Ausstellung über Frauen in der Technik in Wr. Planungswerkstatt

Wien, (OTS) Eine umfangreiche Ausstellung zum Thema: Frauen
in der Technik, die von der Stadt Wien in der Wiener Planungswerkstatt bis Ende November gezeigt wird, nahmen Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg und Frauen- und Personalstadträtin Mag. Renate Brauner am Mittwoch in einer Pressekonferenz zum Anlass, um auf die Problematik männerdominierter technischer Berufe und die Chancenungleichheit für Frauen in diesen Branchen Fuß zu fassen, aufmerksam zu machen.

Die scheinbare Inkompatibilität Frauen und Technik beinhalte nicht nur ein gesellschaftliches Vorurteil. Es komme genauso ein sozialer und ökonomischer Aspekt zum Tragen. Frauen seien viel seltener in neuen technischen Berufen, in so genannten Zukunftsbranchen, in denen das Lohnniveau auch höher ist, anzutreffen. Dadurch verstärkten sich unter anderem die realen Einkommensunterschiede. Hier gelte es, aktiv gegenzusteuern und Hindernisse zu beseitigen, stellten beide Rathauspolitiker unisono fest.

Als zuständige Personal-Stadträtin betonte Brauner den Aspekt der stadteigenen Beschäftigungspolitik. Die Stadt Wien habe als Arbeitgeberin für über 65.000 Bedienstete eine gewisse Vorbildfunktion. "Gerade in technischen Berufen müssen wir Frauen und Mädchen fördern. Das gilt für alle Ausschreibungen in technischen Dienststellen, wo darauf geachtet werden soll, dass
sich unter den BewerberInnen qualifizierte Frauen finden," sagte Stadträtin Brauner. "Das hat ebenso für das Ausbildungswesen der Stadt Gültigkeit. Unter den insgesamt 344 im Jahr 1999 aufgenommenen Lehrlingen sind 165 Mädchen."

Vizebürgermeister Görg hingegen betonte generell die Notwendigkeit der Chancengleichheit. "Eine Stadt, die modern,
urban und dynamisch ist, sollte in ihren Strukturen und ihrer Ausrichtung auch zukunftsorientiert sein. Frauen in technischen Berufen speziell zu fördern, ist ein Anfang, Bewusstsein zu fördern, sollte aber nicht zur positiven Diskriminierung führen. Wir müssen im Bewusstsein und in den Köpfen der Menschen etwas verändern, um Chancengleichheit herzustellen. Die Stadt kann hier als bewusstseinfördernde Maßnahme schon Akzente setzen, aber eine notwendige Änderung des gesellschaftlichen Bewusstseins kann dadurch nicht ersetzt werden," so Vizebürgermeister Görg. "Auch ich habe als Planungsstadtrat eine Positiv-Meldung im Zusammenhang mit der Beschäftigung von Frauen in technischen Berufen einzubringen: die Mehrheit - weit mehr als 50 Prozent - aller in
den letzten zwei Jahren in mein Planungsressort aufgenommenen Jungakademiker sind Frauen."

Zur Ausstellung "Frauen in der Technik von 1900 – 2000"

Unter der Federführung engagierter Frauen in der Technik -
der Ingenieurkonsulentin DI Johanna Fuchs-Stolitzka sowie der Architektinnen Arch. DI Martina Grabensteiner, Arch. DI Eleonore Kleindienst und Arch. DI Silja Tillner - entstand die Ausstellung "Frauen in der Technik 1900 - 2000" in der Wiener
Planungswerkstatt, die am 21. Oktober eröffnet wird. Die Ausstellung, die 79 Porträts von österreichischen Frauen in technischen Berufen zeigt, wird bis 24. November am Friedrich-Schmidt-Platz 9 zu sehen sein.

Die Ausstellung repräsentiert einen Einblick in die Entwicklung eines Frauenbildes in einer klassischen Männerdomäne bis zum heutigen Datum. Rückblickend ist es in den letzten beiden Jahrhunderten einzelnen Frauen gelungen, im Zuge der allmählichen Eroberung von Bildungseinrichtungen und Berufsfeldern auch die Technik als eines der letzten Tätigkeitsfelder, von dem sie lange ausgeschlossen waren, zu besetzen - allerdings waren Frauen stets mit unterschiedlichen Hindernissen konfrontiert.

