Das Wirtschaftsblatt berichtet in seiner morgigen Ausgabe: Genehmigung von Vertriebsvereinbarungen wird schwieriger EU kippt Vertriebsregeln für Bier und Benzin

Brüssel (OTS) - In Österreichs Brauereien und Mineralölgesellschaften herrscht Alarmstimmung: Anlass ist der Vorschlag der EU-Kommission für eine Reform der Zulassungsbedingungen von Vertriebsvereinbarungen, sogenannten vertikalen Beschränkungen.

Der Brüsseler Plan, der Anfang 2000 in Kraft treten soll, droht das in Österreich bestehende Vertriebssystem für Bier und Benzin zu kippen. Dabei schliessen Gastwirte oder Tankstellenbetreiber langfristige Lieferverträge mit Brauereien bzw. Mineralölkonzernen und erhalten dafür im Gegenzug Investitionshilfen, Zuschüsse etc. Weil die Funktion des Handelsvertreters, über den etwa die Ölkonzerne ihre Tankstellen betreiben, im Vorschlag von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti äusserst restriktiv ausgelegt ist, drohen OMV, Shell und Co. die Preishoheit im Benzingeschäft zu verlieren.

Derzeit können die Ölkonzerne ihren Pächtern Preise, Sortiment, Einkauf und Margen diktieren. "Tritt die EU-Verordnung in Kraft, hätten unsere Agenten die Möglichkeit der freien Preisbildung und Produktwahl", klagt Kurt Tiroch, bei BP fürs Tankstellengeschäft verantwortlich. Preisempfehlungen, die wie Fixpreise wirken, will die EU nicht mehr erlauben. Auch die Einschränkung des Lieferantenkreises wäre verboten. Konsequenz: Bei einer BP-Tankstelle könnte auch OMV-Benzin getankt werden. Und: "Die Preise würden unkontrollierbar", sagt Tiroch. "Um das zu verhindern", meint Friedrich Markart, EU-Kartell-Experte der Industriellenvereinigung, "könnten die Ölkonzerne verstärkt zum Direktvertrieb übergehen, Tankstellen also selbst betreiben." In Deutschland tätige Mineralälkonzerne haben derartige Überlegungen bereits angestellt. Eng wird es auch für die Brauereien: Sie können ihre Vereinbarungen mit Gastwirten derzeit auf zehn Jahre schliessen. Nach dem EU-Plan sind nur noch fünf Jahre zulässig. "Das ist zu kurz, damit sich die Investitionen in Gasthöfe amortisieren", sagt Leopold Wurstbauer vom Fachverband der Brauereien. Setzt sich Brüssel durch, müssten die Brauereien in bestehende Verträge eingreifen und einen Teil der getätigten Investitionen zurückverlangen. "Es geht um etliche 100 Millionen Schilling." "Von der Neuregelung betroffen sind auch Zulieferbetriebe und Franchise-Unternehmen", sagt Theodor Taurer von der Wirtschaftskammer.

Rückfraghinweis: Wirtschaftsblatt

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