MA 15 – Gesundheitswesen.

Im Rahmen des eintägigen Symposiums konnte die Leiterin des IFUM, Univ.Prof.Dr. Renate Walter, ExpertInnen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Frankreich begrüßen, die unter anderem einen Überblick über die Aufgaben der "Schwesterinstitute" des IFUM in den jeweiligen Ländern gaben oder Fragen der Biotechnologie oder Molekularbiologie erörterten. Besonders
breiter Raum wurde der Frage der Wasserqualität und –versorgung in Ballungsräumen gewidmet. Dazu wurden sowohl die Systeme der Wasserversorgung in den Städten Wien, Paris und Berlin vorgestellt als auch das strategische Konzept der Europäischen Union zu Trinkwasserhygiene behandelt.****

Die Aufgaben des Instituts für Umweltmedizin

1. Wasser

Bereits ab 1908 nahmen Wasser- und sogar
Abwasseruntersuchungen einen breiten Raum ein. Insbesondere die Wasserrechtsbehörde war an der Untersuchungsstelle interessiert, weil sie ein hervorragendes Instrument zur Mitarbeit bei der Aufklärung juristisch nicht lösbarer fachlicher Konflikte war. Arbeiten verschiedenster Art zur Trinkwasserhygiene, die infolge
des Ausbaues der Wiener Trinkwasserversorgung stetig an Umfang und Kompliziertheit zunahmen, und die Realisierung neuer Wassergewinnungsprojekte wurden und werden vom Institut
bearbeitet. Das Untersuchungsspektrum wird ständig dem modernsten Entwicklungsstand angepasst. Zu den bisherigen Verfahren traten virologische, toxikologische, limnologische, radiologische und ständig weiterentwickelte Methoden der chemischen Analytik hinzu.

2. Klinisch-mikrobiologische Diagnostik

Am Anfang der Tätigkeit (1908) standen die Untersuchungen zur Diagnostik von Seuchenerregern, wie z.B Typhus, Flecktyphus und Diphtherie, im Mittelpunkt jener Arbeiten, die im Auftrag der
Stadt Wien im "Hygienischen Universitätsinstitut" bis 1924 durchgeführt wurden. Große Aufgaben für die ab 1925 eigenständig arbeitende Untersuchungsstelle ergaben sich ab 1946 im Rahmen des Bazillenausscheidergesetzes. Diese Untersuchungen wurden jedoch
1955 fast vollständig an Untersuchungsanstalten des Bundes übergeben. 1954 erfolgte die Einrichtung eines Zentrallabors zur Tuberkulosediagnostik für die Stadt Wien mit Unterstützung von UNICEF. Dieses Labor hat noch heute wesentlichen Anteil an der Tuberkulosediagnostik für die Krankenhäuser Wiens.

3. Umweltmedizin

Bereits seit Mitte der Achtzigerjahre wurden bedeutende Aufgaben der medizinischen Amtssachverständigentätigkeit im Gewerbe-, Bau-, Abfallwirtschafts- und Verkehrsrecht der Untersuchungsanstalt zugewiesen. Als Konsequenz aus dieser Entwicklung erfolgte 1987 die Umbenennung in Institut für Umweltmedizin. 1993 wurde die Umweltmedizinischen Beratungsstelle, als erste ihrer Art in Österreich, am Institut eröffnet.

4. Desinfektion und Sterilisation

Zur bereits 1908 aufgenommenen Prüfung von Desinfektionsmitteln und -verfahren sind die Überwachung von sterilisierenden Anlagen, Wäschereien und Geschirrwaschstraßen sowie von raumlufttechnischen Anlagen im Hospitalbereich hinzugetreten.

5. Aus- und Fortbildung

Auf Antrag wurde vom Bundesministerium für soziale Verwaltung die damalige hygienisch-bakteriologische Untersuchungsanstalt 1971 als Ausbildungsstätte zum Facharzt für mikrobiologisch-serologische Labordiagnostik anerkannt und zwei ärztliche Facharzt-Ausbildungstellen genehmigt. Diese Ausbildungskompetenz wurde 1988 auf das Sonderfach Hygiene (seit 1995 Hygiene und Mikrobiologie) erweitert. Die Zahl der Ausbildungsstellen wird
seit 1992 vom Dienspostenplan des Institutes bestimmt, und entspricht so den für Universitätsinstitute üblichen Bedingungen.

Mit Spruch der Wirtschaftskammer vom 10.8.1998 wurde das Institut als Ausbildungsstelle für den Lehrberuf Chemielaborant anerkannt.

7. Kooperation

Eine gute Kooperation verbindet das Institut seit Jahrzehnten mit der Universität für Bodenkultur. Dies ergibt sich aus der Mitwirkung in Lehre und Forschung (Betreuung von Diplom- und Doktorarbeiten) auf dem Gebiet der Wasser- und Umwelthygiene. Auch mit den nationalen Fachgremien der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) und des Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverbandes (ÖWAV) wird eine lebendige Zusammenarbeit praktiziert. Ausserdem findet eine intensive Mitwirkung in internationalen Gremien, z.B. in der europäischen
und internationalen Normung, in umweltmedizinischen Arbeitsgruppen Deutschlands und in hochspezialisierten Fachgremien der "International Association on Water Quality" (IAWQ) statt.

