Private Girokonten: Geldinstitute verbuchen 3,4 Mrd. S Defizit

Neue McKinsey-Studie über Zahlungsverkehr - Konto-Preise in Österreich deutlich günstiger als in Deutschland und Italien

pwk - Die österreichischen Banken verzeichneten für 1998 im Privaten Girokonto weiterhin ein hohes Defizit. Der Verlust betrug insgesamt knapp 3,4 Milliarden Schilling oder 560 Schilling je Konto. Trotz umfangreicher Investitionen in Leistungsverbesserungen und Euro-Umstellung konnten durch massive Rationalisierungen Kosteneinsparungen von 1,3 Mrd. S erzielt werden. Obwohl die Zahl der Konten von knapp 5 (1989) auf inzwischen mehr als 6 Millionen (1998) anstieg, ist es der Kreditwirtschaft gelungen, das Gesamt-Defizit beim Privaten Giro-Konto von 4,9 Mrd. S im Jahr 1989 auf 4,5 Mrd. S (1994) und schließlich auf 3,4 Mrd. S (1998) zu senken. ****

Das ist der Befund der internationalen Unternehmensberatungsfirma McKinsey, die im Auftrag der Bundeskreditsektion der Wirtschaftskammer Österreich - mittlerweile zum dritten Mal - eine Studie zum Thema "Ergebnis im Girokonto mit Privatkunden 1998" erarbeitet hat. In die Untersuchung einbezogen waren die Geldinstitute Bank Austria, BAWAG, Creditanstalt, Erste österreichische Spar-Casse, Oberbank und Postsparkasse sowie der Raiffeisen-, Sparkassen-, Volksbanken- und Hypobankensektor. Sie repräsentieren zusammen rund 79 Prozent der Bilanzsumme aller österreichischen Banken und über 98 Prozent der privaten Giro-Konten.

Namens der Bundeskreditsektion präsentierten Generaldirektor Walter Rothensteiner, die Vorstandsdirektoren Heinz Gehl und Peter Ostermann sowie Syndikus Herbert Pichler am Donnerstag, den 21. Oktober 1999 die wesentlichsten Ergebnisse der McKinsey-Studie:

* Die von den Banken durchgeführten Investitionen gingen nicht nur in Rationalisierungsmaßnahmen wie Automatisierung oder Belegscanner, sie trugen auch dazu bei, Umfang und Qualität der Finanzdienstleistungen zu erhöhen und den Kundenkomfort zu steigern (Internet-Zugang, 24-Stunden-Banking, weltweite Bargeldbehebung Einsatz von Chip-Karten als höherer Sicherheitsstandard, Kontoführung in Schilling und Euro).

* Kosteneinsparungen von rund 1,3 Mrd. S stehen einer volumensmäßig deutlich geringeren Gebührenerhöhung von rund 0,9 Mrd. S gegenüber, wobei einige der Mehrleistungen wie etwa Telefon- oder Homebanking von den Kunden noch nicht auf breiter Ebene angenommen werden.

* Die Reduktion des Floaterlöses um 0,2 Mrd. S oder 37 Schilling je Konto bestätigt eine Erhöhung der Abwicklungsgeschwindigkeit.

* Die größten Kostentreiber beim Privaten Giro-Konto sind nach wie vor Bartransaktionen am Schalter und Überweisungen. Bartransaktionen am Schalter etwa machen mengenmäßig 32 Prozent der Bartransaktionen aus, verursachen aber 77 Prozent der Kosten. Seit 1994 haben allerdings bei den Bartransaktionen die Bankomattransaktionen deutlich zugelegt, die Barein- und -auszahlungen haben abgenommen. Ebenso haben bei den Unbartransaktionen Lastschrift und Dauerauftrag mengenmäßig zugenommen. Dennoch wird eine stärkere Nutzung von Kartenzahlungssystemen auch in Österreich zu forcieren sein.

* Ein Vergleich mit Deutschland und Italien zeigt, dass die österreichischen Banken gegenüber ihrer ausländischen Konkurrenz bezüglich der Kostendeckung immer noch klar im Rückstand sind. Einem Kostendeckungsgrad von 72 Prozent in Österreich steht ein Kostendeckungsgrad von 97 Prozent bei deutschen Geldinstituten und ein Überschuss von 21 Mrd. S bei italienischen Banken gegenüber.

* Die für Österreich ermittelten Vollkosten von 1978 S pro Konto waren allerdings 1998 deutlich niedriger als in Deutschland (2275 S). Zudem rationalisierte Österreich sogar in leicht größerem (absoluten) Ausmaß als Deutschland.

* Die McKinsey-Studie belegt, dass die Rationalisierungsvorteile in Österreich an die Kunden in Form deutlich geringerer Preise - bei Leistungsgleichheit im Angebot - weitergegeben werden: In Deutschland liegen die Preise je Konto um ca. 243 S je Konto höher, in Italien sind sie mit 1.638 Schilling sogar um mehr als Faktor drei höher als in Österreich mit durchschnittlich 527 Schilling.

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