Motivation wichtiger Faktor für Arbeitssicherheit "Wer keinen Spielraum zulässt, schafft sich bezahlte Feinde"

Wien (OTS) - Menschengerechte Arbeitsgestaltung bildete den Schwerpunkt des zweiten Kongresstages des Arbeitskreises Sicherheitstechnik, der gleichzeitig mit dem internationalen IVSS-Bau-Sicherheitskongress von der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) seit Mittwoch (6.10.1999) in der Wiener Hofburg veranstaltet wird. "Anhaltende Verbesserungen im Gesundheitsschutz bei der Arbeit lassen sich nur dann erzielen, wenn das mentale Konzept stimmt", stellte Univ.-Prof. Dr. Helmut Krueger von der ETH Zürich fest. Veränderungen in der Grundeinstellung im Arbeitsverhalten seien dafür die Voraussetzung.++++

Verordnete Maßnahmen scheitern dann, wenn sie nicht den Menschen, sondern die Maßnahme in den Mittelpunkt stellen, sagte der Experte. Auch Prof. Dr. Gisela Kiesau, Direktorin der deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund, belegte dies mit einer Studie: Wo ArbeitnehmerInnen die Möglichkeit haben, Entscheidungen zu beeinflussen, finden sich deutlich niedrigere Ausfallszeiten durch Krankenstände und Arbeitsunfälle. "Mitarbeiterführung" ist für den deutschen Unternehmensberater Dr. Walter Oberlechner auch eine ökonomische Notwendigkeit: "Wer seinen Mitarbeitern keinen Handlungs- und Entscheidungsspielraum einräumt, riskiert, dass sie sich maximal zwanzig Minuten pro bezahlter Stunde der Arbeit widmen. Er schafft sich damit bezahlte Feinde", warnte der Unternehmensberater. Arbeitsbelastungen durch mangelnde Berücksichtigung menschlicher Ansprüche lassen sich schwer objektivieren. Univ.-Prof. Dr. Walter Hackl-Gruber von der Technischen Universität Wien berichtete von einem EDV-unterstützten Messsystem, das er mit einem multidisziplinären Forschungsteam im Auftrag der AUVA erarbeitet und das demnächst in den Praxisbetrieb gehen soll. AUVA-Ergonomieexperte Dipl.-Ing. Michael Wichtl hob die Bedeutung von technischen Faktoren wie Arbeitsmöbel, Belichtung und Beleuchtung sowie klimatische Faktoren für sichere Arbeitsbedingungen hervor.

Arbeitnehmerschutz in der EU: "Harmonisierung nach oben"

Für eine "Harmonisierung nach oben" sprach sich in einer Podiumsdiskussion zum Thema "Stellenwert des ArbeitnehmerInnenschutzes in der EU" der Stellvertretende Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes, Erik Carlslund, aus. Auch Sektionschefin Eva-Elisabeth Szymanski vom Österreichischen Zentralen Arbeitsinspektorat betonte die Notwendigkeit, von den EU-Beitrittskandidaten die hohen europäischen Sicherheitsnormen zu verlangen, um eine Wettbewerbsverzerrung durch Lohn- und Preisdumping zu vermeiden. Hans-Horst Konkolewski von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz mit Sitz im spanischen Bilbao, wies auf die Bedeutung hin, die dem Arbeitnehmerschutz in der EU zukommt: bei 149 Millionen Beschäftigten in Europa ereignen sich jährlich 5 Millionen Arbeitsunfälle, davon 6000 mit tödlichem Ausgang. 28 Prozent der ArbeitnehmerInnen sind lärmexponiert, 45 Prozent leiden unter schmerzhafter Körperhaltung bei der Arbeit, 30 Prozent unter Rückenschmerzen, 28 Prozent unter Stress. Dass Arbeitnehmerschutz und betriebliche Sicherheit "Chefsache" sein müssen, betonte Ewald Hunstein von der Noske Skog Bug GmbH, einem Papierindustriebetrieb in Österreich. "Erst als wir über den österreichischen Zaun nach Europa geschaut haben, ist uns bewusst geworden, welche Aufgaben es im Sicherheitsbereich zu erfüllen gibt", erklärte der Unternehmensrepräsentant. Denn: "Die Kapitalgeber achten nicht nur darauf, wie sorgsam der Betrieb mit den Maschinen, sondern auch mit den Menschen umgeht. Auch das persönliche Vorbild der Betriebsleitung - etwa beim Tragen von Schutzausrüstung - ist ganz wesentlich für die Akzeptanz von Sicherheitsmaßnahmen." Sicherheit sei bereits zum Wettbewerbsfaktor geworden, unterstrichen mehrere Diskussionsteilnehmer. Demzufolge setze sich immer mehr durch, die Eckdaten der betrieblichen Sicherheit wie Krankenstandstage und Arbeitsunfälle in die Geschäftsberichte aufzunehmen und Sicherheit zu einem Bestandteil der Corporate Identity in den Unternehmen zu machen.(Forts.)

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