Bartenstein: Früherkennung von Gewalt an Kindern beste Hilfe

Kinderschutzgruppen kümmern sich in 18 österreichischen Krankenhäusern um Opfer familiärer Gewalt

Wien (OTS) - "Die Früherkennung von familiärer Gewalt an Kindern ist wesentlich für eine rasche Hilfe. Im Zentrum aller Maßnahmen, die gegen Gewalt angewandt werden, steht nicht nur die konsequente Verfolgung des Täters, sondern vor allem der nachhaltige Schutz des Opfers. Die Arbeit der Kinderschutzgruppen, die in mittlerweile 18 österreichischen Krankenhäusern eingerichtet wurden, ist dabei richtungweisend." Das sagte Jugendminister Dr. Martin Bartenstein heute, Samstag, bei einem Symposium in Graz, bei dem die Erfahrungen der Kinderschutzgruppen analysiert werden.

Diese Gruppen bestehen aus Fachärzten, Psychologen, diplomiertem Krankenpflegepersonal und Sozialarbeitern. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, durch besondere Sensibilisierung die Gewalt an Kindern frühzeitig zu erkennen, die Behandlung in engem Zusammenwirken mit der Familie vorzunehmen und die befassten Berufsgruppen aus- bzw. weiterzubilden. Die Teams sind an Kinderkliniken bzw. Krankenanstalten mit Kinderabteilungen tätig. In Innsbruck wurde 1991 die erste Kinderschutzgruppe gegründet, ihre Zahl hat sich mittlerweile auf 18 erhöht. Vom Jugendministerium wird ihre Arbeit unterstützt.

Das 1998 novellierte Ärztegesetz stellt klar, dass der Schutz des Opfers Vorrang gegenüber einer Strafanzeige des Täters hat, hob Bartenstein hervor. Durch die heurige Novelle zum Jugendwohlfahrtsgesetz wurde außerdem eine Meldepflicht bzw. -berechtigung für Ärzte und sonstige medizinische Berufe, für Psychologen und Psychotherapeuten gegenüber dem zuständigen Jugendamt festgeschrieben.

"Die Kinderschutzgruppen erfüllen mit ihrer unverzichtbaren Tätigkeit diese gesetzlichen Bestimmungen mit Leben", sagte Bartenstein. Ihre Arbeit ermöglicht es, dass ein verletztes Kind -bei dem Verdacht auf Misshandlung oder Missbrauch besteht -, sofort stationär aufgenommen werden kann, um es aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich in Sicherheit zu bringen. Danach übernehmen die Mitglieder der Kinderschutzgruppe die weitere Abklärung der Betreuung und kontaktieren die Eltern. Gemeinsam wird versucht, das Problem in der Familie zu lösen, die Ursache der Gewalt zu orten und zu beseitigen.

Bei guter Kooperation kann von der Anzeige Abstand genommen werden. Wird die im Anschluss getroffene Vereinbarung (etwa eine Familientherapie oder regelmäßige Kontrollen - nicht erfüllt, so wird im Nachhinein Anzeige erstattet. "Wenn die berechtigte Aussicht besteht, dass der entsprechende Übergriff ein einmaliges Fehlverhalten der Eltern bzw. eines Elternteils bleibt, dann kann sich auch die elterliche Wohnung wieder zum sicheren Schutzraum für das Kind entwickeln", sagte Bartenstein.

Die Arbeit der Kinderschutzgruppen sollte ständig weiterentwickelt werden, so der Minister weiter. Gegenüber der Öffentlichkeit sei eine gemeinsame Strategie des Auftretens besonders wichtig, innerhalb der befassten Mitarbeiter sollten vor allem gemeinsam Fragen der Qualitätssicherung erörtert werden. "Gewalt gegen Kinder gehört zu den traurigsten Realitäten unserer Gesellschaft. Es bedarf der Zusammenarbeit vieler, um sie stoppen zu können", unterstrich der Minister.

Er hob in diesem Zusammenhang hervor, dass die Zahl der Anzeigen bzw. der Inanspruchnahme von Erziehungshilfen bei sexuellem Missbrauch deutlich gestiegen sei. Der Minister führte diese Entwicklung unter anderem auf bewusstseinsbildende Maßnahmen und die vermehrte Medienberichterstattung zurück.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Jugend und Familie
tel.: 01/515 22 DW 5051

Bundesministerium für Umwelt

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | BMU/OTS