Ferrero-Waldner anl. Diplomverleihung an der DAK in Wien

BITTE SPERRFRIST 5. Oktober 1999, 17.00 Uhr einhalten !

Liebe Freunde der Diplomatischen Akademie

Es ist mir eine Freude, an der Commencement-Feier der
Diplomatischen Akademie Wien heuer teilnehmen zu können. Dies umso mehr, als die Feier dieses Jahr nicht nur den Beginn eines neuen Studienjahres markiert, sondern einen Neubeginn, ein
"commencement" der besonderen Art darstellt. Vor wenigen Wochen
hat Botschafter Dr. Ernst Sucharipa die Nachfolge von Bot. Leifer als Direktor der DA angetreten.

Ich darf auch im Namen von Vizekanzler Schüssel zunächst den Dank des Bundesministeriums für Auswärtige Angelegenheiten an Botschafter Leifer für seine großen Verdienste um Reform und Revitalisierung der Diplomatischen Akademie aussprechen. Ich freue mich, dass Botschafter Sucharipa, der bereits einige der
wichtigsten Funktionen im Außenministerium bekleidet hat - er war als Politischer Direktor aber auch als Botschafter bei der UNO in New York tätig- bereit war, seine reiche Erfahrung in den Dienst dieser Bildungsinstitution zu stellen, die uns sehr am Herzen
liegt und aus der das Außenministerium auch einen Teil seines Nachwuchses rekrutiert.

Ich freue mich auch darüber, daß in der Person Ernst Sucharipas die traditionell enge Verbindung zwischen der Diplomatischen Akademie und dem Außenministerium bestehen bleibt, die sich bisher zum gegenseitigen Vorteil gut bewährt hat. Aus- und Weiterbildungsfragen stellen gerade für eine Institution wie das BMaA eine stete Herausforderung dar und es ist sehr wichtig, sich bei der Konzeption und Durchführung der entsprechenden Programme auf ein Kompetenzzentrum wie die Akademie stützen zu können.

Unsererseits besteht zur Zeit besonderes Interesse, das Fortbildungsangebot für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BMaA zu verbessern. In diesem Zusammenhang denke ich nicht nur an Wissensvermittlung, sondern vor allem auch an eine Schulung in den für eine moderne Verwaltung immer wichtiger werdenden Fragen der Arbeitsorganisation, des Projektmanagement und die Vorbereitung
auf Führungsaufgaben.

Die Diplomatische Akademie widmet diesen Bereichen im Rahmen ihrer Programme bereits seit mehreren Jahren verstärkte Aufmerksamkeit. Das BMaA unterstützt die postgradualen Ausbildungsgänge der Diplomatischen Akademie inhaltlich und personell, und das nicht
nur, um dadurch den eigenen Nachwuchs bestmöglich auszubilden. Das Konzept der Akademie, junge Akademiker, ob sie nun eine Karriere
im öffentlichen Dienst, in Privatunternehmen oder in internationalen Organisationen anstreben, in einem gemeinsamen Lehrgang interdisziplinär auszubilden, hat sich als zukunftsträchtig und richtungsweisend bewährt.

Eine Commencement-Feier ist jedoch nicht nur Neubeginn eines Arbeitsjahres sondern auch Anlaß, auf die Erfahrungen des letzten Jahres zurückzublicken, diese einer kritischen Bewertung zu unterziehen und aus den Erfolgen Kraft für neue Aufgaben zu schöpfen.

Österreichs Diplomatie stand am Beginn des vorigen Studienjahres mitten in einer großen Aufgabe. Es galt, die erste österreichische EU-Präsidentschaft zu bewältigen und das bedeutete nicht nur, die für das Funktionieren der EU nötige Koordination in vielen Hundert Arbeitsgruppen, den Ratstagungen und anderen Entscheidungsgremien sicherzustellen, sondern auch die politische und institutionelle Entwicklung der EU voranzutreiben.

Ich denke, ich kann - als für die Organisation der Präsidentschaft zuständiges Mitglied der Bundesregierung - ohne Übertreibung sagen, daß wir diese Aufgabe hervorragend bewältigt haben. Österreich hat in wichtigen Dossiers Anstösse gegeben um Weichenstellungen vornehmen können. Während der österreichischen Präsidentschaft wurden die letzten Vorbereitungen für die Einführung des Euro getroffen, eine historische Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen. Der Euro wird sich als wichtigster Motor für die weitere wirtschaftliche und politische Einigung Europas erweisen. In diesem Zusammenhang ist auch auf die Fortschritte in der Agenda 2000 und der Beschäftigungspolitik zu verweisen.

