AKH: Qualitätssicherung für die Zukunft

Rieder: Ziel ist angstfreies Spital

Wien, (OTS) "Das AKH ist als Herzeigespital auch Vorbild in Sachen Qualitätssicherung”, erklärte Wiens Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder im Rahmen der Präsentation des Innovationsberichtes 1998 des AKH am Montag gemeinsam mit Prof. Dr. Reinhard Krepler, Ärztlicher Direktor des AKH. "Moderne Qualitätssicherung ist deswegen entscheidend, da Hochleistungsmedizin eine permanente Gratwanderung zwischen Erfolg und Misserfolg ist. ‚Introvertierte Qualitätssicherung" in vertraulichen Zirkeln ist überholt. Zeitgemäße Qualitätssicherung muss transparent und für den Patienten nachvollziehbar sein”, erklärte Rieder.

In dem Bericht werden sämtliche Qualitäts- und Innovationsprojekte beschrieben, die an den einzelnen Kliniken und Instituten bzw. den sonstigen Einrichtungen des AKH in diesem Jahr durchgeführt wurden. Die meisten Einrichtungen haben dabei viele von ihren als selbstverständlich seit langem durchgeführte Qualitätssicherungsmaßnahmen nicht angeführt, sondern nur neue Aktivitäten. An der Präsentation nahmen weiters Prof. Dr. Eugen Hauke, Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes, teil.****

Rieder: Ziel ist angstfreies Spital

Für Gesundheitsstadtrat Rieder basiert der Erfolg der AKH-Methode in der Qualitätssicherung auf folgende Kriterien:

o Qualitätssicherung ist transparent (Einbeziehung von

aussenstehende Experten wie Pharmakologen, Vertretern der Gebietskrankenkasse, etc.)
o Qualitätssicherung ist multiprofessionell und interdisziplinär
o Qualitätssicherung ist innovativ und projektorientiert
o Qualitätssicherung baut auf internationalen Ringstudien (z.B.

die Vermont-Oxford-Studie in der Neonatologie) auf
o Vorrang der Patientenorientierung (Behandlung von Beschwerden)

Ständige Verbesserung

Modernes Qualitätsmanagement (TQM-Total Quality Management) bedeutet, niemals mit dem Erreichten zufrieden zu sein. Ähnlich
wie in der Inbetriebnahmephase wird deshalb gemeinsam mit jeder Einrichtung des Allgemeinen Krankenhauses, insbesondere mit den Kliniken, Klinischen Abteilungen und Instituten, daran gearbeitet, ein neues, noch höheres Qualitätsniveau zu erreichen. Die dabei gesetzten Maßnahmen werden von der Qualitätssicherungskommission, einem 43 Mitglieder umfassenden Gremium des Allgemeinen Krankenhauses begleitet und im Allgemeinen Krankenhaus intern
über das Intranet und außerhalb über das Internet transparent gemacht. Dazu wurde der Status der Qualitätssicherungsmaßnahmen und Innovationen in Berichten der Jahre 1996, 1997 und nunmehr
1998 zusammengefasst. Die Berichte werden aber auch allen Entscheidungsträgern im Gesundheitswesen und allen österreichischen Gesundheitseinrichtungen zur Verfügung gestellt, um von deren Anregungen profitieren zu können.

Qualitätsmanager

Hervorzuheben ist, die Übersichtsdarstellung, aus welcher hervorgeht, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alleine im Jahr 1998 Ausbildungen zum Thema Qualitätsmanagement absolviert haben. Es sind dies insgesamt 43 Personen, wobei 15 davon als QualitätsmanagerInnen zertifiziert wurden, unter ihnen auch der Ärztliche Direktor, Herr ao.Univ.Prof.Dr. Reinhard Krepler.

Darauf wird deshalb so viel Augenmerk gelegt, weil für die Aufrechterhaltung eines kontinuierlichen Qualitätsverbesserungsprozesses Qualitätsmanager in allen Bereichen als unverzichtbar angesehen werden.

