70. Geburtstag von Leopold Gratz

Wien, (OTS) Den 70. Geburtstag feiert Wiens
Altbürgermeister Leopold Gratz. Er wurde am 4. November 1929 in Ottakring geboren. Nach dem Besuch des Realgymnasiums studierte er an der Universität Wien Rechtswissenschaften und schloss das Studium mit der dritten Staatsprüfung ab. 1952/53 war er als Vertragsbediensteter beim Landesarbeitsamt Wien tätig und
arbeitete von Mai 1953 bis zum Dezember 1954 als Angestellter des Klubs der Sozialistischen Abgeordneten und Bundesräte, ab 1. Jänner 1955 als Parlamentsbediensteter.

1963 wurde Leopold Gratz Zentralsekretär der SPÖ. Ebenfalls 1963 wurde er in den Bundesrat entsandt, dem er bis 6. März 1966 angehörte.

Als Nachfolger Franz Olahs zum Bezirksparteiobmann von Wien-Hernals gewählt, zog Leopold Gratz am 30. März 1966 als Abgeordneter in den Nationalrat ein, dem er bis zum 15. Juni 1973 angehörte. Nach der Etablierung der Minderheitsregierung Kreisky I gehörte ihr Leopold Gratz ab dem 21. April 1970 bis zum 4.
November 1971 als Bundesminister für Unterricht und Kunst an; in diese Zeit fallen vor allem eine Bundestheaterreform, die
Sistierung der Aufnahmeprüfung an den Allgemeinbildenden Höheren Schulen und Ausweitungen der Schulversuche.

Von November 1971 bis Juni 1973 fungierte Leopold Gratz als Geschäftsführender Klubobmann des Klubs der Sozialistischen Abgeordneten und Bundesräte, bis er als Nachfolger des zurückgetretenen Felix Slavik zum neuen Wiener Bürgermeister gewählt wurde. Als solcher setzte er sich für eine Modernisierung der Stadtverwaltung ein und legte den Hauptakzent seines Regierungsprogramms auf die Sektoren "Gesundheit", "Verkehr" und "Wohnungswesen". Nach den Ereignissen um den Einsturz der Reichsbrücke am 1. August 1976 wurde das "Technische Sicherheitskontrollamt" geschaffen.

Zu den großen kommunalen Leistungen und Reformen während seiner Amtszeit zählen - um nur Beispiele zu nennen - die Neugestaltung des Donaubereiches, die Fertigstellung des U-Bahn-Grundnetzes, die Revitalisierung der Inneren Stadt mit der
Schaffung der großen Fußgängerzonen, die Wende zur Stadterneuerung, der Ausbau der sozialen Dienste und des Bürgerdienstes, die Einleitung der Dezentralisierung sowie die Reform der Stadtverfassung (Volksbefragung etc.).

In der Amtszeit von Bürgermeister Gratz waren auch so diffizile Probleme wie der Neubau des Allgemeinen Krankenhauses
und die Wiederverwertung bzw. Aufbereitung der immer mehr ansteigenden Müllberge zu bewältigen.

Von September 1984 bis Juni 1986 war Leopold Gratz Bundesminister für Auswärtige Angelegenheiten im Kabinett Sinowatz.

Ab Dezember 1986 gehörte Leopold Gratz wieder dem Nationalrat an, zu dessen Ersten Präsidenten er wenig später gewählt wurde. Im Februar 1989 trat Gratz von allen politischen Funktionen zurück.

Vom Land Wien wurde Leopold Gratz 1979 mit dem "Großen Goldenen Ehrenzeichen mit dem Stern" ausgezeichnet, und anlässlich des fünfzigsten Geburtstages des Politikers wurde von der "Zentralsparkasse" die "Leopold Gratz-Stiftung" mit einem Fonds-Vermögen von 50 Millionen Schilling errichtet, aus der ab 1981 erstmals Preise verliehen wurden.

Im Juni 1995 wurde Leopold Gratz Ehrenbürger der Stadt Wien. (Schluss) red/rr

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