ÖGB-FGV: 38-Stunden-Woche für Gesundheitspersonal

Kantönligeist blockiert notwendige Reformen

Wien (FGV/ÖGB). Die 38-Stunden-Woche für das Gesundheitspersonal, die Reduzierung der Überstunden und ein Ende der Blockade von dringend notwendigen Reformen im Gesundheitswesen durch die Finanzreferenten der Länder forderten heute die Vorsitzende der ÖGB-Fachgruppenvereinigung für Gesundheitsberufe (ÖGB-FGV), Monika Mauerhofer und ihre beiden StellvertreterInnen, Johann Hable und Gerda Mostbauer.++++

Österreichs Gesundheitswesen sei zwar noch ausgezeichnet, und in den vergangenen Jahren konnte die ÖGB-FGV eine Reihe von Verbesserungen für die Beschäftigten durchsetzen, aber das ständige Ansetzen des Rotstiftes führe gerade im Personalbereich zu einer "bereits gefährlichen Situation", warnte Mauerhofer. In einzelnen Krankenhäusern sei die Situation bereits so angespannt, dass das Pflegepersonal bereits Selbstanzeige wegen nicht zu erbringender notwendiger Pflegeleistung gemacht habe. Konkret nannte Mauerhofer eine Unfallstation in Oberösterreich mit 32 Betten. Die ÖGB-FGV-Vorsitzende:"Dort gibt es nur mehr eine Kollegin für den Nachtdienst. Die vorgeschriebenen Pflegeleistungen ist dort manchmal einfach nicht mehr zu erbringen".

Hable kritisierte in diesem Zusammenhang auch die sogenannte "Drehtürmedizin". So würden oft am Vormittag entlassene Patienten am Abend wieder in ein anderes Spital eingeliefert. So sei es auch nicht verwunderlich, dass in den österreichischen Krankenhäusern zwar die Verweildauer gesunken, die Neuaufnahmen aber gestiegen seien. Mauerhofer nannte konkrete Zahlen: Von 1995 auf 1998 ist die durchschnittliche Verweildauer von 7,31 Tage auf 6,58 Tage gesunken. Die Zahl der Neuaufnahmen ist aber in diesem Zeitraum von 1.815.349 um rund 300.000 auf 2.021.759 gestiegen. Hable schätzt, dass sich dadurch die Kosten eher erhöht und nicht gesenkt haben.

Kostensenkungen im Gesundheitsbereich seien bisher fast ausschliesslich durch Personaleinsparungen erreicht worden. Im Gesundheitswesen sei es in den vergangenen Jahren in vielen Bereichen zu einer wahren Leistungsexplosion gekommen, das Personal wurde aber nicht aufgestockt, kritisieren Mauerhofer, Mostbauer und Hable. Sie finden es auch unverständlich, dass derzeit rund 2.500 diplomierte KrankenpflegerInnen arbeitslos sind, diese KollegInnen auch dringend gebraucht würden, aber nicht eingestellt werden.

Hable kritisierte, dass "sparen allein nicht Gesundheitspolitik bedeutet" und die Landesfinanzreferenten und der Finanzminister im Gesundheitsbereich nicht "das letzte Wort haben dürfen". Er bezeichnete den sogenannten Konsultationsmechanismus zwischen Bund und Ländern als "Entmachtung der zuständigen Ministerien durch die Länder" sowie einen "Kantönligeist" und forderte eine "neue Qualität der Zusammenarbeit". Mostbauer bedauerte, dass es in Österreich noch immer eine reine Reparaturmedizin gebe und kritisierte , dass es die so oft beschworene Prävention erst in Ansätzen gebe. Auch im Bereich der Nachbetreuung sei,so Mostbauer, die Situation nicht viel anders. (ff)

ÖGB, 27. Oktober 1999 Nr. 510

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