Die Philosophie der Transparenz

Im Hinblick auf die große Bedeutung gerade des Wiener Allgemeinen Krankenhauses für die gesamte österreichische Patientenversorgung durch bestimmte medizinische Spitzenleistungen aber auch dadurch, dass am Allgemeinen Krankenhaus zwei Drittel
der österreichischen Medizinstudenten ausgebildet werden und dass jeweils rund 600 der insgesamt rund 1.400 Ärzte in Ausbildung zum Facharzt stehen, hat transparente Qualität größte Wichtigkeit. Aus diesem Grund sind die Anstrengungen des Allgemeinen Krankenhauses, ebenso wie viele andere Informationen über das gesamte Haus, auch im Internet zugänglich: http://akh.health.magwien.gv.at (das AKH -Qualitätssicherungskommission - Jahresberichte)

Benchmarking

Transparenz ist noch aus einem anderen Grund sehr wichtig.
Sie ermöglicht– und das erscheint uns besonders notwendig - dass wir sowohl unsere medizinischen Leistungen als auch deren Kosten
mit anderen Institutionen vergleichen, um von diesen lernen zu können. Wir wollen uns an den Leistungen der besten messen (Benchmarking).

Leitbild - AKH

Das Wollen der Menschen und deren ethische Grundsätze, sind
im Leitbild des Allgemeinen Krankenhauses dargelegt. Das Leitbild wurde von den Mitarbeitern für die Mitarbeiter des Allgemeinen Krankenhauses selbst erarbeitet und soll eine Orientierungshilfe für alle in diesem Haus Tätigen darstellen. Das Leitbild ist ebenfalls über Internet und Intranet abrufbar.

Risk Management - Fehlerkultur

Als wichtige Basis für Qualitätssicherung sieht das Allgemeinen Krankenhaus an, dass Patienten und Mitarbeiter aufgefordert sind Fehler und Probleme offen darzulegen, damit
diesen unverzüglich nachgegangen werden kann, um entsprechende Korrektur-, Vorbeugungs- und Verbesserungsmaßnahmen zu erreichen. Allein dadurch ist ein sehr wirksamer
Qualitätsverbesserungsprozess etabliert, der auch sicherstellt, dass Qualitätsmerkmale dort bearbeitet werden, wo sie für die Menschen wichtig sind und nicht eventuell in Bereichen, die nur
von Seiten der Organisation selbst interessant erscheinen.

Qualitätsmanagement im OP-Bereich

Besonders hervorzuheben ist das Projekt der Zertifizierung
des Operationsbereiches. In diesem 46 Operationssäle umfassenden Bereich werden ca. 40.000 Operationen jährlich durchgeführt. Dieses Projekt betrifft fast alle Kliniken und nahezu alle Bedienstetengruppen des Allgemeinen Krankenhauses. Damit fällt es auch in den Zuständigkeitsbereich aller vier Direktionen. Wenngleich der Aufwand als erheblich eingestuft werden muss,
werden von einer Prozessoptimierung und von einer Optimierung der Schnittstellen wesentliche Fortschritte erwartet. Das Projekt wird vom Bund und der Stadt Wien zu gleichen Teilen finanziert und unterstützt.

Da das Projekt spitalsübergreifende Bedeutung hat, wurde auch ein Vertreter der Österreichischen Vereinigung für Anästhesie und Intensivmedizin zur Mitwirkung eingeladen. Damit wird sichergestellt, dass aus den Anstrengungen am Allgemeinen Krankenhaus auch möglichst kurzfristig Erkenntnisse für andere Krankenhäuser abgeleitet werden können.

Die Zertifizierung nach EN-ISO 9000ff

Zertifizierte Qualitätsmanagementsysteme sind mittlerweile in folgenden Bereichen etabliert:

o Ärztliche Direktion
o Anstaltsapotheke
o Klinisches Institut für Medizinische und Chemische

Labordiagnostik (Teilbereiche)

Vorbereitung für die Zertifizierung laufen in nachstehenden Bereichen:

o Technische Direktion
o Direktion des Pflegedienstes
o Univ.Klinik für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin Gynäkopathologie
o Univ.Klinik für Innere Medizin IV – Intensivstation 13.H1
o Positronenemissionstomographie (PET) und Zyklotron an der Univ. Klinik für Nuklearmedizin
o Univ.Klinik für Radiodiagnostik