"Kein Mensch wird sich von einer Frau ein Haus bauen lassen"

Trotz dieser warnenden Worte ihres Vaters entschloss sich Margarete Schütte Lihotzky als erste Frau Österreichs zum Architekturstudium. Rund 80 Jahre später gibt es an den österreichischen Fakultäten für Architektur annähernd 3.000 Studentinnen. Architektinnen und Ingenieurinnen haben jedoch immer noch mit manchem Vorurteil der Gesellschaft sowie mit schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen. Während der Anteil der Frauen beim Architekturstudium heute bei fast 40 Prozent liegt, gibt es in Österreich derzeit 289 Architektinnen, das entspricht ca. 10 Prozent der gesamten Berufsgruppe. In anderen Planungsbereichen
ist die Zahl der Ziviltechnikerinnen noch geringer. Das Ziviltechnikerverzeichnis führt sieben Zivilingenieurinnen für Bauwesen (vier mit aufrechter Befugnis), fünf Ingenieurkonsulentinnen für Bauingenieurwesen (vier mit aufrechter Befugnis), vier Frauen im Bereich Raumplanung und Raumordnung
(eine mit aufrechter Befugnis) sowie neun Landschaftsplanerinnen.

Frauen in der Technik: Berufe mit Zukunft

In Zukunft werden diese Zahlen jedoch tendenziell steigen.
So hat sich der Anteil der weiblichen Studierenden insgesamt etwa
an der TU Wien um 20 Prozent eingependelt. Zwar gibt es mit der Landschaftsplanung sogar eine technisch-naturwissenschaftliche Studienrichtung, in der mittlerweile mit 51 Prozent der
Studierenden und sogar 61 Prozent der Absolventinnen die Frauen überwiegen. Doch arbeiten insgesamt in Österreich derzeit nur neun Landschaftsplanerinnen mit aufrechter Befugnis.
In anderen technischen Studienrichtungen wie etwa dem Bauingenieurwesen sind lediglich 12 Prozent der studierenden
Frauen, in Fächern wie Maschinenbau und Elektrotechnik liegt der Frauenanteil unter der 5 Prozent-Marke.

Heute noch Vorurteile - und strukturelle Hindernisse

Die Gründe für die aktuelle Situation von Frauen in technischen Berufen sind vielfältig. So haben Architektinnen, Planerinnen, Bauingenieurinnen heute noch gegen Vorurteile anzukämpfen. Sie müssen sich bei den Bauträgern und Auftraggebern erst die Kompetenz verschaffen, die Männern von vorneherein zugesprochen wird. Frauen in der Technik sind auch mit dem Fehlen jener sozialen Strukturen und Netzwerke konfrontiert, auf die Männer zurückgreifen können. Auch die fehlende Mitgliedschaft bei Bünden und die mangelnde Zeit für gesellschaftliche Kontaktpflege auf Grund von Kinderbetreuungspflichten schließen Frauen von
vielen Möglichkeiten aus, an Aufträge zu gelangen. Auch die Mehrzahl der Jurien etwa bei geladenen Architekturwettbewerben ist mehrheitlich männlich besetzt, ebenso wie die Teilnehmerlisten. Grundsätzlich gilt: Die aufrechte Befugnis ist entscheidende Voraussetzung für den Berufsweg und die öffentliche Anerkennung. Doch gerade Frauen verzichten aus Kostengründen häufig darauf, ihre Befugnis aufrechtzuerhalten , und arbeiten z.B. nach der
Geburt eines Kindes nur als Mitarbeiterinnen im Büro. Dadurch
sinkt die Chance, sich den erforderlichen "guten Namen" zu machen, in der Folge sind auch die Unterschiede in der Bezahlung beträchtlich.

Arbeitskreis der Ziviltechnikerinnen - wichtiger Schritt ins nächste Jahrtausend

Seit 1996 gibt es in der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten die "Arbeitsgruppe der Ziviltechnikerinnen", die es sich zur Aufgabe gestellt hat, die Interessen der Frauen in der Technik zu vertreten und mehr Aufmerksamkeit und Akzeptanz für deren Anliegen zu schaffen. Die Ausstellung ist ein wichtiger Schritt dazu. (Schluss) lei

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