- 19.10.1999, 11:10:25
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Dzurinda: Slowakische Republik bei EU-Vorbereitungen gut im Plan
AKW Bohunice wird nicht als Stolperstein gesehen - Österreich ist zweitgrößter Auslandsinvestor in der Slowakei
PWK - Der Premierminister der Slowakischen Republik, Mikulas
Dzurinda, erläuterte Montag Abend im Club Internationale Wirtschaft
in der Wirtschaftskammer Österreich das "Programm der
Wirtschaftsentwicklung der Slowakei". Vorrangiges Ziel sei dabei die
Schaffung der wirtschaftlichen Basis für einen EU-Beitritt in der
ersten Gruppe sowie die Mitgliedschaft in der OECD und NATO. Trotz
der aktuell sehr angespannten Wirtschaftslage der Slowakei, die sich
aus den abzutragenden Altlasten und gleichzeitigen Neuinitiativen
ergibt, "ist es heuer gelungen, fast alle unsere makroökonomischen
Kennzahlen zu verbessern", berichtete Dzurinda. ****
Das Programm wurde 1998 mit einem Zeithorizont bis 2002 konzipiert
und zielt vorrangig auf die Senkung des Außenhandels- und
Budgetdefizits ab, auf eine Reform des Bankensektors, die
Koordinierung der Währungs- und Fiskalpolitik, legislative Adaptionen
an die EU, Maßnahmen für die innere und äußere Stabilität der Währung
sowie eine voranschreitende Privatisierung. "Lag das
Außenhandelsdefizit 1998 noch bei 11 Prozent des
Bruttoinlandsproduktes, sollte es 1999 unter 5 Prozent gedrückt
werden können", erklärte Dzurinda und zeigte sich von der Wirksamkeit
der eingeleiteten Reformen überzeugt.
Hohe Priorität werde klarerweise auch den Auslandsinvestitionen
eingeräumt, "für die wir die Voraussetzungen kontinuierlich
verbessern. Österreich ist uns dabei als zweitgrößter
Auslandsinvestor in der Slowakei eine große Stütze", betonte der
Premierminister, der an diesem Abend auch Gespräche mit
Wirtschaftskammerpräsident Leopold Maderthaner führte. Mit Hilfe
dieser Investitionen können die Reformen rascher umgesetzt werden,
wie beispielsweise die Infrastruktur in Richtung Österreich.
Die ersten Privatisierungsschritte in der Slowakei betreffen vor
allem den Bereich Telekommunikation, wo in Kürze eine Ausschreibung
stattfinden wird. Ende nächsten Jahres sollten alle wichtigen
Bereiche wie zB der Bankensektor umstrukturiert und privatisiert
sein, meinte Dzurinda.
Dass all diese Bemühungen und Fortschritte durch das
Weiterbetreiben des Atomkraftwerkes Jaslowske Bohunice geschmälert
werden könnten, sah Dzurinda nicht. "Wir einigten uns auf ein
Vorziehen des Schließungsdatums von 2014 auf 2006/2008, was uns
wirtschaftlich einige Verluste bringt. Für einen noch früheren Termin
ist die Slowakei deshalb nicht gesprächsbereit." Der Premierminister
gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass Österreich ähnlich wie die EU-
Kommission diesen Schließungsplan akzeptieren werde und erwarte daher
keine "Torpedierung der EU-Bemühungen Pressburgs" durch Österreich.
Die Slowakei rangiert unter den 15 wichtigsten
Außenhandelspartnern Österreichs, allerdings seit neuestem mit
sinkender Exporttendenz. Nach der neuesten ÖStat-Statistik sind die
österreichischen Exporte in die Slowakei in den ersten sieben Monaten
1999 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 4,5 Prozent auf 5,1 Mrd
Schilling zurückgegangen.
"Im wesentlichen ist der Rückgang der bisher guten Exporterfolge
Österreichs in die Slowakei auf die anhaltende Investitionsschwäche
und die aktuelle schwierige Wirtschaftssituation der Slowakei
zurückzuführen", erklärt Philipp Marboe, Österreichs
Handelsdelegierter in Bratislava, der an dem Vortrag Dzurindas
teilnahm. Einbrüche gab es heuer bislang vor allem bei chemischen
Erzeugnissen, Maschinen und Fahrzeugen sowie sonstigen Fertigwaren.
Die Importe aus der Slowakischen Republik stiegen hingegen in der
gleichen Periode gegenüber dem Vorjahr um 19,4 Prozent auf 6 Mrd
Schilling an. Kräftig nahmen besonders die Lieferungen von Pkws sowie
elektrischen Maschinen und Geräten nach Österreich zu. Seit dem
Frühjahr 1999 weist die bilaterale Handelsbilanz somit zum ersten Mal
seit vielen Jahren ein Aktivum zugunsten der Slowakei auf.
Mit einer Verbesserung der Außenhandels-Situation im heurigen Jahr
rechnet Marboe nicht mehr, appelliert aber an die österreichischen
Exporteure um ein "verständnisvolles Durchhalten im Interesse
künftiger Geschäfte. Mittelfristig bleiben die Chancen für Österreich
speziell bei Maschinen und Investitionsgütern, Know-how- und
Technologietransfer sowie im Infrastrukturbereich durchaus bestehen",
so der Handelsdelegierte.
(Schluß) Ne
Rückfragehinweis: Dr. Sepp Dabringer
Wirtschaftskammer Österreich
AW-Referat Mittel- und Osteuropa IV
Tel. 01/50105 DW 4442
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