Eine Zertifizierung in der nächsten Transche ist für folgende

Einrichtungen vorgesehen:

o Verwaltungsdirektion
o Zentraldesinfektion
o Zentralsterilisation
o Univ.-Klinik für Anästhesie und Allgemeine Intensivmedizin
o Klinische Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie der

Univ.Klinik für Frauenheilkunde
o Klinische Abteilung für Spezielle Gynäkologie der Univ.Klinik

für Frauenheilkunde
o Univ.Klinik für Innere Medizin II – Herzkatheter
o Klinische Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie der

Univ.Klinik für Innere Medizin I
o Univ.Klinik für Innere Medizin I – Intensivstation 13.i2
o Klinische Abteilung für klinische Mikrobiologie
o Neonatologie – Intensivstation
o Univ.Klinik für Orthopädie

Die fünf Partner

Ein wesentlicher Punkt im bezug auf die Erzielung einer hohen Qualität ist das Wissen um die Ziele der beteiligten Partner. Der wichtigste Partner ist selbstverständlich der Patient, gefolgt vom Mitarbeiter. Gleichzeitig muss aber auch den Zielen der Gesellschaft, also deren gesetzlichen Normen und deren Wünschen entsprochen werden, wie sie von der Politik repräsentiert werden. Die Ziele des Eigentümers, im Fall des Allgemeinen Krankenhauses einerseits die Stadt Wien mit ihrem Ziel der Patientenbetreuung, andererseits der Bund mit seinem Ziel der Forschung und Lehre, müssen in gleicher Weise im Auge behalten werden. Wichtige Partner bei einer Universitäts- und Forschungseinrichtung sind auch die anderen Gesundheitseinrichtungen und die forschende Industrie, da die wesentlichen patientenbezogenen, wissenschaftlichen
Durchbrüche nur in einem Zusammenwirken von Universität und Industrie denkbar sind.

Die Qualifikation der Mitarbeiter

Wichtigste Basis für die Leistungsfähigkeit eines Spitals ist die Qualifikation der Mitarbeiter. Das Allgemeinen Krankenhaus hat sich das Motto ”Das Allgemeine Krankenhaus – die Menschliche Größe” gewählt um klar zu machen, dass es auf jeden einzelnen Mitarbeiter ankommt und dass ein Spital nicht von der Bausubstanz bzw. von der medizinischen Ausstattung bestimmt wird. Diese Ausstattung und deren kontinuierliche Erneuerung ist allerdings unverzichtbare Voraussetzung für die erfolgreiche Arbeit der AKH-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Patientenbehandlung, Forschung und Lehre.

Die Qualität der Technik

Für die Sicherheit der Patienten und der Mitarbeiter hat die Instandhaltung aller technischer Einrichtungen große Bedeutung. Am Allgemeinen Krankenhaus wird diese von der Technischen Direktion
im Zusammenwirken mit der Krankenhausmanagement- und BetriebsGesm.b.H. (KMB), welche seit 1994 nach EN-ISO 9002 zertifiziert ist, gewährleistet.

Der Sicherheit aller dient auch die Tatsache, dass das AKH über eine eigene Betriebsfeuerwehr verfügt, die Bestandteil der Technischen Direktion ist.

EDV

Besondere Bedeutung für die Funktionsfähigkeit des AKH haben die EDV-Systeme. Es sind dies einerseits solche für die Administration der Patienten, andererseits viele, welche mit medizin-technischen Einrichtungen gekoppelt sind. Eine EDV-Arbeitsgruppe unter Führung eines Informatikprofessors der medizinischen Fakultät sorgt hier für Innovation und laufende Anpassung an die Bedürfnisse.

Die Qualität von Einkauf und Beschaffung

Die Qualität der Beschaffung wird einerseits durch die entsprechenden Maßnahmen im AKH, andererseits durch die Einbindung in spitalsübergreifende Gremien wie Arzneimitteleinkaufsgremium
und Forum Einkauf gesichert.

In der 21 Mitglieder umfassenden Arzneimittelkommission des Allgemeinen Krankenhauses wirken ein unabhängiger Pharmakologe und eine Vertreterin der Krankenkasse mit um sicherzustellen, dass
auch spitalsübergreifende Aspekte, wie die Medikamentenversorgung nach dem Spitalsaufenthalt, beachtet werden.

