"Tag des Tees" - 6. November 1999

Tee - aus Lust am Genuß

Wien (OTS) - Tee ist Genuß. Rund um den Globus werden jeden Tag rund acht Milliarden Tassen getrunken - mit steigender Tendenz. Neben Wasser ist Tee damit das meistkonsumierte Getränk der Welt. Das Erfolgsgeheimnis dieses Naturproduktes ist offenkundig: Duft, Geschmack, Aroma und Farbe machen den Genuß von Tee zu einem einzigartigen Erlebnis.

Teetrinken bietet feinen, kultivierten, aber auch modernen, schnellen und unkomplizierten Genuß. In allen Lebenslagen leistet Tee einen wertvollen Beitrag zur Entspannung und spendet gleichermaßen Energie. Geistige Anstrengungen lassen sich nach einer Tee-Pause konzentrierter meistern. Und nach getaner Arbeit kann man gemütlich bei einer Tasse Tee am schnellsten wieder zu Kräfte kommen.

Wie vielseitig Tee ist, wird auch anhand der großen Auswahl an verschiedenen Sorten deutlich, die alle ihre individuelle Note aufweisen. Eines haben sie allerdings gemeinsam: ihre Abstammung von den beiden Urpflanzen, der Camellia sinensis und der Camellia assamica. Heute ist die Assam-Hybride, eine Kreuzung der beiden Tee-Urpflanzen, Grundlage für die meisten Teekulturen der Welt.

Ganz nach Geschmack

Ob ein Tee als schwarzer oder als grüner Tee auf den Markt kommt, hängt allein vom Verarbeitungsprozeß ab: Nach dem Welken und Rollen der Blätter durchläuft schwarzer Tee einen Oxidationsprozeß - das sogenannte Fermentieren, bei dem sich die zahlreichen aromagebenden Bestandteile entwickeln. Bei der Herstellung von grünem Tee hingegen behandelt man die Blätter nach dem Welken entweder mit Wasserdampf (z.B. Japan) oder erhitzt sie, wie beispielsweise in China, in flachen, eisernen Pfannen, um die pflanzeneigenen Enzyme zu inaktivieren und eine Fermentation zu verhindern. Anschließend werden die Blätter gerollt, getrocknet und wie schwarzer Tee sortiert.

Der Vergleich von Tee mit Wein- oder Sektsorten kommt nicht von ungefähr. Denn genau wie bei den exquisiten "Rebsäften" werden Aroma und Güte des Tees durch Pflanze, Anbaugebiet, Klima, Bodenbeschaffenheit, Lage, Erntezeit und Verarbeitung bestimmt. Die zahllosen Geschmacks- und Aromanuancen lassen sich bei den schwarzen Teesorten mit Begriffen wie blumig, zart-lieblich, herb, citrusartig oder vollmundig-malzig nur annähernd beschreiben. Die Geschmacks- und Duftwelt der grünen Tees sowie der halbfermentierten Oolong-Tees ist ebenso vielfältig. Von blumig-weich über frisch-grün bis herb-rauchig reicht hier das Spektrum.

Die wichtigsten Teesorten im Überblick

Darjeeling

Der Darjeeling-Tee gedeiht an den südlichen Ausläufern des Himalaya-Gebirges in Höhen bis zu 2.000 Metern. Dieser Tee kommt häufig als "Lagen-" oder "Gartentee" in den Handel und trägt den Namen des jeweiligen Teegartens. Der Darjeeling ist eine helle, leichte, blumige Schwarzteeesorte, die sich durch ihr liebliches und dennoch intensives Aroma auszeichnet.

Klimabedingt gibt es auf den Darjeeling-Plantagen drei Haupterntezeiten: die Frühlingspflückung (first flush), die Sommerpflückung (second flush) und die Herbstpflückung (autumnals). Der first flush ist besonders zart, hell, duftig und etwas grünlich im Aufguß. Er ist so kostbar, daß er oft per Flugzeug nach Europa gebracht wird (daher auch die Bezeichnung "Flugtee"). Der second flush ist dagegen kräftiger in der Tasse und abgerundeter im Geschmack, außerdem länger haltbar. Nicht ganz so kräftig wie die Sommerpflückung sind die Herbsttees aus Darjeeling. Sie sind ausgereift und vollmundig, leicht im Geschmack und durch eine weiche, gelblich-rötliche Tassenfarbe gekennzeichnet.

Assam

Dieses größte zusammenhängende Teeanbaugebiet der Erde liegt in Nordost-Indien, an der Grenze zu Myanmar, dem ehemaligen Birma. Assam-Tee ist ein kräftiger, voller, runder, ausgewogener und malziger Schwarztee. Er hat eine dunkel rotbraun leuchtende Tassenfarbe. Assam-Tee ist meistens die Grundlage für die berühmten Ostfriesenmischungen und er verträgt von allen Teesorten noch am besten "hartes" Wasser.

Ceylon

Dieser Schwarztee aus Sri Lanka, im Handel immer noch Ceylon-Tee genannt, hat einen frisch-aromatischen, spritzig-lebhaften Geschmack mit einer ganz besonderen, eleganten Milde. Farblich liegt er zwischen Darjeeling und Assam. Der Fachmann sagt: "Er steht golden in der Tasse."

