Vier Gewerkschaften gehen gemeinsam ins neue Jahrtausend

Wien (ÖGB). Die vier Organisationen Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), Gewerkschaft Kunst, Medien, freie Berufe (KMfB), Gewerkschaft Druck und Papier (DuP), sowie die Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten (GPF) haben heute, Freitag, einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Ziel dieser Zusammenarbeit ist eine noch schlagkräftigere Vertretung der Interessen der Mitglieder. ++++

Aufbauend auf den Beschluß des letzten Bundeskongresses zur Organisationsreform ist damit ein weiterer wichtiger Schritt gesetzt. Demnach wollen die 14 Gewerkschaften des ÖGB "durch Kooperation und Konzentration der Kräfte in einigen wenigen Bereichen, die sich an den Oberbegriffen Produktion, Dienstleistung und öffentliche Dienste orientieren und unter Einbeziehung aller bestehender Gewerkschaften des ÖGB”, eine Neuordnung gestalten. Unmittelbar vor dem 14. Bundeskongress, der kommenden Dienstag in Wien beginnt, haben alle Gewerkschaften im ÖGB entweder Kooperations- oder Verbundverträge bzw. arbeiten im Bereich der Lohn- und Gehaltsverhandlungen intensiv zusammen.

"Es gibt keine Patentrezepte um auf Veränderungen zu reagieren”, erklärt dazu GPA-Vorsitzender Hans Sallmutter. "Gewerkschaften müssen sich den neuen Herausforderungen stellen. Das können sie nur, wenn sie bereit sind, sich auf neue Formen der Organisation einzulassen. Ich war immer für diesen Verbund und darum bin ich erfreut, dass er zustande kommt. Wichtig ist, dass wir uns auf die Arbeit stürzen. Denn, da sind wir uns alle einig, es gibt viel zu tun.”

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Kunst, Medien, freie Berufe, Ernst Körmer sagt zum Verbundvertrag: ""Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wenn die Unternehmen die Strukturen ändern und existenzgefährdende Bedingungen für die Mitarbeiter schaffen. Gerade in unserer Gewerkschaft mit vielen atypischen Beschäftigungsverhältnissen ist es notwendig, darauf zu reagieren und zu agieren. Darum ist die Zusammenarbeit zwischen strukturverwandten Gewerkschaften ein Gebot der Stunde. Für unser Verhältnis untereinander ist wichtig, daß die Verbundgewerkschaften gleichberechtigte Partner mit gleichen Rechten und Pflichten sind.

Die beiden Vorsitzenden Franz Bittner (DuP) und Hans-Georg Dörfler (GFP), die bereits seit Anfang 1998 auf Basis eines Vertrages eng zusammenarbeiten, sprechen von einem weiteren Schritt zu einem neuen Gewerkschaftstypus.

"Das Hauptziel unseres Verbundvertrages”, erklärt DuP-Vorsitzender Franz Bittner, "ist die Verbesserung des Leistungsangebotes für die Mitglieder der vertretenden Branchen und Bereiche sowie eine noch stärkere Bindung der arbeitenden Menschen an die Gewerkschaftsbewegung. Der Verbund soll in Zukunft die gewerkschaftliche Interessensvertretung sowohl gegenüber den Arbeitgebern als auch gegenüber dem Staat noch durchsetzungsfähiger, effizienter und attraktiver gestalten.” Bittner betont, dass dieser Verbundvertrag den ÖGB in seiner politischen, Aktions- und Durchsetzungsfähigkeit sowie bei der unverzichtbaren Koordinierung gewerkschaftspolitisch relevanter Themen weiter stärken soll.

"Am Beispiel der Kommunikationsbranche, wo seit geraumer die Gewerkschaften GPA und GPF gemeinsam Kollektivverträge verhandeln, zeigt sich, wie wichtig die Gewekschaftsübergreifende Zusammenarbeit ist. Bei der bevorstehenden Liberalisierung und Deregulierung des Postdienstes werden wir vor neue Aufgaben gestellt, bei denen wir die Unterstützung aller KollegInnen brauchen”, begründet Dörfler die Ausweitung des bereits bestehenden Verbundvertrages. Denn nicht umsonst, so Dörfler, laute das Motto der GPF: "Wandel braucht Gewerkschaft, Gewerkschaft hat Zukunft.”

ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch: "Die neue Kooperation zwischen den vier Gewerkschaften ist ein gutes Fundament für eine wirkungsvolle und zukunftsorientierte Arbeitnehmervertretung.” Der rasante Wandel in der Wirtschaft erfordert eine schnelle Anpassung der gewerkschaftlichen Strategien. Bei den Kooperationen geht es vor allem darum, dass die Gewerkschaftsmitglieder von den Leistungen des ÖGB und seiner Gewerkschaften noch mehr profitieren und die große Zahl von Nichtmitgliedern in den neuen Berufs- und Beschäftigungsfeldern noch schlagkräftiger vertreten werden können.” (kr)

ÖGB, 8. Oktober 1999 Nr. 463

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Tel. (01) 534 44/239 Dw.

Annemarie Kramser

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB/NGB