Ein besonderer Erfolg der österreichischen Präsidentschaft war es aber auch, daß trotz anfänglichen Widerstands in einigen Mitgliedstaaten substantielle Beitrittsverhandlungen mit sechs der Kandidatenländer aufgenommen werden konnten. Dies war ein
wichtiger Schritt in Richtung auf die von Österreich gewünschte und befürwortete dauerhafte Einbindung der Staaten Zentral- und Osteuropas in die Stabilitäts- und Wohlfahrtszone der EU.
Wie wichtig dies ist, hat der tragische Konflikt um den Kosovo gezeigt, der die Sicherheitszusammenarbeit in Europa und auch weltweit auf eine ernste Probe gestellt hat. Die GASP hat sich in der Kosovo-Krise durchaus bewährt; dennoch besteht die Notwendigkeit ihrer raschen weiteren Entwicklung und es wurden während und nach der österreichischen Präsidentschaft in diese Richtung wichtige Schritte gesetzt.

Die Erfahrungen der österreichischen Präsidentschaft haben wieder einmal gezeigt, daß auch kleine Länder einen Beitrag zur Weiterentwicklung der EU leisten können und müssen.

Die österreichische EU-Präsidentschaft hat vor allem aber gezeigt, wie wichtig es ist, über Nachwuchskräfte zu verfügen, die nicht nur über gutes Fachwissen, sondern auch hohe geistige Flexibilität, Einsatzbereitschaft und Managementfähigkeiten verfügen, die für eine erfolgreiche Tätigkeit in internationalem Umfeld nötig sind. Die Entscheidung der Diplomatischen Akademie, neben Wissensvermittlung verstärkt auf Persönlichkeitsbildung, die Entwicklung von Führungsqualitäten und Teamfähigkeit zu setzen, hat sich in der Erfahrung der Praxis als richtig erwiesen.

Heute steht Österreichs Diplomatie vor einer neuen großen Herausforderung: Am 1.1.2000 wird Österreich für ein ganzes Jahr den Vorsitz in der OSZE übernehmen. Aufgrund der Bedeutung, die Österreich der OSZE beimißt und auch aufgrund der Tatsache, daß Wien Hauptsitz der OSZE ist, geht Österreich mit besonderem Engagement an diese Aufgabe heran und sieht sich auch mit
besonderen Erwartungen konfrontiert.
Die Herausforderung der Aufgabe besteht darin, in einer
Organisation Führung und Interessensausgleich bewerkstelligen zu müssen, in der 54 Staaten gleichberechtigt Sitz und Stimme haben, zu einer Zeit, in der die OSZE ihre operativen Aktivitäten enorm ausgeweitet hat. 1995 waren an 9 OSZE Missionen ca. 70 internationale Mitarbeiter tätig, heuer werden es nach Abschluß des Aufbaus der Kosovo-Mission mehr als 1000 in 17 verschiedenen Missionen sein.

Die erste Priorität für die OSZE muß zur Zeit ihr Beitrag zur Stabilisierung der Situation auf dem Balkan sein. Ebenso wichtig
ist aber die Fortsetzung und Intensivierung der Arbeit der OSZE
zur Konfliktverhütung. Bei der Förderung von Demokratisierung, Menschen- und Minderheitenrechten hat die OSZE eine zentrale Rolle in Europa.

Am Beispiel der OSZE wird die Vielfalt der Aufgaben deutlich, für die jedes Land, das an einer Mitgestaltung seines internationalen Umfelds interessiert ist, Expertise ausbilden muß. Die rasche Internationalisierung von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur hat auch zur Folge, daß die Unterschiede in den Anforderungen an qualifizierte MitarbeiterInnen im öffentlichen
und im privaten Sektor zunehmend verschwinden: Unternehmen führen Verhandlungen mit ausländischen Regierungsstellen und brauchen MitarbeiterInnen mit Sprachkenntnissen, interkultureller Kompetenz und der Fähigkeit, Entwicklungen der internationalen Politik zu beurteilen.
Diplomaten brauchen gerade durch die Vielfalt der bestehenden internationalen Kontakte auf allen Ebenen und des zwischenstaatlichen Besuchsverkehrs Management-Fähigkeiten und Public Relations-Geschick. Im gesamten öffentlichen Dienst wird vermehrt betriebswirtschaftliches Denken gefordert. Generell gilt, daß nicht nur Fachkenntnisse gefordert sind, sondern dazu Fertigkeiten und Fähigkeiten im Persönlichkeitsbereich wie Überzeugungskraft, Präsentations- und Verhandlungstechnik und Teamfähigkeit.