Kenia

Aus Kenia stammt der dem Ceylon-Tee ähnliche Kenia-Tee mit citrusartigem, feinem und belebendem Aroma. Die besten Erntequalitäten stammen aus der Trockenzeit (Februar/März). Bekannte Anbau-Distrikte dieses Schwarztees sind: Kericho, Nandi, Limuru-Kiambu, Nyeri und Meru.

Yunnan

In der chinesischen Teeprovinz Yunnan, unweit vom indischen Assam und an der Grenze zu Tibet, Laos, Vietnam und Myanmar, wird die Wiege der wilden Teepflanze vermutet. Hier wächst der Yunnan-Tee. Ein gehaltvoller, milder und doch kräftiger schwarzer Hochlandtee mit ansprechendem Duft und rötlich-goldenem Aufguß. Manche bezeichnen ihn als den "Rotwein unter den Tees".

Keemun

Der weltbekannte Keemun-Tee aus der Provinz Anhui ist die Krönung der chinesischen Schwarztee-Kunst. Er hat ein einzigartiges "getoastetes" Aroma, einen wunderbaren Duft und ist im Geschmack voll, rund, fruchtig-süßlich und harmonisch. Das Geheimnis seines speziellen Flavours ist ein besonderes ätherisches Öl, Myrcenal genannt, das auch in Lorbeerblättern vorkommt, aber sonst in keiner anderen Gattung des Teestrauches.

Oolong

Ein Geschmackserlebnis der besonderen Art vermittelt der aus Taiwan und China stammende Oolong-Tee. Hierbei handelt es sich um einen halbfermentierten Tee, d.h., daß bei seiner Herstellung die frischen Teeblätter nur am Rand fermentieren. Diese Methode ist sehr aufwendig, aber die Mühe lohnt sich. Je nach Qualität reicht die Geschmacksskala von malzig-brotig bis fruchtig-duftig, im Aroma an reife Pfirsiche erinnernd. Die Tassenfarbe changiert von bernsteingelb bis tieforange.

Pu-Erh

Der Pu-Erh-Tee ist, wie alle vorgenannten Sorten, ein Tee der botanischen Gattung Camellia sinensis, der in der chinesischen Provinz Yunnan mit einem speziellen Fermentationsverfahren hergestellt wird. Diese besondere Art der Fermentierung bzw. Nachfermentierung verleiht dem Tee einen kräftigen, eigenwilligen von mild-erdig, nussig bis rauchig-herb reichenden Geschmack. In der Tasse zeigt der Tee eine rötliche Färbung. Pu-Erh-Tee ist - im Gegensatz zu gelegentlich vorkommenden falschen Anpreisungen ("Fettkiller") - kein Wunderheilmittel, sondern ein traditioneller Tee, der in Frankreich seit etwa 20 Jahren, in Deutschland seit etwa 15 Jahren auf dem Markt ist und dort einen nicht unbeachtlichen Marktanteil aufweist.

Für den vollen Genuß: Tee richtig zubereiten

Entscheidend für echten Teegenuß sind neben der Teequalität auch Menge, Wasser und Ziehzeit. Blattee hat beispielsweise das eineinhalb- bis zweifache Volumen von Fanningstee - einer feineren Sortierung, die meist in Teebeuteln verarbeitet wird. Deshalb sind die Aufgußbeutel ergiebiger. Für eine Tasse grünen Tee reicht durchschnittlich eine etwas geringere Menge als für schwarzen Tee. Oft ist auf der Teepackung die Dosierung vermerkt.

Schwarzer Tee wird mit sprudelnd siedendem Wasser, grüner Tee hingegen - je nach Geschmack - mit 65 bis 75 Grad Celsius heißem Wasser übergossen. Manche Teetrinker schütten außerdem den ersten Aufguß beim Grüntee weg und trinken erst den zweiten. Mit diesen unterschiedlichen Vorgehensweisen kann der Gerbstoffgehalt reguliert werden.

Generell gilt: Am besten frisches, möglichst kalk- und chlorarmes ("weiches") Wasser verwenden. Etwas längeres Kochen hilft, das Wasser weicher zu machen. Aber Vorsicht: das Wasser nicht "totkochen"! Bei sehr kalkhaltigem oder mit einem ausgeprägten Eigengeschmack versehenen Wasser sollte ein kräftiger Tee, zum Beipiel ein Assam, gewählt werden. Da das Koffein und die Gerbstoffe im Tee nach unterschiedlicher Ziehdauer ihre maximale Wirkung entfalten, ist eine Ziehzeit von drei bis etwa fünf Minuten optimal.

Noch ein Tip zur Aufbewahrung: Tee ist ein Naturprodukt und sehr empfindlich. Er muß kühl und trocken gelagert werden und sollte nicht in unmittelbarer Nähe stark riechender Lebensmittel stehen. Gut verschließbare Blechdosen oder lichtgeschützte Gläser sind für die Lagerung am besten geeignet.

Quelle: Wissenschaftlicher Informationsdienst des Deutschen Tee-Instituts, Hamburg

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