Die Geschichte des Instituts

Bis zum Jahre 1908 hatte das Wiener Stadtphysikat keine
eigene hygienische Untersuchungsstelle. Ende des Jahres 1907 richtete daher das Stadtphysikat an den Magistrat einen Antrag auf Schaffung einer Untersuchungsstelle für den Bedarf der Stadt Wien. Am 7.1.1908 wurde eine solche Untersuchungsstelle grundsätzlich genehmigt und mit Stadtratsbeschluss vom 7.2.1908 dem Hygieneinstitut der Universität in 8., Kinderspitalgasse räumlich angegliedert. Der Vorstand des Hygieneinstitutes, Prof. Dr. Schattenfroh, war gleichzeitig der verantwortliche Leiter der Untersuchungsstelle. Ihm wurde ein Amtsarzt des Gesundheitsamtes zugewiesen, der unter Schattenfrohs fachlichen Leitung die Geschäfte führen und die Verbindung zum Gesundheitsamt aufrechterhalten sollte. Diese 1908 probeweise für drei Jahre abgeschlossene Vereinbarung wurde 1910 per Gemeinderatsbeschluss
auf unbestimmte Zeit verlängert.

Die damaligen Aufgaben umfassten chemische, mikroskopische, bakteriologische und hygienische Untersuchungen des
Stadtphysikates mit Ausnahme von Lebens- und Genussmitteln, Kosmetika und Heilmitteln. Ziel war die Verbesserung der Seuchenbekämpfung durch mikrobiologische Diagnostik und Überprüfung der Desinfektion, Verbesserung der Kommunalhygiene durch Begutachtung hygienischer Einrichtungen und sanitärer Erfordernisse in der Bau-, Wohnungs-, Schul- und Gewerbehygiene. Eine Hauptaufgabe bestand in der ständigen Kontrolle der Zentralwasserversorgung Wiens inklusive Durchführung von Probenentnahmen und regelmäßigen Begehungen der Quellgebiete. Auch die Verpflichtung zur Ausbildung von drei Amtsärzten und zur jährlichen Abhaltung eines hygienischen Kurses für Amtsärzte im Ausmaß von 4 bis 6 Wochen wurde in der Vereinbarung festgelegt.
Ein besonderes Recht stellte die Möglichkeit zu Initiativanträgen dar. Zitat aus den Institutsunterlagen: "Der Untersuchungsstelle steht das Recht zu, auch Initiativanträge zu hygienischen Reformen zu stellen; diese sind ausnahmslos an das Stadtphysikat zu leiten, welche dieselben mit einer Äußerung der kompetenten Magistratsabteilung zur weiteren Amtshandlung vorzulegen verpflichtet ist".

1924/1925 kam es zu einer Loslösung der Untersuchungsstelle aus dem Universitätsverband (Anlass war ein Streit um den Bau der Raxbahn und deren Einfluss auf Tourismus in die Quellgebiete). Die Kündigung erfolgte durch den neu berufenen Univ. Prof. Grassberger in der Amtsperiode von Stadtrat Prof. Julius Tandler. Die Untersuchungsstelle wurde der Leitung eines nachmaligen Oberstadtphysikus (Dr. Gegenbauer) anvertraut und provisorisch in zwei Räumen des Karolinenkinderspitales, 9., Sobieskigasse 31 untergebracht. Der Personalstand entwickelte sich praktisch nicht. Er umfasste z.B. 1936 eine Chemikerin, eine Hilfskraft und zwei Reinigungsfrauen. Dieses Provisorium bestand 26 Jahre und
behinderte die notwendige Entwicklung zur Erfüllung der ständig wachsenden Aufgaben enorm, und der Raummangel wurde unerträglich.

Daher traf Bürgermeister Körner 1949 die Entscheidung zur Unterbringung der Untersuchungsstelle in dem freiwerdenden Gebäude des ehemaligen Maria-Theresien Frauen-Hospitals in Wien 8,
Feldgasse Nr. 9. Damit wurde auch aus der Untersuchungsstelle die Hygienisch-Bakteriologische Untersuchungsanstalt des Gesundheitsamtes (Verfügung des Magistratsdirektion, 1948). Das Gebäude in der Feldgasse wurde in den Jahren 1950 bis 1951 adaptiert (1957 auch angekauft). Der endgültige Umzug konnte 1951 in der Amtsperiode von Bürgermeister Franz Jonas stattfinden. Die Betriebsbewilligung für medizinisch-hygienische
Laboruntersuchungen wurde 1953, gebunden an die Person des Vorstandes Dozent Dr. med. Alfred Schinzel, erteilt.

Zitat aus den Institutsunterlagen: "Allmählich mit der Vergrößerung der Stadt wurde die Beschränkung auf den rein amtlichen Bedarf des Gesundheitsamtes aufgehoben und dem Gesichtspunkt Folge gegeben, nicht so sehr dem Amtsbedarf als vielmehr den Bedürfnissen der Stadt und ihrer Bevölkerung dienstbar zu sein". In diesem Zusammenhang erfolgte 1954 eine Umbenennung in Hygienisch-bakteriologische Untersuchungsanstalt
der Stadt Wien.

1987 erfolgte auf Grund der zunehmenden Integration auch spezifisch umweltmedizinischer Aufgabenstellungen die Umbenennung des Institutes in Institut für Umweltmedizin der Stadt Wien. Im Jahr 1991 wurde ein teilweiser Ausbau des Dachgeschosses zur Gewinnung von Labor- und Büroräumen sowie einer Bibliothek realisiert. Während bisher die Durchführung der Trinkwasser- und Mineralwasseruntersuchungen nach der Rechtsmaterie für medizinisch-diagnostische Laboratorien bewilligt war, erhielt das Institut am 19.12.1995 vom Bundesministerium für Gesundheit und Konsumentenschutz nunmehr auch die Autorisierung für die Untersuchung von Trink- und Mineralwasser gemäß § 49 Abs. 2 und 3 des Lebensmittelgesetzes, 1975. Seit 27.2.1997 befindet sich das Institut im Akkredierungsverfahren, dessen Abschluss für das erste Halbjahr 2000 geplant ist. (Schluss) nk

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