Die Diplomatische Akademie bietet in ihrem Diplomlehrgang gerade diese Mischung aus interdisziplinärer Fachausbildung und Persönlichkeitsentwickung an, die ihren Absolventen nicht nur im Außenministerium sondern auch im sonstigen öffentlichen Dienst, in der internationalen Wirtschaft oder in internationalen Organisationen gute Möglichkeiten zum Einstieg in eine
interessante berufliche Laufbahn bietet. Ich freue mich, daß dieses Angebot von so vielen jungen Leuten angenommen wird, die
nach ihrer Universitätsausbildung die Chance wahrnehmen, sich eine interdisziplinäre Zusatzqualifikation anzueignen und bereit sind, die Herausforderungen einer internationalen Karriere anzunehmen.

Ich möchte nun allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des 36. Diplomlehrgang zu ihrer erfolgreich bestandenen Aufnahmsprüfung herzlich gratulieren und wünsche Ihnen schon jetzt viel Erfolg im kommenden Studienjahr.

Im Sinne der an der Diplomatischen Akademie gepflegten Mehrsprachigkeit möchte ich für die Lehrgänge, für die Deutsch keine Voraussetzung ist, einige Worte in Englisch sagen.

I have already mentioned that the Austrian government fully
supports the accession to the EU by Eastern and Central European Countries. One of the concrete cooperation projects to that effect is the training programme for diplomats from CEEC organised by the Diplomatic Academy.
The courses are intended to contribute towards the build-up of the manpower necessary for the negotiation process. For Austria, the experience of how important it is to train and retrain the
personnel involved in the accession process is still recent and we are most happy to be able to assist in the efforts that the new candidate countries are now taking in that respect. We are doing this also in the firm conviction that this form of cooperation
will help to strengthen the relations with our future partners in the EU.

At this point I would like to extend a hearty welcome to our colleagues in the 14th "Special Course" for young diplomats. I congratulate you on having been chosen for this 3 months course in Vienna. I am confident that you will find your stay highly
rewarding both from a professional and a personal point of view.

One brain-child of the reform of 1996 has turned into a particular success story. The Diplomatic Academy’s new Master’s program leading to a Master of Advanced International Studies, which was
set up as a joint venture with the University of Vienna, focuses
on the political and economic developments in Europe from a Pan-European perspective.

I have the pleasure to recognize tonight both the graduates of the second M.A.I.S. program, who received their degrees in July of
this year, and the participants in the M.A.I.S. class of
1999/2000.

I am particularly impressed by the quality of the research that
has gone into your Master’s Theses and I would like to suggest to study the possibility, whether in the future some of the theses could be focused on issues that are of particular interest to the Austrian Ministry of Foreign Affairs.

The fast changes in the world around us not only put higher
demands on those who prepare for a career in the international field, they also represent a particular challenge to those who
want to stay abreast of new developments while already established in their careers.
I would like to commend the Diplomatic Academy meeting this new demand for in-service training by opening some of its courses to part-time students. I understand that some of these "Recognized Students" have made such good use of the opportunities offered by the Diplomatic Academy that a special diploma has been awarded to them. My congratulations on your achievements and the best of success for all those enrolling in the coming year.

Mein besonderer Gruß gilt jedoch den glücklichen Absolventen des 35. Lehrgangs, die durch ihren außerordentlichen Einsatz und ihr Durchhaltevermögen während des vergangenen Studienjahrs bewiesen haben, daß sie auch für anspruchsvolle Aufgaben geeignet sind.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Einstieg in ihre
Berufskarriere, die zumindest einige, so hoffe ich, auch in den diplomatischen Dienst Ihres Landes führen wird.

Das an der Diplomatischen Akademie Wien erworbene Wissen wird
Ihnen dabei sicher nützlich sein. Meine besondere Hoffnung aber ist, daß Sie aus Ihren Studien nicht nur Fach- und
Sprachkenntnisse mitnehmen, sondern auch den nötigen Idealismus
und das persönliche Engagement, sich stets für die großen Ziele und Grundwerte der internationalen Gemeinschaft einzusetzen. Wir brauchen junge und engagierte Leute in der Diplomatie aber auch in der internationalen Wirtschaft.

Vor allem dazu möchte ich Ihnen meine besten Wünsche mit auf den Weg geben.

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BM für auswärtige Angelegenheiten
Mag. J.Peterlik

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