Konsumentenstadträtin Brauner präsentiert VKI-Diätstudie

Millionengeschäft Schlankheitsmittel: Abnehmwillige werden hinters Licht geführt

Wien, (OTS) "Schlank, fit und schön: Von diesem Ideal träumen viele", betonten die Wiener Frauen- und Konsumentenstadträtin Mag. Renate Brauner und der Geschäftsführer des VKI D.I. Hannes Spitalsky am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz. Anlass war die Präsentation einer von der Stadt Wien im Rahmen der laufenden "Wien ist Wellness"-Aktion in Auftrag gegebenen Studie über Schlankheitsmittel und Diäten in diversen Medien. Die ExpertInnen des VKI hatten insgesamt 15 Produkte geordert, analysiert und aus Sicht des Konsumentenschutzes begutachtet.

Wer überschüssige Kilos loswerden will, stößt auf zahlreiche Wundermittel, die angeblich zu einer schlanken Figur verhelfen.
Die Anbieter von Schlankheitsmitteln nützen Hoffnungen und Illusionen der Konsumenten aus und überschwemmen den Markt mit immer neuen Präparaten zum Abnehmen, so die Ausgangslage. Typische Botschaften: "30 Kilo in drei Monaten, ohne Diät, ohne Hunger,
ohne Nebenwirkungen", "Saugt die überflüssigen Fette im Magen wie ein Schwamm auf", "Mit jeder Kapsel purzeln die Pfunde".

"Alles Unsinn und leere Versprechungen. Unsere Untersuchung zeigt, auf die in Aussicht gestellte schlanke Traumfigur kann man vergeblich warten. Im besten Fall kommen die Abnehmwilligen ohne gesundheitlichen Schaden davon", empört sich VKI-Geschäftsführer Spitalsky über die Methoden, mit denen Anbieter von Schlankheitsprodukten gutgläubige Konsumenten schlicht und einfach täuschen. Ein Riegel könne diesem Treiben nur mit länderübergreifenden Gesetzen vorgeschoben werden. Derzeit seien die Behörden überfordert.

"Hier haben wir aus Sicht des Konsumentenschutzes ein großes Manko gesehen, um auf dieses Betätigungsfeld einen kritischen
Blick zu richten", erklärt Brauner. "Und die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass bei den untersuchten Wunderdiäten mit Sicherheit nur die Brieftasche schlank wird."

VKI analysiert 17 Pillen, Kapseln und Pülverchen

Der VKI hat entsprechende Werbeanzeigen in Tageszeitungen, Wochen-, Frauen-, City- und Postwurfblättern sowie Internet nach Schlankheitsmitteln durchforstet. Im Anzeigenteil bewerben auch Direktvertriebe ihre Schlankheits-Produkte und versuchen gleichzeitig Mitarbeiter zu keilen. Insgesamt 17 Produkte wurden bestellt und deren Inhaltsstoffe unter die Lupe genommen.

Die Produkte – diverse Pillen, Kapseln und Pülverchen – enthalten Chitosan, Aminosäuren, Ballaststoffe, Gummi arabicum und Guar, Tees, Kräuterextrakte, Kakao- und Maisschalen,
Algenextrakte, Molke, Öl, Süßstoffe, Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente etc. "Bei keinem dieser Stoffe ist eine schlankmachende Wirkung bei Menschen klinisch nachgewiesen", fasst Mag. Birgit Beck, Ernährungswissenschafterin im VKI das Ergebnis zusammen. Die angeblichen "Fettfresser" bestehen manchmal aus harntreibenden Zusätzen, ein anderes Mal ist das Wunder schlicht ein ganz normales Genussmittel (roter Pu-Erh-Tee). Auch werden Stoffe beigemischt, die der Körper selbst erzeugt und nicht zusätzlich braucht (Q10, Carnitin).

