Brauner und Seitner präsentieren neue Integrations-Initiativen

Wien, (OTS) "Sprache, Jugend, Stadtteilarbeit – gerade diese aktuellen Arbeitsschwerpunkte des Wiener Integrationsfonds zeigen sehr deutlich: Wien bemüht sehr erfolgreich um ein Miteinander in der Stadt. Viele Integrationsprojekte haben sich bewährt", so das Statement von Integrationsstadträtin Mag. Renate Brauner und WIF-Geschäftsführer Hannes Seitner in einem Pressegespräch am Donnerstag zur Integrationspolitik in Wien. In Zukunft werde es
aber nicht nur darum gehen, die Integrationsarbeit in Wien weiter voranzutreiben. "Es sind vor allem", so Stadträtin und Fondschef, "neue Denkansätze und weitere Initiativen gefordert".

"Aufgrund der praktischen Erfahrungen und der bisher geleisteten Grundlagenarbeit wird sich der Wiener
Integrationsfonds daher jetzt verstärkt als "Braintrust" positionieren. Der WIF soll hier einerseits selbst Ideen
entwickeln, andererseits aber auch konstruktive, und vor allem konkrete Vorschläge zur künftigen Integrationsarbeit in Wien sammeln und auf ihre praktische Umsetzbarkeit überprüfen", erklärten Brauner und Seitner unisono.****

Dieses rasch zu schnürende und umsetzungsorientierte Paket soll dabei auf den Grundgedanken basieren, dass eine erfolgreiche Integrationspolitik alle Bereiche der Stadtpolitik umfasst,
konkrete Integrations-Initiativen und Maßnahmen nicht nur im Verborgenen "blühen" dürfen, sondern nach draußen getragen werden müssen und schließlich, dass Integration keine Einbahnstraße ist. Sie funktioniert nur dann, wenn beide Seiten im Sinne des Miteinanders einen Schritt aufeinander zugehen!

Brauner wörtlich: "Unter diesen Gesichtspunkten werden wir
uns noch intensiver mit den Problemen des Zusammenlebens von Einheimischen und zugewanderten MitbürgerInnen auseinander setzen. Wir werden aber auch einer Ängste schürenden, aggressiven und menschenverachtenden Art des Politikmachens auf das Entschiedenste entgegentreten und dafür sorgen, dass Wien im Sinne des "Vorrangs für Integration" eine offene und internationale Stadt bleibt", sagte Brauner.

Als ersten Schritt in Richtung neue Integrations-Initiativen legten Brauner und Seitner fünf Grundsätze zum Miteinander in Wien vor.

1. Integration eröffnet neue Bildungschancen - Fünf Millionen

Schilling mehr für Sprachoffensive des Wiener Integrationsfonds

Alleine 1998 haben über 3.000 MigrantInnen das Deutschkursangebot des WIF wahrgenommen. Der Frauenanteil lag auf Grund der angebotenen Kinderbetreuungseinrichtungen mit 65 Prozent erfreulich hoch. Die Deutschkurse der Sprachoffensive II sind bereits zu über 100 Prozent ausgelastet. Das heißt es gibt derzeit mehr Nachfrage als Angebot. Aus diesem Grund hat der WIF bis Ende Jänner 2000 auch zusätzliche 15 Kursmöglichkeiten organisiert. Um der immer größer werdenden Nachfrage weiterhin gerecht werden zu können, hat der WIF erst vor kurzem eine Verdoppelung des Budgets für die Sprachoffensive III (Start April 2000) eingefordert, die auch bereits zugesagt wurde. Damit werden im kommenden Jahr für
die Integrationsmaßnahme Nummer 1 nicht fünf, sondern zehn Millionen Schilling zur Verfügung stehen.

Bildung, einer der WIF - Schwerpunkte für 2000, geht aber
weit über das Erlernen der Sprache hinaus. So sollen Bildungsprojekte im Wesentlichen in Verbindung mit Sprach- und Fachspracherwerb, vor allem im unmittelbaren Arbeitsumfeld,
forciert werden. In Kooperation mit den Betriebsräten größerer Firmen will der WIF an zusätzliche Zuwandererzielgruppen herankommen. Darüber hinaus wird der WIF demnächst das Projekt "Vom Hilfsarbeiter zum Facharbeiter" starten. In einem speziellen "Schulungspaket" soll ZuwanderInnen die Möglichkeit gegeben
werden, die außerordentliche Lehrabschlussprüfung abzulegen.

2. Integration bringt mehr Wohnqualität für alle - Verbesserter

Zugang für MigrantInnen zum geförderten Wohnbau

Obwohl der Anteil "Nicht österreichischer "StaatsbürgerInnen bei geförderten Mietwohnungen/Genossenschaften seit 1996 von 1.600 auf 4.000 gestiegen ist und ZuwandererInnen von den dichten Innenstadtbezirken in die Stadterweiterungsprojekte ziehen, wird
das Angebot im Bereich geförderter Mietwohnungen und Genossenschaftsbau von den ausländischen MitbürgerInnen eher zaghaft angenommen. Erfahrungen sowohl in der Integrations- und
der Wohnungspolitik belegen, dass aus soziokulturellen Gründen MigrantInnen dieser Art des Wohnens reserviert gegenüber stehen. Hier existiert ein klares Infodefizit.