Medizinische Dokumentation

Besondere Bedeutung hat die Übersichtlichkeit und
Greifbarkeit medizinischer Aufzeichnungen. Die Kliniken werden von der Ärztlichen Direktion in der Krankengeschichtenführung dadurch unterstützt, dass laufend Fachleute aus der Ärztlichen Direktion im Auftrag der Klinischen Abteilungsleiter und Klinikvorstände stichprobenweise Krankengeschichten sichten und so den Vorständen kurzfristige Verbesserungsmaßnahmen ermöglichen.

Evidence-Based-Medicine

Gute Medizin braucht eine sichere wissenschaftliche Basis und diese ist Evidence-Based-Medicine, also eine auf nachweislicher Nützlichkeit von Diagnose und Therapiewegen basierende Medizin.

Am Allgemeinen Krankenhaus findet deshalb vom 21. bis 23. Oktober 1999 die 53. Van-Swieten-Tagung mit dem Thema ”Evidence-Based-Medicine” statt, welche für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Allgemeinen Krankenhauses ebenso wie für Medizinstudenten frei zugänglich ist. Die wichtigste Zielgruppe sind aber die niedergelassenen Ärzte, die hier Gelegenheit haben, ihre laufende praktische Tätigkeit erneut auf dem Fundament des wissenschaftlichen Nachweises der Effizienz bestimmter Methoden aufzubauen.

Überprüfung der Ergebnisqualität

Seit 1994 werden alle Patienten nach ihrem stationären Aufenthalt angeschrieben und nach deren Meinung über den
Aufenthalt gefragt. Die Ergebnisse der Patientenbefragung werden
in Verbesserungsmaßnahmen unmittelbar umgesetzt.

Eine weitere wichtige Grundlage zur Sicherung der Ergebnisqualität sind wissenschaftliche Arbeiten an den Kliniken, die Nachuntersuchungen operierter oder behandelter Patienten zum Inhalt haben. Dabei werden besonders die Ergebnisse komplizierter oder häufiger Behandlungsverfahren laufend überprüft.

Studentische Lehre

Erstmals im Innovationsbericht 1998 ist auch der Bereich der studentischen Lehre abgedeckt, welcher auf Basis einer Initiative der Medizinischen Fakultät durch einen völlig neuen Studienplan wesentlich weiterentwickelt werden soll.

Forschung

Ein Teil des Berichtes ist auch der Forschung gewidmet, da
das Allgemeinen Krankenhaus zu den größten und wichtigsten Forschungseinrichtungen Österreichs gehört. Zusätzlich zur klinischen Forschung in allen Bereichen des Allgemeinen
Krankenhaus wird Grundlagenforschung auf etwa 10.000 m2 Forschungsfläche durchgeführt.

Anders als in Deutschland, wo Grundlagenforschung vorwiegend
im Max-Planck-Instituten oder ähnlichen Einrichtungen betrieben wird, werden diese Leistungen hier überwiegend an den Universitäten erbracht. Es sind aber auch viele Forschungseinrichtungen der Ludwig Boltzmann-Gesellschaft im Allgemeinen Krankenhaus integriert, was sehr wesentlich zur hohen wissenschaftlichen Leistung beiträgt.

Das Jahr 2000

Für das Jahr 2000 ist eine gesamtheitliche Übersicht über alle Qualitätssicherungsmaßnahmen am Allgemeinen Krankenhaus geplant, welche erstmals auch in einer CD-Rom-Version zur
Verfügung stehen und in bewährter Weise weltweit über Internet abrufbar sein wird.

Inbetriebnahme des Neuen Allgemeinen Krankenhauses

Im Jahre 1989 vor nunmehr 10 Jahren wurde das Allgemeine Krankenhaus in neuer Rechtsform, mit neuer Kollegialer Führung errichtet. Das damalige Strukturkonzept sah schon die Einführung von Qualitätsmanagement vor. Die Inbetriebnahme der Kliniken und Institute erfolgte danach auf Basis einer genauen Betriebsorganisations-, Personalbedarfs- und Einsatzplanung sowie nach bereichspezifischer Schulung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Inbetriebnahmephase konnte mit der Übersiedelung der Universitätsklinik für Frauenheilkunde im Jahr 1996 erfolgreich zum Abschluss gebracht werden. (Schluss) mmr/

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