Der Schmäh mit der "Geld-zurück-Garantie"

"Versprochen und nicht gehalten", so fasst die Konsumentenstadträtin Brauner ein weiteres ernüchterndes Studienergebnis zusammen. "Die propagierte Geld-zurück-Garantie einiger Produkte hielt dem Blick unter der Lupe nicht stand."
Diese Möglichkeit offerieren drei Anbieter (Minus 80 Kapseln, Bio-Schlank-Chip und Bio-Schlank-Kapseln). Tatsächlich war die Geldrückgabe nur im Fall der Minus 80 Kapseln möglich. Der Kontakt mit dem Anbieter von Bio-Schlank-Chip schlug daran fehl, dass
diese Firma bei der versuchten Rückgabe des Produktes bereits verzogen und somit nicht mehr greifbar war.

Schlankmacher ziehen teils irreparable gesundheitliche Risiken mit sich

Die Ernährungswissenschafter fanden beispielsweise den Stoff Chitosan. Hier können bei der Einnahme von zu vielen Tabletten Darmbeschwerden (unter anderem Durchfall) auftreten und ein Mangel an fettlöslichen Vitaminen entstehen. Weiters wurde bei der Dynaslim Formula-Diät mit 689 Kilokalorien die Tagesration als
viel zu niedrig eingeschätzt. Die Folge können Herzkreislaufbeschwerden bzw. Herzmuskelschwund sein. Die Substanz Guar ist ein Quellstoff und bildet im Magen ein Gel, das ein Völlegefühl vortäuscht. Es kann zu einem Speiseröhrenverschluss kommen.

Auch Methoden der Anbieter waren haarsträubend

"Um die Schlankheitsmittel unter die Leute zu bringen, ist
den Anbietern jedes Mittel recht", deckt der Konsumentenschützer Spitalsky die dreisten Verkaufsmethoden auf. U.a. führt er den Trick mit dem Dreimonats-Verkauf an. Nahrungsergänzungsmittel müssen beim Ministerium für Konsumentenschutz angemeldet werden. Dann dürfen sie drei Monate lang verkauft werden. In dieser Zeit überprüft die Bundesanstalt für Lebensmitteluntersuchung und -forschung, ob das Produkt keine schädlichen Rückstände enthält. Packung und Beipackzettel dürfen keine gesundheitsbezogenen Versprechen enthalten, sonst müssen die Produkte als Arzneimittel angemeldet werden. In diesen drei Monaten können die Vertreiber schon schnelles Geld machen. Bei einer Beanstandung verschwindet
das Produkt vom Markt und taucht unter neuem Namen wieder auf.

Zweitens wird der kuriose Trick mit nicht angemeldeten Produkten moniert. Nicht angemeldete Produkte dürfen nicht einmal beschlagnahmt werden. Eine Vielzahl von Mitteln ist illegal im Umlauf. Die Wundermittel kommen ständig und ungehindert – und verschwinden nach einiger Zeit wieder.

Außerdem wird auch der Trick mit der weißen Packung angeführt: Manche Firmen melden bei der Behörde Packungen ohne therapeutische Aussagen an und legen auch keine Werbetexte bei. Nachdem die Anmeldung erfolgt ist, wird in Annoncen und auf Beipacktexten mit sensationellen Schlankheitsversprechen gelockt.

Als letztes Täuschungsmanöver erwähnen die Konsumentenschützer den Trick mit dem Angebot aus dem Ausland:
Befindet sich der Anbieter z.B. in der Schweiz und verkauft die Produkte in Österreich bzw. schaltet Anzeigen in österreichischen Zeitungen, so kann die Lebensmittelpolizei nicht einschreiten.