Im Rahmen einer gemeinsam vom WIF und dem WBSF initiierten und betreuten Aktion soll künftig ein umfassendes Informations- und Serviceangebot erarbeitet werden. Das Ziel: Direktinformation vor Ort, wo wird welches Objekt gebaut, was kostet es und welche Fördermöglichkeiten stehen zur Verfügung. Ernsthafte Maßnahmen zur Entschärfung sozialer Konflikte auf Grund beengter oder schlechter Wohnverhältnisse kommen allen zu Gute. Sowohl in- wie ausländischen BürgerInnen sollen gleichermaßen bei den verstärkt angebotenen Aktionen im Bereich Anti-Spekulationshilfe
profitieren.

3. Integration schafft Arbeitsplätze – Beratung für Zuwanderer als

Unternehmer

Für viele ZuwandererInnen ist der Weg in die Selbstständigkeit oft die einzige Alternative, um sich in den Arbeitsprozess zu integrieren. Darüber hinaus ist z.B. der türkische Bäcker, der jugoslawische Gemüsehändler etc. als wichtiger Nahversorger bei der einheimischen Bevölkerung schnell und vor allem voll akzeptiert. Hier ist bereits ein Pilotprojekt
in Kooperation mit dem Wiener Wirtschaftsförderungsfonds im Rahmen des "Urban Büros" im 16. Bezirk angelaufen.

Ziel ist es, die interessierten ZuwandererInnen eingehend zu informieren und zu beraten, um ihnen dann bei der Unternehmensgründung die Überwindung "bürokratischer Hürden" zu erleichtern. Die erste Informationsveranstaltung und
muttersprachige Beratung ging bereits am 30. September über die Bühne. Am 21. Oktober und 25. November 1999 finden weitere Einführungsveranstaltungen statt. Beraten wird in Deutsch, Serbisch, Kroatisch, Bosnisch sowie Türkisch. Die Informationspalette reicht von aufenthalts- und arbeitsrechtlichen Bestimmungen, über mögliche Unternehmensformen bis hin zu Förderungsmodalitäten. Ein wichtiger Beitrag zur Integration ist dieses Projekt vor allem auch deshalb, weil Zuwanderer als Unternehmer auch neue Arbeitsplätze schaffen!

4. Integration heißt offensiv für die Rechte von Frauen eintreten

– neues Infoangebot über kostenlose Beratungsstellen für Migrantinnen

Gemeinsam mit den Wiener Beratungseinrichtungen für MigrantInnen hat das Frauenbüro der Stadt Wien kürzlich den Informationsfolder "Kostenlose muttersprachliche Beratungsstellen für Migrantinnen" herausgegeben. In diesem Folder werden 20 verschiedenen Einrichtungen inklusive Sprachangebot,
Telefonnummern, Beratungszeiten und die Erreichbarkeit mit öffentlichen Vekehrsmitteln, vorgestellt. Das Beratungsangebot reicht von den Themen Familie, Ausbildung und Arbeit bis zu Aufenthalt, Gesundheit und Gewalt.

Diese umfassende muttersprachliche Beratung sieht ihre Hauptaufgabe darin, richtig zu informieren. Demnächst wird außerdem ein vom Wiener Integrationsfonds und dem Büro der Frauengesundheitsbeauftragten gemeinsam verfasstes Handbuch für nicht-deutschsprachige Patientinnen und Expertinnen zum Thema "Gesund sein in Wien" vorliegen. Diese neue Publikation soll dazu beitragen, Wissenslücken insbesondere rund um das Thema "Frauengesundheit" zu schließen.

5. Integration lebt von Information und Vernetzung – neue

Plattformen in den Bezirken und mit den Migrantenvereinen sind gefragt

Die neuen Ideen und Initiativen werden nur dann greifen, wenn alle Betroffenen, darunter insbesondere die Bezirke, aber auch die verschiedenen MigrantInnenvereine, an einem Strang ziehen. Die bereits gut funktionierende Projektkooperation mit den Bezirken
wird weiter ausgebaut. Beispielprojekte wie die in Rudolfsheim-Fünfhaus, installierte Initiative "Sprechstunde für ZuwanderInnen" oder auch das mit dem Bezirkspolizeikommissariat Hernals durchgeführte Projekt "Rat und Hilfe" dienen hier als Vorbilder.

Ein weiterer wesentlicher Schritt in der Vernetzungsarbeit
ist die am 20. November im Wiener Rathaus stattfindende 1. Wiener Integrationskonferenz. In diesem Rahmen soll mit ExpertInnen sowie mit den VertreterInnen zahlreicher MigrantInnenvereine und -organisationen gerade auch diese Frage in Richtung konkreter Projekte diskutiert werden.

Brauner und Seitner abschließend: "Das vorliegende Initiativenprogramm stellt ein Grundgerüst für die künftige Integrationspolitik der Stadt dar. Integration war und ist Querschnittsmaterie. Integrationspolitik ist Wohn-, Sozial-, Wirtschaft-, Jugend- und Bildungspolitik und damit Gesellschaftspolitik." Auf dieser Basis, so die Ankündigung, wird im Jahr 2000 ein auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmtes und an konkreten Problemlösungen orientiertes Gesamtpaket geschnürt werden, dass dem Rechnung trägt und alle Bereiche der Stadtpolitik umfasst. "Denn nur eine Miteinanderpolitik, die alle
Lebensbereiche gleichermaßen durchdringt, bringt eine bessere Lebensqualität für alle", so Brauner. (Schluss) gph/wb

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