Bartenstein: Familienarbeit ist Managementleistung

30 Mio. Stunden täglich Familien- und Hausarbeit in Österreich

Wien (OTS) - In Österreich werden täglich rund 30 Millionen Stunden in die Familien- und Hausarbeit investiert. 70 % - 80 % dieser Arbeit leisten Frauen, unbezahlt und selbstverständlich. Wenn wir daher von Familienarbeit reden, handelt es sich im überwiegenden Ausmaß um Frauenarbeit. " Ich würde dies als einen Mißstand bezeichnen und wir müssen alles daran setzen, hier eine Änderung herbei zu führen um eine gerechtere Aufteilung der Familienarbeit zu erreichen," sagte Familienminister Dr. Martin Bartenstein bei der Präsentation des zweiten Projektes der Familieninitiative von Procter&Gamble "Familienarbeit sichtbar machen" am Montag.

Familienleistungen – was wird darunter verstanden?

? Pflege-, Förder-, Versorgungs- und Erziehungsleistungen für die Kinder.

? Vermittlung von Werten:
wie zum Beispiel: Solidarität, Toleranz
Vermittlung psychosozialer Kompetenzen
Konfliktbewältigung und familialer Zusammenhalt

? Wechselseitige Hilfe

? Organisations- und Koordinationsleistungen
Bewältigung des Alltags aller Familienmitglieder
"Eine Mutter, die zwei bis drei Kinder durch die Pubertät gebracht hat, hat wahrscheinlich mehr soziale Kompetenz erworben als ein Manager im mittleren Managementbereich," betonte Bartenstein.

Ein effizientes Wirtschaftssystem setzt diese Vorleistungen der Familien – im Deutschen Familienbericht wird dies auch als Humanvermögensbildung tituliert - voraus. Wenn wir uns dessen als Staat und Gesellschaft nicht bewusst sind, besteht die Gefahr, dass unsere Gesellschaft heute auf Ressourcen aufbaut, die sie à la long selber nicht mehr reproduziert.

Lässt sich die Familienarbeit bewerten?

Das BMUJF hat zusammen mit dem ÖSTAT den Versuch einer Bewertung der Familienleistungen unternommen. Es wurde der jährliche Aufwand für die unbezahlte Haus- und Familienarbeit (11 Mrd. Stunden, 7,7 Mrd. davon entfallen auf die Frauen) erhoben und monetär bewertet, um den volkswirtschaftlichen Gegenwert zu berechnen. Datenbasis 1992.

Bei Anwendung der Mindestlohntarife ergibt sich für die Haus- und Familienarbeit ein Wert von ATS 684 Mrd. (€ 50 Mrd.), wird das durchschnittliche Männereinkommen aus Erwerbsarbeit der Berechnung zugrunde gelegt, erreicht dieser Wert ATS 1.941 Mrd. (€ 141 Mrd.).

Das BIP beträgt derzeit in Österreich rund 2.800 Mrd. Schilling

2. Der typische Familien- und Hausarbeitsplatz ist mindestens so anspruchsvoll und so belastungsreich wie der Arbeitsplatz einer Kindergärtnerin, eines Feuerwehrmanns, einer Krankenschwester, eines Polizisten, eines Bauingenieurs oder einer Lehrerin. Mütter mit vielen Kindern können sogar mit Leistungen von Managern der mittleren Ebenen mithalten.

In erster Linie sind es die sogenannten Schlüsselqualifikationen die die Erfahrungen in der Familienarbeit für die Erwerbstätigkeit attraktiv machen. Darunter zu verstehen sind u.a. die Organisations-und Kooperationsfähigkeit, Initiative ergreifen, Teamfähigkeit, Vermittlungsfähigkeit, Kommunikations- und Kontaktfähigkeiten, Belastbarkeit und Stressbewältigung. Oder wenn sie so wollen die vielbeschworene emotionale Intelligenz, deren Mangel heute im Bereich der Führungsetagen vielfach beklagt wird.

Die Ziele bei der Bewertung von Familienarbeit:

Bewusst machen, welche Arbeit hier tagtäglich und unbemerkt geleistet wird. Darstellung des Nutzen für Staat, Gesellschaft und Wirtschaft. Familien- und Hausarbeit wird als Selbstverständlichkeit erlebt. Erst dann wenn diese Aufgaben nicht mehr erfüllt werden, spüren wir die enorme Bedeutung und die Dimension dieser Tätigkeitsbereiche. Ein Kind oder Jugendlicher außerfamiliär betreut erfordert einen finanziellen Aufwand bis zu 50.000,-- Schilling monatlich.

Nutzbarmachung der innerfamiliären Kompetenzen für die Erwerbsarbeit. Damit Unternehmen familienerprobte Frauen und Männer explizit ansprechen und honorieren können, müssen diese sowohl beurteilt als auch messbar sein. Beispielgebend ist die Offensive in der Vorarlberger Landesregierung (Landesbediensteten Gesetz, 1996): Bei der Besetzung von Stellen werden dort nämlich die Erfahrungen in der Familienarbeit, Pflege oder sozialen Tätigkeit berücksichtigt.

Selbstbewusstsein der Familienmütter und –väter stärken: Umfragen haben gezeigt, dass sich die familienerprobten Männer und Frauen des Zugewinns an Kompetenzen und Persönlichkeit durch die Familienphase zu wenig bis gar nicht bewusst sind. Folgen sind eine negative Selbsteinschätzung, die Kompetenzen und Fähigkeiten werden in Bewerbungsgesprächen nicht offensiv eingebracht und Personalverantwortliche unterschätzen deren Bedeutung. Das Selbstwertgefühl leidet und damit auch die Aus- und Weiterbildung. Familiäre Kompetenzen müssen daher explizit bewusst gemacht und der Transfers in die Erwerbsbereich aktiv unterstützt werden.

Öffentliche Meinung über die Familien- und Hausarbeit ändern: Die Untersuchung von Prof. Kerstin Költzsch Ruch hat ergeben, dass die negative allgemeine Meinung über Hausfrau /Hausmann nicht nur bei den Betroffenen für Frustration sorgt, sondern dass dadurch zudem die Chancen auf dem Arbeitsmarkt nochmals verschlechtert werden. Der Teufelskreis von negativer Meinung über die Haus- und Familienarbeit und untergrabenem Selbstwertgefühl muss daher durchbrochen werden.

Gerechtere Verteilung der Haus- und Familienarbeit: es ist unbestritten, dass der Hauptteil dieser Aufgaben von den Frauen erbracht wird, mit den uns bekannten negativen Folgen: geringere Pension, weniger Gehalt und reduzierte Chancen am Arbeitsmarkt. Unserer Strategie ist daher eine doppelte: der innerfamiliäre Ausgleich muss einerseits von der öffentlichen Hand unterstützt werden, beispielsweise durch eine besserer Anerkennung der Kinderbetreuungsarbeit in der Pension, und andererseits muss es gelingen, die Väter und Männer stärker in die Familienarbeit zu bringen.

Schluss

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