Brauner rät KonsumentInnen: Genau auf Bilder und Sprache achten

Die Produkte, die angeblich zur Traumfigur verhelfen sollen, wechseln ständig. Die Methoden, mit denen sie angepriesen werden, bleiben hingegen immer gleich. Der VKI rät daher genau auf Sprache und Bilder in den Anzeigen zu achten, um unseriöse Angebote selbst zu erkennen:

o Unrealistische Ergebnisse: "12 Kilo in drei Wochen"
o Vorgaukeln von Erfolgsgarantien: "Hochwirksame Fettfresser"
o Schüren von Schuldgefühlen: "Wer jetzt noch dick bleibt, ist

selber schuld."
o Kaufdruck bei Partys und Informationsveranstaltungen im

Direktvertrieb.
o Vorher-Nachher-Fotos

"Es ist unfassbar, mit welcher Unverschämtheit und zum Teil gesundheitsbezogenen Aussagen die Produkte unter die Leute
gebracht werden", dreht es Ernährungswissenschafterin Beck den Magen um. Die Konsumenten stehen einer völlig unzumutbaren Situation gegenüber. Da einige Produkte das Geheimnis ihrer Inhaltsstoffe nicht preisgeben, ist für den Abnehmbereiten teilweise nicht einmal klar, was er eigentlich zu sich nimmt.

Generell rät Brauner "sich vor einer Schlankheitskur oder Diät bei einem Arzt, Ernährungswissenschafter oder diplomierten Diätassistentin über Gefahren eingehend zu informieren". Denn dauerhafte und sinnvolle Gewichtsreduktion muss im Kopf beginnen. Oft müssen erlernte und anerzogene und falsche Ess-Muster (Was auf den Teller kommt, wird aufgegessen) erst abgelegt werden. Eine ausgewogene Ernährung, Bewegung und ernährungswissenschaftliche Begleitung sind geeignete Strategien.

Das Millionengeschäft auf Kosten der Konsumenten

Wie gut das Geschäft mit den Pseudo-Schlankmachern läuft, lässt sich aus der Fülle an Inseraten ableiten. Spitalsky: " Wir haben das Anzeigenvolumen in diversen Printmedien mit den
offiziell veröffentlichten Anzeigenpreisen hochgerechnet. Da
kommen im Monat an Werbeaufwand zwischen 160.000 und 500.000 Schilling raus – bei den Zitronenkapseln sogar eineinhalb Millionen. Der Umsatz muss ein Vielfaches betragen, damit sich solche Spesen rechnen." Kein Wunder, dass ein Strafausmaß von öS 20.000,- bis maximal öS 100.000,- bei solch lukrativem Geschäft nicht abschreckend ist, so Spitalsky.

Forderungen und Schlussfolgerungen

Um den Markt der Schwindelprodukte wirklich dauerhaft in den Griff zu bekommen, sind länderübergreifende Regelungen der einzig gangbare Weg. Dazu gehören Maßnahmen, die neben unseriösen Schlankmachern auch für das trendige Functional Food gelten sollten.

Zum einen sollte der Verkauf von Schlankheitsmitteln erst
dann möglich sein, wenn das zuständige Ministerium für Verbraucherschutz Anmeldung auf Grund unabhängiger Gutachten bestätigt hat. Andererseits muss in die behördliche Beurteilung auch Aussagen der Werbeanzeigen und Behauptungen von Mitarbeitern der Vertreiber-Firma z. B. bei Info-Veranstaltungen einbezogen werden.

Angesichts der Millionengeschäfte sind strengere Strafen dringend erforderlich. Um wirklich eine abschreckende Wirkung zu erzielen, müssen sich die Strafen an den Gewinnen orientieren. Ein öffentlich einsehbares Register aller angemeldeten und behördlich bestätigten Produkte, so die nächste Schlussfolgerung der ExpertInnen, verschafft den VerbraucherInnen die nötige Sicherheit beim Umgang mit Schlankmachern.

Abschließend wurde geltend gemacht, dass auch verstärkte Kontrollen und Probenziehungen so genannter Diätprodukte und -präparate durch die Lebensmittelaufsicht (in Wien durch das Marktamt) manchem Scharlatan und Glücksritter als Abschreckung dienen würde bzw. ebenso Verbraucherschutzgesetze hinsichtlich neuer Medien modernisiert gehören. "So bedarf es eines neuen rechtlichen Rahmens um die im Internet angebotenen Produkte auch effektiv kontrollieren zu können", wie Brauner sagte. (Schluss) wb/mg

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