Konjunktur im Gewerbe und Handwerk bleibt gespalten

Investitionsgüternahe Branchen stagnieren Bessere Umsatzentwicklung in den konsumnahen Branchen

PWK - Die Konjunktur im Gewerbe und Handwerk bleibt gespalten. Die Auftragsbestände in den investitionsgüternahen Branchen sind im dritten Quartal 1999 um 0,2 Wochen (- 2 Prozent) gesunken. In den konsumnahen Branchen hat sich die Umsatzentwicklung leicht gebessert. Der Anteil der öffentlichen Aufträge ist mit rund 16 Prozent extrem niedrig. Trotzdem steigt die Zahl der Optimisten. Das geht aus einer Umfrage des Instituts für Gewerbe- und Handwerksforschung (IfG) hervor, die am Freitag in Wien bei einer Pressekonferenz der Bundessektion Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich vorgestellt wurde. ****

In den industrienahen Branchen hat sich die bessere Exportkonjunktur noch nicht positiv ausgewirkt. Das Baugewerbe kämpft mit massiven Auftragseinbrüchen. Die Preise sind im Keller, die Eigenkapitaldecke ist mit 8 Prozent viel zu niedrig. Selbst Dienstleistungen wie Werbung, Marktkommunikation und Unternehmensberatung sind nicht mehr so stark gefragt wie im Vorjahr. In den Sektoren Metall/Elektro und Chemie/Kunstoff kann bestenfalls von einer Stagnation gesprochen werden. Aber die Unternehmer lassen die Köpfe nicht hängen. Im Gegenteil, die Auftragserwartungen für das vierte Quartal sind selbst im krisengeschüttelten Baugewerbe gegenüber dem Vorjahr deutlich optimistischer.

In den konsumnahen Branchen haben sich die Umsätze im dritten Quartal 1999 wieder etwas besser entwickelt. Im Durchschnitt liegt der Saldo um 2 Prozent höher als noch vor einem Jahr. Für das vierte Quartal rechnen drei Viertel aller Betriebe mit steigenden oder zumindest gleichbleibenden Umsätzen.

"Die Stimmung ist zwar besser als die Lage, aber der steigende private Konsum, die gute Exportkonjunktur und die gute Entwicklung im Tourismus könnten dazu führen, dass auch die Konjunktur im Gewerbe und Handwerk in den nächsten Monaten wieder anzieht", hofft Hans Leitner, Syndikus der Bundessektion Gewerbe und Handwerk.

Um neue Arbeitsplätze zu schaffen, sprach sich Leitner dafür aus, die Mehrwertsteuer für Baudienstleistungen im privaten Wohnbau von 20 auf 10% zu senken. Die EU hat dafür den Mitgliedsländern bereits grünes Licht gegeben. Jetzt muss Finanzminister Edlinger beim nächsten offiziellen Ecofin-Rat am 8. Oktober bekannt geben, ob Österreich von einer solchen Regelung für eine dreijährige Übergangsphase Gebrauch machen will. Frankreich und Holland haben sich bereits dazu entschlossen. Laut WIFO werden mit einer Halbierung des Mehrwertsteuersatzes alleine im privaten Wohnbau in Österreich 11.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, die Zahl der Arbeitslosen um 7.000 verringert und die Schwarzarbeit um ein Drittel reduziert.

Mit rund 600.000 Beschäftigten wird der größte Arbeitgeber Österreichs seinen Personalstand in den nächsten Monaten insgesamt halten. Steigen wird die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften in den modernen Dienstleistungsbranchen.
(Schluß) mh

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